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Workshop: Planung einer Anfänger-Anlage 90 x 152 cm - Ein Ausgangspunkt für die Züge

Mit dem sechsten Teil erhalten wir einen Rangierbahnhof. Wiederum werden die neuen Möglichkeiten und Funktionen vertieft besprochen.

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Ein Ausgangspunkt für die Züge

Wenn du bis hierher gekommen bist, hast du hoffentlich viele vergnügte Stunden mit dem Bau und Betrieb deiner Anlage zugebracht. Aber etwas fehlt noch. Wir haben keinen Ort, von dem die Züge herkommen oder wohin sie nach einem anstrengenden Tag voller Rangierarbeiten zurückkehren können. Lokomotiven benötigen Wartung und Treibstoff, das Fahrpersonal braucht einen Dienstort, wir brauchen einen Platz an dem wir gerade nicht benötigtes Rollmaterial abstellen können und, was am wichtigsten ist, wir brauchen einen Platz, um die Wagen zu sortieren und für einen Zug zusammen zu stellen.

Wir brauchen einen Rangierbahnhof (Zugbildungsbahnhof). Das nächste Bild zeigt, wie wir den auf unserer Anlage unterbringen:

Gleisplan mit Timesaver und Rangierbahnhof

Los geht's - bauen wir ihn. Wir benötigen:
4 x Linksweiche mit stromleitendem Herzstück (Fleischmann Art.-Nr. 9178)
4 x Rechtsweiche mit stromleitendem Herzstück (Fleischmann Art.-Nr. 9179)
11 x Gerades Gleis 222 mm (Fleischmann Art.-Nr. 9100)
5 x Gerades Gleis 111 mm (Fleischmann Art.-Nr. 9101)
1 x Gerades Gleis 55,5 mm (Fleischmann Art.-Nr. 9103)
2 x Gebogenes Gleis Radius 430 mm (R4), 15° (Fleischmann Art.-Nr. 9136)
6 x Prellbock mit Gleis 57,5 mm (Fleischmann Art.-Nr. 9116)
10 x Isolier-Schienenverbinder (Fleischmann Art.-Nr. 9403, 12 Stück pro Beutel)
6 Paar Anschluss-Schienenverbinder (selber löten oder Minitrix Art.-Nr. 66520)
5 x Kippschalter "2 x um mit Mittelstellung 'Aus'" (oder Doppelfunktionsschalter gelb, Minitrix Art.-Nr. 66594)

Entferne wiederum die Drahtbügel an den Weichen. Obschon wir nur an den Stellen die Stoppweichenfunktion nutzen können, an der die Weiche und das abgehende Gleis zum selben Stromabschnitt gehören, wird das Kurzschlussrisiko durch die konsequente Verwendung der (polarisierten) Weichen als Stoppweichen doch kleiner. Zudem ist es vorteilhaft, wenn wir dank der Stoppweichen auf jedem Abstellgleis eine Lok abstellen können, wenn das mal erforderlich ist.

Baue nun den Bahnhof auf. Beachte insbesondere die Platzierung der Isolier-Schienenverbinder, wenn du das Ausziehgleis baust (das ehemalige Ausweichgleis - siehe nachfolgende Skizze). Es wird nun in drei separate Stromabschnitte umgebaut und der Bahnhof ist ein weiterer Stromabschnitt. Füge die Bahnhofgleise zusammen und setze dann das ganze Gebilde an den Abgang der Weiche beim Ausziehgleis. Beachte insbesondere die erste Weiche des Bahnhofs. Diese erhält Isolier-Schienenverbinder an der Weichenspitze und Anschluss-Schienenverbinder am gegenüberliegenden Ende der beiden Backenschienen. Die beiden Schienenenden beim Herzstück der Weiche behalten die normalen Schienenverbinder. Das Ausziehgleis für die "Sägefahrt" erhält ein weiteres Paar Anschluss-Schienenverbinder, welches parallel zum Paar an der ersten Weiche angeschlossen wird. Die übrigen Isolier- und Anschluss-Schienenverbinder werden für die Erstellung der verschiedenen Stromabschnitte verwendet.

