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THEMA: Heterogene Doppeltraktion

THEMA: Heterogene Doppeltraktion
Startbeitrag
medusa - 12.04.15 12:57
Hallo liebe N-Bahner,

Doppeltraktion ist etwas, das mich nicht wegen langer Güterzüge und dem Vorbild umtreibt, sondern weil ich vom ICE-V den zweiten Triebkopf motorisieren will. Unerwartet ist mir da neulich etwas passiert, das mich zu einem Experiment mit Kopplung unterschiedlicher Lokomotiven geführt hat. Als Anmerkung: ich fahre rein analog.

Auslöser war der Erwerb einer gebrauchten grünen Mtx 151, die in überraschend gutem Zustand war. Wenig abgenutzte Kohlen, das Öl noch klar, läuft selbst mit dem Originalmotor ziemlich sanft bei unter 2.5V Spannung an. Ich hab Langsamfahrversuche gemacht, und dabei ist sie in der Kurve meines Testkreises in der Ecke hinter dem großen SP Laserkopf auch mal hängengeblieben. Leichtes Anstubsen brachte sie aber sofort wieder in Gang.
Ich habe daraufhin probiert, ob man eine solche Lok mit Schneckengetrieben durch Anschieben mit dem Finger dazu bringen kann, etwas schneller zu fahren. Das funktioniert tatsächlich, vorausgesetzt, sie befindet sich schon in Bewegung oder ruckt im Stand schon leicht nach vorne.

Der Gedanke, der mir daraufhin kam, war: könnte selbst mit Schneckengetrieben bei einem gekuppelten Gespann eine Entlastung der langsameren Lok durch die schnellere klappen, damit beide gleich schnell fahren?

Ich habe daraufhin ein extrem ungleiches Paar zusammengestellt (siehe Bild): meine 110, die "schnellste Lok von Mexico", die bei ungefähr 11V Spannung aus der Kurve fliegt, und die 151, die sichtbar gemütlicher fährt. Beide sind von Mtx, gleicher Motor, Motor und Getriebe unmodifiziert, der 151 habe ich eine Austauschachse ohne Haftreifen spendiert, so daß beide nun ohne Haftreifen sind.

Wenn ich beide auf die Schienen stelle, ungekuppelt, dann hat nach nur einer (!) Runde Fahrt auf meinem Testkreis mit ca. 2,80 m Umfang die 110 ungefähr 70-80 cm Vorsprung vor der 151 (der exakte Wert hängt vom Anfahren ab, aber eine Runde zurück bringt beide Loks wieder an die gleiche Stelle +/-10 cm).
In Doppeltraktion gekuppelt laufen beide einträchtig zusammen, auch bei höherer Geschwindigkeit. Wenn die 110 schiebt, ist das keine Überraschung, aber es klappt problemlos auch, wenn die 110 zieht, ohne Abhänger.
Wegen dem ICE brauche ich mich also wohl nicht so zu stressen, zumal da der gleiche Motor reinkommt und das Getriebe sogar identisch ist...

Gruß, ~Diane.

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Moin,
das Geheimnis sind die nicht vorhandenen Haftreifen, dadurch können die Räder der schnelleren Lok besser durchrutschen. Wenn Dein ICE ohen Haftis unterwegs ist, sollte das funktionieren.
Zum Thema analoge Doppeltraktion wurde hier im Forum aber auch schon viel geschrieben, SUFU hilft.
Gruß Björn
Bei so unterschiedlichen Geschwindigkeiten ist es wohl so,das die schnellere Lok fast alle Traktionsleistung übernimmt.Die langsamere nur bremst bzw.leer mitläuft

Bei weiterer Belastung nehme ich an,das die schnellere Lok immer etwas am Schleudern sein wird,zumal ohne Haftreifen.

Also,von meinem technischen Verständnis her,sollten zwei arbeitende Loks,wenn sie gekuppelt werden,möglichst ähnliche Geschwindigkeiten haben.

Und noch was ,ich hab auch so ein Pärchen laufen. Aber das sind baugleiche Los und sie sind elektrisch miteinander Verbunden.

Dieter

  
Hallo Diane,

ich hätte da mit unterschiedlichen Motorleistungen doch gewisse Bedenken. In der beschriebenen Lokzusammenstellung waren beide direkt aneinander gekuppelt.  So konnten sich die unterschiedlichen Zug/Schubkräfte nicht sonderlich auswirken.  Was zuwenig war,  wurde gezogen - was zuviel war,  wurde gebremst.
Wenn jetzt aber leichtere Wagen zwischen diesen ungleichen Antrieben mitgeführt werden, unterliegen sie dieser Kräftedifferenz. Ist der schnellere Motor vorne, bremst der Langsamere ab und setzt die Mittelwagen unter Spannung. Auf der Geraden vielleicht noch tolerierbar,  aber in der Kurve kippt der Zug. Umgekehrt würden die Schubkräfte des schnelleren Motors den Mittelteil stauchen und in der Kurve ebenfalls zum Unfall führen.
Ich habe es selbst nicht ausprobiert,  kann mir aber durchaus vorstellen,  dass meine Gedanken dazu nicht so abwegig sind.

