Schwierigkeitsgrad: mittel (keine Fräsarbeiten)
Motor: Mashima MHK-1020D von "Le Train Magique"
Werkzeug: Trennschleifer, Schraubendreher, Lötkolben
Kleinteile: Silikonschlauch mit 1 mm Innendurchmesser aus dem Anglerbedarf dickeres oder doppelseitiges Klebe- oder Isolierband
Viele Arnold-Modelle aus den 70er und 80er Jahren halte ich für durchaus gelungen. Sie sind zwar nicht so filigran wie modernere Modellumsetzungen anderer Hersteller, dafür aber robust und standfest. Allerdings hat der Originalmotor einige gravierende Nachteile: Er läuft rauh und erst bei recht hohen Spannungen an, benötigt viel Strom (ca. 200 mA), dreht bei 12 Volt im Leerlauf mit über 30.000 min-1 viel zu hoch und benötigt als Verschleißteil inzwischen schlecht erhältliche Kohlebürsten.
Daher habe ich mich nach einer Motor-Alternative umgeschaut und bin bei Mashima fündig geworden. Beim MHK-1020D handelt es sich um einen modernen 5-poligen Motor in geschlossener Bauform mit wartungsfreien Edelstahlbürsten, der speziell für den Digitalbetrieb empfohlen wird. Der Mashima-Motor benötigt bei derselben Belastung nur den halben Strom, läuft bei niedrigerer Spannung an und dreht bei 12 Volt nur halb so hoch wie der Arnold-Motor. Technisch werden diese Vorteile durch die Verwendung von Seltenerdmagneten anstatt von Ferriten erreicht.
Da dieser Motor ziemlich genau den Abmessungen des Original-Arnold-Motors entspricht, gestaltet sich der Umbau recht einfach, d.h. ohne Fräsarbeiten. Um den oftmals recht lauten Kardanantrieb zu verbessern, wird in dieser Anleitung zudem der Umbau auf einen Silikonschlauch-Antrieb beschrieben. Da der Motor nicht eingeklebt wird, lässt sich der Umbau gegebenenfalls wieder rückgängig machen.
Fast alle Arnold-Modelle der 70er bis 90er Jahre mit Kardanantrieb können damit recht problemlos umgebaut werden. Im einzelnen sind dies BR 103 (2. Serie), 110, 111, 117, 118, 119, 140, 141, 150 (2. Serie), 194 und 221. Die Anleitung ist im Prinzip auch für Loks ohne Kardan-Antrieb, mit direkt auf den Achsen montierten Schnecken oder Federantrieb verwendbar. Beispiele hierfür sind die BR 116, BR 150 (1. Serie), BR 211 / 212, ET 88, BR 798 (2. Serie), Ce 6/8, V 45 und BR 420. Deren Umrüstung ist allerdings mit etwas mehr Bastelei verbunden.
Ältere Modelle (SNCF, BR 103 der 1. Serie, BR 217/218) haben Motore mit anderen Abmessungen und eingehängten Kohlebürsten. Dieser Modelle werden in dieser Umbauanleitung genausowenig berücksichtigt wie die moderneren Modelle mit Schwungmassen, die über einen verbesserten Antrieb verfügen.
Die vorliegende Anleitung beschreibt den Motorumbau am Beispiel einer Arnold-Lok der Baureihe 221.







Spannung [V] |
Strom [mA] |
errechnete Drehzahl [1/min] |
Zeit für 2 m-Strecke [s] |
Geschwindigkeit (umgerechnet) [km/h] |
|---|---|---|---|---|
12 |
106 |
12524 |
6,1 |
182 |
10 |
99 |
9204 |
8,3 |
139 |
8 |
91 |
6821 |
11,2 |
103 |
6 |
83 |
4316 |
17,7 |
65 |
4 |
76 |
1802 |
42,4 |
27 |
Wie man erkennt, wird die vorbildgerechte umgerechnete Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h für den Reisezugdienst bei ca. 10 Volt erreicht. Für den Betrieb mit einer festen Spannung von 8 Volt wäre eher der Einsatz im Eilzug- oder Güterzugdienst passend. Auch bei der geringen Spannung von 4 Volt für Langsamfahrt läuft die Lok - eine gute Stromaufnahme vorausgesetzt - ruhig und gleichmäßig.
Die angegebenen Werte beziehen sich auf eine Leerfahrt der Lok. Maximal wird im Volllastbetrieb (Betrieb an der Haftgrenze) eine um 1,0 Volt höhere Spannung benötigt, um den durch diese Last bedingten Drehzahlabfall von 1200 min-1 zu vermeiden. Aufgrund der Übersetzung erwarte ich nahezu identische Ergebnisse für alle weiter oben aufgeführte Drehgestellloks, da auch diese ein Getriebe im Modul 0,4 aufweisen. Somit lassen sich mit diesem Motor auch Schnellzugloks mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 180 km/h vorbildgerecht betreiben.
Ich betrachte den Motorumbau - auch wenn noch keine Langzeiterfahrungen vorliegen - was das Fahrverhalten, die Geräuschentwicklung und die Wartungsfreiheit angeht im Vergleich mit dem Originalantrieb als sehr gelungen. Sein großer Vorteil ist das modulare Konzept ohne Einkleben des Motors, so dass Motor, Chassis und Platine nach wie vor getrennt voneinander gepflegt, gereinigt und gewartet werden können.
Generell ist zu den Mashima-Motoren zu sagen, dass sie ein gutes Anlaufverhalten (Anlauf des Motors alleine unter 2 Volt), einen ruhigen Lauf aufweisen und somit einen guten Kompromiss zu den wesentlich teureren Glockenankermotoren darstellen, deren Laufeigenschaften - speziell im extrem langsamen Fahrbereich - sie jedoch nicht erreichen. Für Streckenlokomotiven sind diese Motoren jedoch aufgrund der passenden Drehzahl sehr gut geeignet.
Ich habe diese Anleitung nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Sie soll als Anregung dienen, erhebt aber nicht den Anspruch, auf alle potenziellen Fehlerquellen explizit hingewiesen zu haben. Die Verantwortung für Nachbauten liegt bei jedem selbst.
Danke an Burkhard für die Zusendung.
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