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THEMA: DIE ZEIT mit einem lesenswerten Artikel....
Zitat
Der Zug ist pünktlich. Wie übrigens sämtliche Züge der Reise, aber schließlich war auch kein deutscher dabei.
Der war gut
Viele Grüße aus Nürnberg,
Ralph
Netter Artikel - ganz nebenbei gefragt - wie verkehren denn z.B. Nachtzüge über die verschiedenen Spurweiten hinweg. Werden die mit Personen/Schlafenden umgespurt? Merkt man das nicht?
Grüße
Fabian
Zitat
Werden die mit Personen/Schlafenden umgespurt? Merkt man das nicht?
Das letzte mal habe ich das vor knapp 30 Jahren erlebt. Damals MUSSTEN sogar alle im Zug bleiben. Ansonsten hätte man seine Russischkenntnisse gleich mal mit einem sowjetischen Grenzer testen können. Für einen Eisenbahnfan war es aber auch aus dem Zug heraus interessant.
Gruß
Rainer
ein sehr unterhaltsamer Reisebericht, jedoch wenig Text für eine 14 Tage lange Reise. Was mich noch interessiert ist ein wenig Statistik für jeden Reiseabschnitt:
Streckenlänge - Fahrzeit - und ... Fahrpreis dafür.
Grüße
AnTic
...ueber das mit der Puenktlichkeit habe ich auch etwas geschmunzelt - hätte ich nicht gedacht...
betreffs des Umspuren - in den meisten Reportagen die ueber eine Zugreiese aus der ex-Sowjetunion berichten, erwähnen die Korrespondenten gerade dieses... der hier nicht.
Aber isses nicht so, dass die Leute im Zug bleiben sollen, damit keiner "im Wege rumspringt" ?
mfNG jens
Zitat
Streckenlänge - Fahrzeit - und ... Fahrpreis dafür.
Das stört mich auch an dem Artikel. Wie auch einige Kommentare bei zeit.de richtig bemerken, bekommt man den Eindruck, da hat ein staatsbediensteter Goethe-Funktionär auf Institutskosten eine Europareise erster Klasse abgeritten, ohne großes Interesse an seinen Mitreisenden (schwierig, wenn man nur deutsch und englisch spricht!), und urteilt jetzt klischeehaft und abfällig von der Höhe des versnobten Wohlstandseuropäers. Jeder sechzehnjährige Interrailer könnte über Begegnungen mit Menschen mehr erzählen. Interessant wäre mal gewesen, die km-Preise für die Tickets mit der jeweiligen Kaufkraft ins Verhältnis zu setzen. In Osteuropa ist die Bahn noch Transportmittel für das Volk, während die ÖBB mit ihrem ach so tollen Premium-Railjet wohl ganz schlecht abschneiden würde. Der Autor belächelt, daß es in der Ukraine keine Speisewagen im Nachtzug gibt, aber das ist nicht mehr der CIWL-Express von 1910, und in D gibt es (1.) oft gar keine Nachtzugverbindungen mehr, und (2.) hatten die, die ich benutzt habe, auch keine Speisewagen.
Vielleicht haben ja einige die Fernseh-Doku gesehen, wo jemand mit nur 1000 EUR einmal um die Welt reist. Der mit Abstand teuerste Abschnitt waren die letzten paar Kilometer in Deutschland, wo er mit seinem restlichen Geld mit der DB vom Flughafen nach Hause fährt. Da dürfen die Wagen dann gerne auch mal etwas schicker sein als in der Ukraine.
LG, Andreas
http://de.wikipedia.org/wiki/Umspurung_%28Eisenbahnfahrzeug%29
Bester MobaGruß
Gerhard
ein interessanter Bericht, der einen guten Eindruck der verschiedenen Züge wiedergibt. Klar, etwas kurz, aber es sollte ja ein Bericht und kein Buch werden.
LG Stefan
Zitat
Bahnfahren in Europa In vollen Zügen
Hat jedes Land die Bahn, die es verdient? Eine Testfahrt quer durch Europa von Moskau bis Lissabon
Mit zehn verschiedenen Bahngesellschaften ist unser Autor von Russland bis nach Portugal gereist, mal auf dem Klappbett und mal im Ohrensessel.