Gruss aus Nordertown
Hallo alle,

danke für den Input. Das Experiment sollte auch erstmal nur zeigen, daß nicht gleich die Kupplungsklaue aufgeht, sondern sich selbst größere Unterschiede in der Geschwindigkeit nicht sofort in einer Katastrophe entladen.
Wenn es ernst wird bei dem ICE werde ich selbstverständlich dafür sorgen, daß die Antriebe so gleich wie möglich arbeiten. D.h. baugleicher Motor und gleiches Getriebe, und ich lege auch Wert drauf, daß die beiden Schätze dann ungekuppelt so synchron wie möglich laufen. Kann man ja vorher alles testen und feintunen.
Der Rest kann dann einfach ignoriert werden, das ist meine Folgerung aus dem heutigen Experiment.

@Exitus: ein interessanter Einwand, das werd ich gleich mal ausprobieren...

Bis gleich, ~Diane.


Ok, ich hab meinen Meßzug zwischen die beiden Loks gehängt (siehe Bild) und bin mit unvorbildlich hoher Geschwindigkeit gefahren... passiert ist nix.
Ich hatte aber erwartet, daß genau das passiert, was Exitus gesagt hat. Ist mir in meiner Kindheit ein paarmal passiert. Nicht mit einer 2. Lok, sondern mit einer zu schweren Last auf einem Niederbordwagen ganz am Ende des Zuges (meistens war das die kleine T3). Die E03 zog das weg, aber in engen Kurven kippte dann der ganze lange Zug um.
Vielleicht sind Länge des Zuges und Radius das Limit. Hab leider zuwenig Wagen um das auszuprobieren, aber ich will mir auch nicht mit Gewalt mein Rollmaterial ruinieren.

~D.

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Diane,

um den von mir beschriebenen Effekt zu erzielen müsste der Mittelteil schon länger sein, bestimmt 5 oder mehr Wagen, damit die Kurvenspannung sich überhaupt aufbaut.

Gruß aus Nordertown
Das kann ich mir gut vorstellen. Das Problem ist ja äquivalent zu einem stehenden Zug, an dem man an beiden Enden zieht. Eine radiale Komponente bekommt der Kraftvektor erst dann merklich, wenn der Zug einen wesentlichen Teil des Kreisbogens bildet und dadurch die Sehne  relativ weit innen liegt. Deswegen kippte früher auch die Mitte des Zuges zuerst, wenn ich mich richtig erinnere.

Also, kleiner Radius oder langer Zug oder beides.

Gruß, ~Diane.
Moin Diane,

was du da vorhast, ist aber keine klassische Doppeltraktion, sondern ein Sandwich. Ob der Zug nach innen oder außen kippt hängt mE davon ab, ob die hintere Lok langsamer oder schneller läuft als die vordere.
Bei den Getrieben hätte ich Bedenken, daß die Kombination Schnecke und Schneckenrad irgendwann abgenudelt ist, weil es durch den Schub immer an der Lastgrenze läuft.

martiN.
Kurze Ergänzung:
Vorne Zug = kippt zur Kurveninnenseite
Hinten Schub = kippt zur Kurvenaussenseite

Gruß aus Nordertown
Hallo Martin,

im Moment ist das alles nur ein Experiment, denn in verschiedenen Threads in diesem Forum ist meine Idee, den 2. ICE-Kopf zu motorisieren, sofort abgetan worden, in dem Sinne, das geht alles gar nicht, wenn nicht der Hersteller Himself (Orgelmusik im Hintergrund) speziell selektierte Loks mit Superduperfeintuning speziell auf Doppeltraktion einstellt und mir dann für horrendes Geld verkauft.
Sorry für die Polemik, ich vertrage sowas nicht gut. Als ich 17 war, sagte mal jemand zu mir, man könne keinen Laser selbstbauen. Ich hab 11 Jahre gebraucht, das war noch vor der Zeit des Internet.

Ein klassischer ICE ist ein Sandwich, da gebe ich Dir recht, und ich hab das hier ausprobiert, um den Einwand von Exitus zu überprüfen. Mein Fernziel ist aber der ICE-Meßzug (der mit der Lanze), dafür baue ich ja auch mit einer sehr steilen Lernkurve meine Meßwagen, und da hängen später die beiden Triebköpfe vorne in klassischer Doppeltraktion dran. Deshalb habe ich das im Eingangspost so ausprobiert.
Das Getriebe leidet immer, weil es ja die gesamte mechanische Leistung überträgt. Je höher die Last, desto höher die Verluste. Insofern ist es vermutlich dasselbe, ob ich einen kurzen Zug mit zwei nicht perfekt synchronisierten Loks über die Strecke jage oder jemand einen vorbildgerecht langen IC mit 16 beleuchteten Vierachser- Wagen eine übliche Steigung hochprügelt. Dabei kommt die Lok ja auch an ihre Lastgrenze.
Rausfinden, was schlimmer ist, könnte man vermutlich nur, indem man den Motorstrom aller beteiligten Loks mißt. Da hab ich noch keine Idee für. ;)

@exitus: ja, stimmt. Bei Schub kehrt sich die Richtung der radialen Vektorkomponente um.

