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Workshop: Planung einer Anfänger-Anlage 90 x 152 cm - Die Geheimnisse des Rangierens

Der vierte Teil erläutert die elementaren Rangiermanöver anhand unserer kleinen Anlage.

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Einführung in die Geheimnisse des Rangierens

Sicher, es ist nur eine einfache Anlage, aber sie hat alle Elemente, die sie zu einer funktionierenden Eisenbahn machen. Wir können einen Zug (oder auch zwei) mit einem konkreten Zweck fahren lassen und dabei Güterwagen an den Orten abholen oder zustellen, an denen wir vorbeikommen. Versuche es für eine Weile, lass dabei deinen Zug in beide Richtungen fahren und bediene dabei die Abstellgleise.

Hier sind einige Beispiele, die dir den Einstieg erleichtern sollen. Wir starten mit dem Abholen eines geschlossenen Güterwagens vom Verbindungsgleis.

Rangierbetrieb

Wenn unser Zug im Uhrzeigersinn fährt, ist das Verbindungsgleis ein Gleis, aus dem die Lok Wagen nach vorne wegziehen kann.

Rangierbetrieb

Damit wir den Wagen mitnehmen und die Reihenfolge der übrigen Wagen beibehalten können, müssen wir den abzuholenden Wagen zwischen dem letzten Güterwagen und dem Schlusswagen einreihen. Wie machen wir das? Zuerst deponieren wir den Zugschlusswagen, indem wir ihn abkuppeln. Dann ziehen wir mit dem Rest des Zuges vor, bis die Weiche frei ist.

Rangierbetrieb

Wir halten den Zug an und legen die Weiche um, so dass sie ins Verbindungsgleis weist. Nun stoßen wir den Zug zurück ins Verbindungsgleis. Mit einigen Wagen am Haken einen weiteren Wagen zu holen nennt man ein "Manöver". Manchmal wird das Manöver auch mit der Lok allein durchgeführt. Es ist abhängig davon, wo im Zug sich der neue Wagen befinden soll. Wenn Beschränkungen der Bahnverwaltung für dieses Gleis vorliegen, kann dies ein weiterer Grund sein, das Manöver nur mit der Lok durchzuführen.

Rangierbetrieb

Nachdem der neue Wagen angekuppelt ist, ziehen wir den Zug so weit vor, bis die Weiche frei ist und stellen sie zurück auf das Hauptgleis. Immer, wenn eine Weiche benutzt wurde, muss der Zug nochmals anhalten und die Weiche muss in Grundstellung gebracht werden. Ansonsten wird der nächste Zug entgleisen oder ins Abstellgleis einfahren, was möglicherweise zu einem schweren Unfall führt. Wenn du hier nachlässig bist, würdest du deinen Job bei der Eisenbahn nicht lange behalten können.

Rangierbetrieb

Stoße den Zug vorsichtig bis zum Schlusswagen zurück und kupple diesen wieder an. Denke daran, dass sich in diesem Wagen Menschen befinden und er deshalb nur ganz sanft angefahren werden darf - andernfalls könnte es sein, dass du wegen Körperverletzung angeklagt wirst.

Rangierbetrieb

Herzlichen Glückwunsch! Du hast deinen ersten Wagen abgeholt. Nun wird die Bremsprobe durchgeführt. Anschließend wird der Zug durch langsames Anfahren vorsichtig gestreckt und erst danach auf Streckengeschwindigkeit beschleunigt.

Rangierbetrieb

Aber was machen wir, wenn der Zug aus der anderen Richtung kommt?

Rangierbetrieb

In diesem Fall wird das Abstellgleis als "Kopfgleis" bezeichnet. Damit wir den Wagen abholen können, müssen wir die Lok ans andere Ende des Zuges bringen. Wie machen wir das?