Das Abstellgleis oben rechts, neben der "Gleisharfe", ist das Bahnbetriebswerk (BW / Bereitschaftsgleis). Das Gleis ist unterteilt in zwei kurze Abschnitte, sodass hier zwei Loks gleichzeitig abgestellt und gewartet werden können. Das Ende des Ausziehgleises muss ebenfalls eine abgestellte Lok aufnehmen können (Lokwartegleis). Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Gleise zu verdrahten. Alles was wir brauchen, ist die Möglichkeit, die Gleisspannung abzuschalten, damit man eine Lok abstellen kann.

Nun haben wir einen Bahnhof, der unseren Betrieb weiter verbessert. Was kann er alles? Lies weiter - das Abenteuer geht gleich los.

Noch mehr Betrieb

Bevor wir den Bahnhof zu bedienen lernen, schauen wir uns die Bezeichnung der Gleise an.

Bezeichnung der Bahnhofsgleise

Jeder Teil eines Bahnhofes hat einen Namen und eine Aufgabe. Obwohl unser Rangierbahnhof im Vergleich zu anderen Gleisplänen verhältnismäßig klein ist, muss er die selben Funktionen erfüllen und deshalb auch die gleichen Gleise beinhalten. In unserem Fall haben einige Gleise mehr als nur eine Aufgabe, damit dies erreicht werden kann.

Wie werden also die Gleise bezeichnet und was ist ihre Aufgabe?

Ein- / Ausfahrgruppe: Wie der Name schon sagt, sind dies die Gleise, auf welchen die Züge ankommen und abfahren. Idealerweise, vor allem bei einem Bahnhof mit viel Betrieb, sind diese Gleise getrennt von der Hauptlinie, damit durchfahrende Züge nicht behindert werden. Sie müssen zudem vom Ausziehgleis her erreichbar sein. Größere Bahnhöfe können für die rationellere Abwicklung des Verkehrs mehrere solche Gleise haben.

Es ist sinnvoll, einen weiteren Spurwechsel zwischen Hauptlinie und Ein- / Ausfahrgruppe vorzusehen, um die Flexibilität zu vergrößern. Er wude hier weggelassen, weil das Gleis eigentlich bereits zu kurz ist - aber fühl dich frei, den Spurwechsel bei deiner Version einzubauen.

Ausziehgleis: Das Ausziehgleis ist in jedem Bahnhof das wichtigste Gleis mit dem meisten Betrieb. Es ist das Reich der Rangierlok, einer Lok mit der Aufgabe, Züge zusammenzustellen oder zu zerlegen. Vom Ausziehgleis müssen alle anderen Bahnhofgleise direkt erreicht werden können, damit die Arbeit der Rangiermannschaft so effizient wie möglich getan werden kann. Sehr wichtig ist auch, dass ein separates Ausziehgleis vorhanden ist und nicht auf die Hauptlinie ausgezogen werden muss, damit die Rangiermannschaft ihre Arbeit nicht jedes mal unterbrechen muss, wenn ein Zug durchfährt.

Richtgruppe: Die Richtgruppe ist die Gruppe von Richtungsgleisen, auf welchen die meiste Arbeit stattfindet. Es gibt so viele Methoden, diese Gleise zu verwenden, wie es Fahrdienstleiter gibt (die Person, die dem Bahnhof vorsteht). Aber es geht immer um das Gleiche: Die Richtungsgleise enthalten Zugteile, die für einen bestimmen Zielbahnhof zu ganzen Zügen zusammengestellt werden. Sie werden als "nach Osten gehend", "nach Westen gehend" etc. bezeichnet. Oder sie können nach ihrem Bestimmungsort bezeichnet werden, wie beispielsweise: "Kleindorf", "Hamburg RB" etc. Aber eines tut die Richtgruppe nicht: abgestellte Wagen speichern! Abgestellte Wagen verdienen kein Geld, ihr Unterhalt kostet aber trotzdem. Darum ist für einen Fahrdienstleiter ein leerer Bahnhof ein effizienter Bahnhof.