Mit zehn verschiedenen Bahngesellschaften ist unser Autor von Russland bis nach Portugal gereist, mal auf dem Klappbett und mal im Ohrensessel.
Die Strecke Moskau-Lissabon kann man in fünf Stunden fliegen. Vom einen ans andere Ende Europas. Wirklich erleben wird man auf dieser Reise - wahrscheinlich - nichts. Ich habe es anders gemacht. Im Rahmen von "Va bene?!", einem deutsch-italienischen Projekt zum Abbau von Vorurteilen, schickte mich das Goethe-Institut mit dem Zug los. Genauer: mit 13 Zügen. 14 Tage dauerte die Reise. Ich fuhr in uralten Schlafwagen, rollenden Luxusklubs, in First-Class- und Regionalkurswagen. Und fragte mich: Was sagen mir die Züge, das Personal, die Mitreisenden über die Länder, die ich durchquere?
1) Moskau-Kiew
Start am Kiewer Bahnhof in Moskau, einem neoklassizistischen Prachtbau aus den letzten Jahren der Zarenzeit. In der Halle scheuchen Uniformierte die Obdachlosen von den Bänken. Der Nachtzug nach Kiew wartet, eine fast unwirkliche Szenerie: eine Reihe von Schlafwagen, neben jedem steht ein Zugbegleiter in hellbeiger Operettenuniform. In den Vierer-Schlafabteilen der zweiten Klasse ist die Atmosphäre dagegen nüchtern: Die Reisenden sitzen sich auf den unteren Betten gegenüber, kauend und an Flaschen nippend. Ich war noch niemals in einem russischen Zug, aber ich bin mir sicher, dass diese Flaschen mindestens Wodka enthalten und dass die hart gekochten Eier von unter dem Bett mitreisenden Hühnern stammen. Und freue mich, dass ich erster Klasse schlafen werde, mit Plüsch, Pomp und Samowars.
Leider trifft nichts davon zu. Der Erste-Klasse-Wagen riecht nach feuchter Gartenlaube, mein Schlafabteil ist karg: zwei schmale Klappbetten, Haltegriffe, an denen man sich wohl hochziehen soll, wenn nachts die Kontrolleure hereinstürmen. Im Gang Videoüberwachung statt Samowars. Herrscherin über den Wagen ist eine blonde Riesin. Sie spricht ebenso wenig Englisch wie ich Russisch. Aber so, wie sie mir ein Einreiseformular für die Ukraine in die Hand drückt, verstehe ich trotzdem, was gemeint ist: Ausfüllen! Jetzt! Teuflischerweise setzt sich nun der Zug in Bewegung, so ruckelnd und stoßend, dass ich Schwierigkeiten habe, mit dem Kugelschreiber überhaupt die winzigen Kästchen zu treffen.
Einheimische Mitreisende sind nur zwei zu sehen: Ein jüngerer Mann liegt bei unvorsichtigerweise offener Abteiltür in einem Bett und schläft wie ein Toter, die Füße auf einem Aktenkoffer. Und ein älterer Mann mit Spitzbauch kommt in weißgrauer Unterwäsche aus dem WC. Er guckt angewidert, kein Wunder: In der einen Zugtoilette läuft kein Wasser, in der anderen steht es. Er zetert auf Russisch, zeigt seine nassen nackten Füße, deutet auf den Schlafenden und macht eine würgende Handbewegung. Ich ziehe mich lieber in mein Abteil zurück und versuche, zu schlafen. Leider stellt sich die russische Bahngesellschaft ihre Kunden kaum größer als Legehennen vor. Wer wie ich nicht in diese Norm passt, stößt beim Auf-dem-Rücken-Liegen mit Kopf und Füßen an. Oder rutscht beim Sich-seitlich-Zusammenkrümmen fast von der Pritsche, zumal der Zug mittlerweile beängstigend schnell über die Gleise holpert.