Rangierbetrieb

Zuerst wird der Zug abgekuppelt und im Hauptgleis so stehen gelassen, dass beide Weichen frei sind. Dann wird die Lok bis über die Weiche zum Ausweichgleis vorgezogen. Nachdem die Lok angehalten hat, wird die Weiche ins Ausweichgleis gestellt. Nun fahren wir mit der Lok bis auf die Höhe des Zuges zurück.

Rangierbetrieb

Nun wird nochmals angehalten und wir vergewissern uns, dass beide Weichen (diejenige zum Freiverlad und diejenige im Hauptgleis) korrekt gestellt sind für unser Manöver. Die Weiche beim Freiverlad sollte bereits richtig liegen, die Weiche im Hauptgleis nicht. Lege die Weiche um und ziehe die Lok vor ins Hauptgleis jenseits der Weiche. Stelle die Weiche wieder zurück und fahre langsam an den Schlusswagen an.

Rangierbetrieb

Dies wird als "Umfahren" oder "Umsetzen" bezeichnet und du hast einen weiteren Grund für die Ausweichgleise gefunden. Sie werden daher auch "Umfahrgleise oder "Umsetzgleise" genannt.

Schau dir wieder einmal veröffentlichte Gleispläne an. Nun machen all diese Ausweichgleise, die zu kurz sind um einen Zug aufzunehmen, Sinn. Solange nur ein Wagen darauf Platz findet, kann die Lok das Gleis zum Umfahren verwenden und Kopfgleise bedienen oder den Wagen hinter die Lok zu bekommen, wo er hingehört.

Nun verwenden wir den ganzen Zug für das Manöver und holen den Güterwagen. Vergiss nicht, zuerst die Weiche ins Verbindungsgleis zu stellen, du willst ja nicht schon bei deinem zweiten Auftrag den Zug zur Entgleisung bringen, nicht wahr?

Ziehe den Zug zurück, bis die Weiche frei ist, halte an und bring die Weiche in Grundstellung (zum Hauptgleis hin).

Rangierbetrieb

Nun wird der Zug wiederum nach vorne gestoßen. Es spielt keine Rolle wie weit, solange beide Weichen zum Ausweichgleis frei werden, die zum Umfahren benötigt werden.

Rangierbetrieb

Nun wird der Zug erneut umfahren. Vergiss nicht, anzuhalten und die Weichen nach Gebrauch zurück ins Hauptgleis zu stellen.

Rangierbetrieb

Nun fahre vorsichtig an den Zug an. Dein Zugbegleiter hat sich vielleicht einen Kaffee eingeschenkt, während du das Umfahrmanöver beendet hast. Er wird keine Freude haben, wenn du ihn verschüttest.

Rangierbetrieb

Führe die Bremsprobe durch, strecke den Zug und fahre weiter zum nächsten Ziel.

Rangierbetrieb

Übe das Gelernte und versuche dabei auch mehr als einen Wagen auf einmal abzuholen oder zuzustellen.

Ein anderer Trick, den es zu erlernen gilt, ist, wie der ganze Zug gewendet wird, so dass die Wagen an ihrem angestammten Platz bleiben, aber die Lokomotive und der Schlusswagen ihre Plätze tauschen. Findest du es heraus, wie es geht? Das musst du rauskriegen, bevor du deinen Lokführerschein bekommst. Viel Spaß, du bist auf dich allein gestellt!

Wie werden die Wagen entkuppelt?

Du wirst bemerkt haben, dass wir keine Entkupplungsgleise verwenden. Nach meiner Erfahrung ist die beste Enkupplungsvorrichtung für die normalen Spur N Kupplungen ein Stück 1,5 mm Draht, der auf etwa 20 mm Länge rechtwinklig abgebogen und etwas abgeflacht wird. Damit kannst du die eine Kupplung über die andere hochheben. Bei den amerikanischen Micro Trains-Kupplungen helfen wir uns mit einem runden hölzernen Zahnstocher, der in die Kupplungsklauen gesteckt und etwas um die Hochachse gedreht wird, sodass sich die Kupplungen trennen. Beide Werkzeuge können an einem Holzgriff oder einem alten Kugelschreiber befestigt werden. Beide sind sehr viel zuverlässiger, als die im Handel erhältlichen Entkupplungsgleise.