Abstellgruppe: Nicht alle Wagen einer Bahngesellschaft verdienen Geld - schlecht für die Eisenbahn, gut für uns. Dieses Rollmaterial muss irgendwo abgestellt werden können. Beispiele für Fahrzeuge, die kein Geld verdienen, sind Fahrzeuge für den Gleisunterhalt und Hilfswagen für die Unfallbergung. Beides sind interessante Projekte für den Selbstbau. Es wäre schön, einen Platz auf der Anlage zu haben, wo man sie zeigen kann. Aus Platzmangel haben wir keine Gruppe von Abstellgleisen, sondern nur ein einziges Abstellgleis.

Die Abstellgruppe ist ebenfalls nützlich für das Abstellen von schadhaften Wagen, die repariert werden müssen. Deshalb wird das Gleis auf Englisch auch als RIP-Gleis (Repair In Place) bezeichnet, was auf Deutsch etwa "Friedhofsgleis" entspricht.

Eine dritte Aufgabe für dieses Gleis ist ein Abstellplatz für den Zugschlusswagen (Zugbegleitwagen) zwischen zwei Fahrten.

Gleisharfe: Die Gleisharfe ist das Rückgrat des Bahnhofs und muss jederzeit frei sein. Ein Hindernis auf der Gleisharfe genügt bereits, dass der Betrieb im ganzen Bahnhof zum Erliegen kommt. Die Gleisharfe besteht hauptsächlich aus Weichen und versorgt bei uns alle übrigen Gleise des Bahnhofs mit Strom.

Umfahrgleis: Das Umfahrgleis im Rangierbereich des Bahnhofs ist sehr wichtig, da es der Rangierlok erlaubt, auf die andere Seite einer Wagengruppe zu gelangen, ohne dass die Hauptlinie in Anspruch genommen wird. Es nützt vor allem dann, wenn man Wagen im Abstellgleis mit einer Sägefahrt zustellen möchte.

BW (Bahnbetriebswerk) / Bereitschaftsgleis: Zwischen ihren Fahrten müssen Loks gereinigt, gewartet und für die nächste Fahrt mit neuem Treibstoff versorgt werden. Normalerweise ist in einem guten Bahnhof immer eine einsatzbereite Lok vorhanden (daher Bereitschaftsgleis). Auch können die meisten Modellbahner nicht widerstehen, weitere Loks zu kaufen. Also haben wir nun einen Ort, wo wir zwei von ihnen aufstellen können, auch wenn sie gerade nicht fahren.

Lokwartegleis: Im Lokwartegleis kann eine Lok kurzzeitig abgestellt werden, so dass die übrigen Gleise frei für andere Aufgaben sind. In unserem Fall ist das Lokwartegleis am Ende des Ausziehgleises, damit die Rangierlok abgestellt werden kann, während die Streckenlok das Ausziehgleis befährt bei ihrem Manöver zwischen Bereitschaftsgleis und Ein- / Ausfahrgruppe.

Sägefahrt: Die Gleise für eine Sägefahrt gehören eigentlich nicht zum Bahnhof. Sie werden hier und auf vielen anderen Modellbahnanlagen wegen dem Rangierspass hinzugefügt, den sie bewirken. Eine Sägefahrt besteht aus zwei Teilen: einem Ausziehgleis und dem eigentlichen Abstellgleis. Die Lok zieht die zuzustellenden Wagen ins Ausziehgleis bis über die Weiche und stößt sie nachher zurück ins Abstellgleis. An diesem Abstellgleis können wir einige Industriebetriebe ansiedeln, wie wir noch sehen werden.

So funktioniert der Rangierbahnhof

Wie bereits erwähnt, die Aufgabe eines Rangierbahnhofes ist das Zerlegen und Neubilden von Zügen. Machen wir ein Beispiel:

Unser erster Zug ist soeben in der Einfahrgruppe angekommen und die Rangierlok wartet im Lokwartegleis. Es ist die Aufgabe der Rangierlok, die Wagen zu sortieren und daraus einen neuen Zug zu bilden.