Ich kralle mich fest, bis meine Arme schmerzen und die Grenzkontrollen kommen. Zu meinem Erstaunen ohne Stiefelgepolter und Kommandoton: Der russische Grenzer trägt Halbschuhe und schließt höflich wieder meine Tür. Und die hübsche ukrainische Kontrolleurin lächelt, als sie mein Einreiseformular entgegennimmt. Erst nachdem ich in Kiew den Zug verlassen habe, erfahre ich, warum: Für die Ukraine benötigt man seit Monaten kein Einreiseformular mehr.
2) Kiew-Krakau
Der Nachtzug von Kiew nach Krakau ist ein Sprung in die achtziger Jahre: Aus dieser Zeit stammt mein durch und durch holzfurniertes Dreibettabteil, das offenbar seither nicht gereinigt wurde. Ich suche das Bordrestaurant, was nicht einfach ist: Der Zug besteht aus Schlafwagen unterschiedlichster Bauart, keiner jünger als 30 Jahre, und zwischen ihnen klaffen potenziell tödliche Lücken. In einem uralten Großraumwagen, dessen Holzbänke an das Innere einer Galeere erinnern, tritt mir ein Alkoholisierter in einer viel zu engen, eher militärisch anmutenden Uniform in den Weg. Er brüllt auf Ukrainisch. Ich brülle auf Englisch. Es dauert lange, bis er versteht, und es dauert noch länger, bis ich verstehe: Es gibt keinen Speisewagen, kein Bistro, nicht mal - der Uniformierte keckert vor Lachen - einen mobilen Brezelverkäufer. Ich gehe ins Abteil zurück und lege mich auf das verstaubte Klappbett, sicherheitshalber in vollständiger Kleidung. In der Furnierwand neben meinem Kopf nagt und raschelt es, bis ich trotzdem einschlafe.
Morgens rattern wir vorbei an Wiesen, kleinen einfachen Häuschen, Menschen, die mit Pferden pflügen. Beim Entziffern des handgeschriebenen Fahrplans im Gang komme ich mit anderen Reisenden ins Gespräch: einer jungen Ukrainerin, die in Polen studiert, weil es da besser sei, Vater und Sohn aus Kiew, die Verwandte in Krakau besuchen, die dort glücklicher seien. Wie zur Bestätigung: Kaum haben wir die Schengen-Grenze hinter uns, sind die Häuser größer, und auf den Wiesen stehen statt Ziegen nun Elektrogroßmärkte.
Im polnischen Przemyśl steigen auffallend viele auffallend dicke Frauen aus. Später wird mir eine Mitarbeiterin des Goethe-Instituts von anderen dicken Frauen erzählen, die sie hier beobachtete, wie sie ihre erstaunliche Leibesfülle noch in Sichtweite des Bahnhofs ablegten - es handelte sich um mehrere Lagen um den Körper gewickelte Klettbänder mit geschmuggelten Zigarettenpäckchen.
3) Krakau-Prag
Wie schnell sich auf so einer Reise der Begriff von Luxus ändert! Der Nachtzug von Krakau nach Prag kommt mir wie der Himmel auf Schienen vor, nur weil er über Schlafabteile verfügt, die jünger als 20 Jahre sind - inklusive Laptop-Steckdose und Waschbecken, am Wagenende gibt es sogar eine Dusche! Unser tschechischer Schlafwagenschaffner ist viersprachig und im Vergleich zu seinen russischen und ukrainischen Kollegen schon fast verdächtig freundlich. Im Abteil neben mir logiert ein amerikanisches Ingenieurspaar auf Europatour. Die zwei haben panische Furcht vor Schlafwagenzecken und deshalb Kunststoffbettüberzüge dabei, auf denen sie nackt schlafen, um nicht zu sehr zu schwitzen. Ob ich mal probieren wolle? Ich danke und gehe ins Bett, wieder angezogen, obwohl es diesmal sehr sauber aussieht.
Übrigens ist meine Abteiltür ausgestattet wie eine Wohnungstür in der Bronx: zwei Schlösser, Weitwinkelspion, Sperrriegel, dazu mehrsprachige Schilder, die einen auffordern, all das zu nutzen. Später lese ich, dass es früher auf dieser Strecke vorkam, dass Reisende aus einem narkoseähnlichen Schlaf erwachten, ohne Geld und ohne Wertsachen. Ich dagegen werde 40 Minuten vor Prag vom Klopfen des Schaffners geweckt, der Kaffee und Croissants serviert.