Ordnung ins Chaos bringen

Nach einer Weile wirst du vielleicht etwas müde, die Wagen nach dem Zufallsprinzip abzuholen und zuzustellen. Wenn dies der Fall ist, müssen wir unserem Eisenbahnbetrieb noch etwas mehr Zweck hinzufügen. Die richtige Eisenbahn tut das mit Computern und vielen Angestellten, die bestimmen, wann welche Wagen von wo nach wo bewegt werden. Wir müssen diese riesige Organisation in eine einfache Form bringen, die wir verwenden können. Über die Jahre wurden viele Methoden entwickelt und drei davon sind sehr populär geworden. Wir wollen sie kurz betrachten:

Markierung auf dem Wagen: Bei diesem Entwurf hat jeder Wagen eine Markierung, die auf den Wagen gesetzt wird - normalerweise eine farbige Stecknadel oder ein kleines farbiges Schildchen, das mit einer Nummer oder mit einem Buchstaben versehen ist. Die Farbe stellt die Ortschaft dar und die Zahl steht für einen Punkt in diesem Ort, den es zu bedienen gibt. Man schaut sich nun die Wagen im Zug an und stellt sie entsprechend den Markierungen zu. Wenn man an einem Ort einen Wagen mit falscher Markierung antrifft, nimmt man ihn mit und stellt ihn am richtigen Anschluss zu.

Wagenkarten und Frachtbrief: Dies ist die am weitesten verbreitete Methode. Für jeden Güterwagen gibt es eine kleinen Umschlag oder eine Papiertasche, welche Wagenkarte genannt wird. Diese Karte enthält Informationen zum betreffenden Wagen, wie z.B. den Wagentyp (Schiebewandwagen Hbbillns), den Eigentümer (SBB), die Nummer (21 85 245 7 000-7) usw. Vor jeder Betriebsperiode wird jeder Wagenkarte ein Frachtbrief zugeordnet, ein kleines Papierstück, das in die Tasche gesteckt wird mit Informationen wie:

An: Hafen
Von: Übergabegleis
Ladung: (leer)

Dies ist die Anweisung für die Besatzung des ersten Zuges, den Wagen vom Übergabegleis abzuholen und zum Hafen zuzustellen, wo er beladen wird. Wenn der Wagen dort ankommt, kann der Frachtbrief umgedreht werden, so dass er weitere Instruktionen gibt, wie z.B.:

An: Freiverlad
Von: Hafen
Ladung: Bananen

Dies ist die Anweisung für die Besatzung des nächsten Zuges, diesen Wagen abzuholen und ins Freiverladegleis zuzustellen.

Dies ist die flexibleste Methode, eine Anlage zu betreiben. Zwar braucht es fürs erste Mal eine zeitraubende Vorbereitung, aber danach ermöglicht sie eine Betriebsmethode, die Fehler im Wagenlaufweg selbst korrigieren kann. Natürlich kann das Planen und Ausarbeiten eines Wagenkartensystems auch Spaß machen und gibt dem Anlagenbauer und den Betreibern ein größeres Verständnis von der Anlage. Wir werden darauf zurückkommen, wenn die Komplexität unseres Betriebes danach verlangt.

Rangierliste: Die Methode mit der Rangierliste ist dem Original am nächsten. Die Besatzung des Zuges erhält eine Liste der Wagen, die sich im Zug befinden und Anweisungen, wohin sie zugestellt werden müssen. Außerdem zeigt die Liste alle weiteren Wagen, die unterwegs abgeholt werden müssen. Diese Methode funktioniert gut auf einer Anlage wie der unsrigen, aber bei einer größeren Anlage kann es sein, dass sie zu viel Papierkram verursacht.