Gruß, ~Diane.
Hallo Diane,

ich habe einen ICE 401 aus zwei billig-Sets von Minitrix durchverdrahtet und dann mit zwei Triebköpfen und 4 Wagen jahrelang über Berg und Tal ohne Probleme betrieben. Die Triebköpfe waren also nicht besonders ausgesucht. Am Kritischsten schienen mir noch die KKK; beim Übergang von Gerade in enge Kurven wird ja der Zug auseinandergedrückt, der hintere Antrieb also gebremst - trotzdem, keine Probleme. Wichtig ist nur, das beide Antriebe IMMER gleich versorgt werden, was bei Durchverdrahtung kein Problem ist.

Viele Grüße

Nimmersatt
Servus,

Entschuldige meine Deutsche Sprache, hoffentlich verstehen Sie.

Ich fahre 15-telige Minitrix ICE mit 2 Triebköpfe. Wenn die TK’s einzeln fahren gibt es ein kleines Geschwindigkeitsunterschied. Dieser ICE fährt
A -> B bzw B->A, also 50% der Fahrten mit dem schnellsten voraus, 50% mit dem langsamsten. Gesammtstrecke zirka 35M und ettliche R1 bzw R2-Kurven. In den vergangenen 20 Jahre ist mir diese Zug nie umgekippt.

Ausserdem gibt es eine Art Langer Heinricht, dass heisst 20 Erz IId-wagen der regelmässig (mindestens 1 Mal pro Woche, bin ja Rentner) eine 3,40m lange 4,4% Steigung hinauf klettert mit 2 x 90° und 1 x 180° (alles R1-)Kurve). Dieser Zug verkehrt mit unterschiedliche Lokomotiven, vorne und hinten. Sogar bei langsamfahrende/schnellfahrende vorne/hinten Kombinationen gibt es keine Entgleisungen und/oder umkippen.  Es passiert mal das absichtlich das Einfahrsignal oberhalb der Steige nicht auf Fahrt ist gestellt und der nachgeschobene Zug in 90° Kurve (R3)beim Einfahrsignal  zum stehen kommt. Dank der relativ schwere Wagen bleiben die Wagons auch dann auf den Schienen.

Das einzige dass umkipp-gefährlich ist, sind lange (>2M) gemischte Güterzuge welche extrem langsam fahren bzw kriechen. Dann gibt es ein tatsachlich umkipp-Gefahr.

Deswegen: keine Angst da geht ja weniger schieff als mann fürchtet!

Mit freundlichen Grüßen aus den Niederlanden,
Robert G
Hallo Nimmersatt,

das mit dem Durchverdrahten hab ich auch so vor, dafür hab ich sogar trotz meiner nachgerüsteten Normschächte die eine originale leitende Deichsel vom ICE-V aufgehoben. Meiner ist allerdings schon jetzt nicht mehr originalangetrieben, sondern mit einem Fauli umgerüstet (war schon so beim Kauf), das muß ich dann beim 2.Kopf genauso machen. Es ist aber sehr tröstlich zu wissen, daß auch per Sandwich ein Betrieb möglich wäre, wenn genug leitende Deichseln vorhanden sind.

@Robert: Dein Deutsch ist vollkommen in Ordnung. Hab bis jetzt noch nie jemanden aus den Niederlanden getroffen, dessen Deutsch ich nicht verstehen konnte. ;)
So lange Züge kann ich gar nicht fahren lassen, deswegen besteht wohl keine besonders große Gefahr. Da bin ich sehr beruhigt.
(35 Meter Fahrstrecke?? Du hast aber ordentlich Platz... oder fährst Du im Garten?)

Allgemein ist ja bekannt, daß gekoppelte Elektromotoren mit Stirngetriebe sich synchronisieren können, weil der schnellere den langsameren entlastet. Das geht natürlich nicht unbegrenzt, aber wenn es auch bei baugleichen Motoren nur sehr schwer oder gar nicht ginge, dann könnten beim Vorbild die E-Loks mit Einzelachsantrieb gar nicht fahren bzw. wären sie sehr häufig mit Motorschaden im Aw. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Im Gegenteil, die Schlachthausfotos vom Bender auf DSO zeigen mit schöner Regelmäßigkeit, daß gerade die ausgeschlachteten motorisierten Drehgestelle der Einheitsloks als Ersatzteile an die DB zurückgehen.

Ich war mir halt nicht sicher, ob das mit Schneckengetrieben genauso geht, aber es ist offenbar auch damit in der langjährigen Praxis kein großes Problem.
Vielen Dank ihr beiden!  :D

~Diane.


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