4) Prag-Wien
Ich bin in Mitteleuropa angekommen. Der Eurocity Franz Schubert - endlich erlaubt es der Zeitplan, am Tag zu fahren - verfügt über moderne Großraumwagen und ist voll mit jüngeren tschechischen Wien- und älteren österreichischen Pragbesuchern, Erstere mit Kindern, Letztere müde vom Biertrinken. Einzig der Bistrowagen sticht heraus; er fährt offenbar schon seit der Zeit des Prager Frühlings. Ich bestaune die kultigen Säulenlampen und die rot bezogenen, abgeschabten Armlehnstühle. Was der platinblonden Aufwärmbedienung nicht gefällt. Sie möchte, dass ich etwas bestelle oder verschwinde, jedenfalls aber aufhöre, mir mit fassungslosem Blick Notizen zu machen. Nein, ich bin noch nicht ganz in Mitteleuropa.
5) Wien-Zürich
Schier unbegreiflicher Luxus für jemanden, der noch vor drei Tagen im schimmeligen Schlafwagen befördert wurde: Im Railjet der ÖBB gibt es noch eine Zugklasse über der ersten. Die Premium. Mit Ohrensesseln, die alle Beinfreiheit lassen, mit Zeitungen, Getränken und Snacks. Der Steward, der im Vorraum das Bier zapft, macht sich auch als Türsteher verdient. Mit einem harschen "Sie betreten die Premium-Klasse!" scheucht er Störenfriede in die "normale" erste Klasse zurück. Aber da ist es auch nicht schlecht: Apfelsaft und Schokoriegel gibt es gratis, Monitore wie im Pauschalflieger zeigen unsere Position auf der Karte, klassische Musik beruhigt bei Abfahrt und Ankunft. Der Zug ist voll, fast nur mit Österreichern und Schweizern: Touristinnen mit Hermès-Koffern. Manager, die in ihre Laptops hacken. Und Senioren, die durch den Gang streifen und sich jede Zeitung schnappen, die man nur kurz aus der Hand legt.
6) Zürich-Lyon
Auf der Strecke Zürich-Genf fährt ein Intercity-Doppelstockwagen mit sofabestückten Konferenztischen. Mehr als die Hälfte der Strecke liegt nun hinter mir, mein Rücken ist stressgetestet, es gab, die US-Reisenden mit den Bettkondomen würden es nicht glauben, keine Ungezieferprobleme. Aber eine Erkenntnis: Egal ob man eher verladen wird wie in demokratieferneren Ländern oder komfortabel reist wie in den westlichen Demokratien, Bahnfahren ist eine Droge. So gemächlich diese Art der Fortbewegung anfangs scheint, so schnell ist man ihr verfallen: dem Umstand, dass das einzig Anstrengende an dieser Reise die Herausforderung ist, auf wildfremden, unverständlich ausgeschilderten Bahnhöfen rechtzeitig den richtigen Zug zu erwischen. Dem Entertainment im Zug und vor den Fenstern: Wo sonst kann man Landschaften, Tiere und Menschen, Trennungen, Versöhnungen live und so bequem beobachten? Dem leichten Schaukeln, das einen in die Kinderwagenzeit zurückversetzt und so müde macht, dass man immer weiter fahren könnte, willenlos, egal wohin...?
6) Lyon-Marseille
Der TGV (Train à Grande Vitesse) erreicht im Normalbetrieb bis zu 320 km/h; versteht sich, dass da selbst die Bistrotheke windschlüpfrig designt ist. Und so ähnlich wie die aerodynamisch gestaltete Toilettenkabine, in der ich mit meinen 1,86 Metern gebeugt stehe (offenbar nimmt die Größe des Normkunden gen Westen wieder ab), stelle ich mir die WCs im Raumschiff Enterprise vor. Kein Wunder, dass nicht jeder Benutzer dieses Wunderwerkes Dünkel vermeiden kann. Wie der junge Mann, der zwar auf einem falschen (meinem) Platz sitzt, aber nicht aufsteht - mit der Begründung, er sitze eben jetzt hier. Oder das ältere Paar, das jeden Kilometer der Fahrt mit versonnenem Blick aus dem Fenster wie einen Kinofilm genießt. Und jedes Klappern meiner Laptoptastatur mit Naserümpfen quittiert.