Eine typische Rangierliste für unsere Anlage würde so aussehen:

Wagennummer Wagentyp stehen
lassen
Start Ladung Ziel
GN11875 Geschlossen   Verbindungsgleis leer Hafen
NS7700 Hochbord   Verbindungsgleis Schrott Hafen
PRR39857 Schiebewand   Freiverlad Konserven Verbindungsgleis
GN11875 Geschlossen Hafen   leer
NS7700 Hochbord Hafen   Schrott  
DRX207 Kesselwagen   Hafen Diesel Verbindungsgleis

Diese Liste würde deinen Zug anweisen, beim Verbindungsgleis einen geschlossenen Güterwagen (GN11875) und einen Hochbordwagen (NS7700) abzuholen. Anschließend geht es weiter zum Freiverlad, wo ein geschlossener Güterwagen (PRR3985) abgeholt wird. Nun ist der Zug komplett. Vergewissere dich, dass die Wagen zwischen Lok und Schlusswagen eingereiht sind, fahre zum Hafen und verteile den geschlossenen und den Hochbordwagen - einen zum Beladen, einen zum Leeren - und nimm den Kesselwagen (DRX207) mit. Fahre deinen neu geordneten Zug zum Verbindungsgleis, wo der geschlossene und der Kesselwagen abgeliefert wird.

Du musst natürlich die Nummern deiner eigenen Wagen einsetzen - aber versuche es einfach. Es macht Spaß, die Fahrzeit zu verlängern, indem zwei Runden gedreht werden zwischen zwei Halten (z.B. zwischen dem Verbindungsgleis und dem Freiverlad), denn so fühlt es sich ein wenig wie zwei weiter entfernte Ortschaften an.

Dies sind deine ersten Betriebserfahrungen - was denkst du darüber? Jetzt kannst du weitere Rangierlisten erstellen, so dass du und dein Freund zusammen Betrieb machen könnt. Versucht, eure Aufgaben zu erledigen, ohne euch gegenseitig in die Quere zu kommen.

Verbringe eine gewisse Zeit damit, zu erlernen, wie wir das Erreichte verwenden können. Betreibe diese Anlage so lange wie du willst. Du und ein Freund können viele Stunden zufrieden Eisenbahn spielen, Züge fahren und Güterwagen verschieben. Tatsächlich wären viele Leute glücklich mit dieser Anlage, gerade so wie sie ist. Also mach weiter, lege die Gleise auf Korkgleisbettung und füge etwas Landschaft hinzu. Aber befestige die Gleise noch nicht dauerhaft und schottere sie noch nicht ein.

Wenn du bereit bist für weitere betriebliche Herausforderungen, kommst du hierher zurück, und wir werden die Möglichkeiten weiter entwickeln.


Der Workshop geht mit dem Thema "Eine Herausforderung" weiter.


© 1999-2002 Chris Roper. Übersetzt und veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung. Die englische Originalausgabe ist auf http://tutorial.caroper.com erschienen. Übersetzung: © 2006 Felix Geering.

Das sagen User zu diesem Thema (2 Beiträge):

Am: 27.12.06 00:14

Ich kann Hans-Georg, ich hoffe ich darf das so schreiben, einfach nur zustimmen. Es ist nur zu GEIL was ich hier lernen kann, es macht weiterhin unheimlichen Spaß diesen Workshop durchzulesen und auszuprobieren. Morgen muss ich meinem Modellbahn-Laden einen Besuch abstatten und dann geht es weiter mit dem Bauen. :o)
Wie zuvor geschrieben DANKE!!!!!!
MfG
Helmut
Am: 20.11.06 21:37

Klasse! Dank an jemanden, der nicht nur Rollmatrial sammelt und "theoretische" Probleme diskutiert, sondern mal was für Praktiker, für Spielbahner schreibt! Ich hatte mir diesen Artikel schon im Englischen besorgt, mit diesen Infos zum Rangieren kann man mit den Kindern wenigsten was anfangen!

 


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© by 1zu160.info; Stand: 21. 09. 2007; Seitenaufrufe laufender Monat: 234; Vormonat: 286;