Betrieb im Bahnhof

Die Streckenlok wird vom Zug abgekuppelt und fährt ins BW. Damit ist das Ausziehgleis frei und die Rangierlok kann ihre Arbeit beginnen.

Betrieb im Bahnhof

Das endgültige Ziel der Wagen ist durch deine Rangierliste oder dein Wagenkartensystem bestimmt. Nehmen wir also an, Wagen 2 und 3 seien für den Hafen bestimmt, Wagen 1 für das Verbindungsgleis und Wagen 4 für den Freiverlad. Dann warten da noch drei Wagen in der Richtgruppe, die ebenfalls ins Verbindungsgleis zugestellt werden sollen. Wie machen wir das?

Beginnen wir mit dem Richtungsgleis 1 (wo die drei Wagen stehen), das die Wagen für Hamburg RB enthalten soll und Gleis 2 die Wagen für Kleindorf.

Die Rangierlok zieht vor, holt Wagen 1 vom Zug und schiebt ihn ins Gleis 1 zu den anderen drei Wagen für das Verbindungsgleis. Dann fährt die Rangierlok zurück zum Zug und holt die Wagen 2 und 3. Sie werden in das Richtungsgleis 2 rangiert. Die Rangierlok fährt wiederum zurück zum Zug und holt Wagen 4 und den Schlusswagen. Der Schlusswagen wird in die Abstellgruppe gestellt und abgehängt. Während das Bahnhofpersonal den Unterhalt am Schlusswagen durchführt (Öl für die Heizung, Wasser für die Mannschaft etc.), zieht die Rangierlok Wagen 4 zurück in das Ausziehgleis und stellt ihn dann in das Freiverladegleis.

Die Hälfte der Arbeit ist getan; wir haben den angekommenen Zug zerlegt. Als Nächstes machen wir die Übergabefahrt, einen Zug, der unsere Wagen zum Verbindungsgleis bringt.

Zuerst holt die Rangierlok den Schlusswagen und stellt ihn in das Gleis der Ausfahrgruppe. Dann holt sie die vier Wagen von Gleis 1 und hängt sie vorsichtig an den Schlusswagen. Dann kehrt die Rangierlok zurück in das Lokwartegleis und wartet.

Nun verlässt die Streckenlok das Bereitschaftsgleis und fährt an den Zug heran. Nach dem Ankuppeln wird die Bremsprobe durchgeführt und wenn alles in Ordnung ist, drückt die Lok den Zug vorsichtig zurück ins Streckengleis, bereit für die Abfahrt in Richtung "Verbindungsgleis".

Dies ist ein einfaches Beispiel und mit etwas Übung kann es noch weiter verfeinert werden, da der oben beschriebene Ablauf von erfahrenen Rangiermeistern bemängelt würde. Aber es ist ein Anfang.


Der Workshop geht mit dem Thema "Einen Namen wählen" weiter.


© 1999-2002 Chris Roper. Übersetzt und veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung. Die englische Originalausgabe ist auf http://tutorial.caroper.com erschienen. Übersetzung: © 2006 Felix Geering.

Das sagen User zu diesem Thema (2 Beiträge):

Am: 18.01.17 07:44

Hallo,
wie würdet ihr am besten die Blöcke einteilen bei Digital?
MfG
Werner
Am: 10.12.06 00:26

Habe mir diese Seite nun zum zweitenmal angesehen (wird auch nicht das letztemal gewesen sein) und bin total begeistert. Ich bin absoluter Neuling aber wenn man dieses liest, mit welcher Hingabe hier der Rangierbetrieb beschrieben wird und was man daraus alles lernen kann, möchte man(n) am liebsten sofort anfangen diese Anlage nachzubauen (was ich bestimmt auch machen werde ;o) ). Ich möchte mich an dieser stelle an den Verfasser richten und ihn meinen allerherzlichsten Dank aussprechen.
MfG
H.Freitag

 


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© by 1zu160.info; Stand: 21. 09. 2007; Seitenaufrufe laufender Monat: 186; Vormonat: 261;