7) Marseille-Barcelona
Ich verlasse Marseille in einem Regionalzug, in dem es getrennte Toiletten für Frauen und Männer gibt. Die Wände der Herrentoilette sind mit Efeublättern bemalt, was gut mit den grünen Pappeln harmoniert, die draußen vorbeiziehen. Die Verzierung diene dem Aggressionsabbau, erklärt eine Lehrerin, die dort lebt, wo ich umsteigen muss, in Montpellier. Ich frage sie, ob man nicht auch den TGV so schön ausmalen könne. Sie kann sich gar nicht mehr einkriegen vor Lachen und sagt dann, ich könne es ja versuchen, aber man werde mich sicher sofort erschießen: Der TGV sei ein Nationalheiligtum. Mit dem deutschen ICE sei es doch sicher ähnlich? Na ja, murmle ich.
In einem - unbemalten - TGV geht es über die spanische Grenze ins katalanische Figueres. Der Zug ist pünktlich. Wie übrigens sämtliche Züge der Reise, aber schließlich war auch kein deutscher dabei. In Figueres wartet der Zug nach Barcelona. In einem so gut ausgestatteten Regionalzug zweiter Klasse fuhr ich noch nie. Tische! Steckdosen! Leselampen! Auf den Toiletten: Wickeltische! Im finanzschwachen Spanien ist Zugfahren nicht billig, aber komfortabler als in Deutschland. Und: Wenn das die zweite Klasse ist - wie ist dann die erste?
8) Barcelona-Madrid
Die erste Klasse ist noch besser. All die EU-Subventionen, die in den Bau des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes flossen: Aus Sicht des Zugreisenden sind sie hier prima angelegt. Im AVE (Alta Velocidad Española), der uns mit Tempo 300 nach Madrid bringen wird, erscheint, man hat kaum Platz genommen, ein uniformierter Steward mit einem Tablett Saft und Wasser. Später bringt er heiße Tücher zum Erfrischen, offeriert Tapas, Bier, Kaffee, Wein und Whisky, im Fahrpreis inbegriffen. Übrigens lässt sich ein Unterschied zwischen spanischen und französischen Hochgeschwindigkeitszugfahrern konstatieren: Franzosen verlassen zum Telefonieren diskret den Sitzbereich und drücken sich vor der Toilette herum. Spanier bleiben dabei eisern sitzen. Bis man selber aufsteht. Für solche Fälle haben die Konstrukteure des AVE für Ablenkung gesorgt: Im Zwischenwagenbereich gibt es eine Schuhputzmaschine.
9) Madrid-Lissabon
Für die letzte Etappe der Reise hat das Goethe-Institut noch einmal einen Nachtzug gebucht, wahrscheinlich, um den Unterschied zu russischen und ukrainischen Schlafwagen augenfällig zu machen. Das ist gelungen. Weniger wegen des gerippten rosafarbenen Plastik-Innendesigns des Gefährts. Eher weil zur Schlafkabine ein eigenes Badezimmer gehört - komplett mit Toilette und Dusche! In Filztaschen findet sich alles, was zwei Personen benötigen, die so hastig in den Zug gesprungen sind, dass sie keinen Kulturbeutel dabeihaben. Und das Bett wird das einzige der Reise sein, das ich mikrobiologisch so vertrauenswürdig finde, dass ich mich nicht in Reisekleidung hineinlege.
Zum Fahrpreis gehört ein Abendessen im Speisewagen. Speisewagen ist untertrieben: Restaurant. Und Abendessen ist untertrieben: Der Kellner bringt, alles inklusive, was er kann, bis ich nicht mehr kann. Und dann bringt er Nachtisch und Portwein. "Essen Sie, genießen Sie", raunt der portugiesische Schaffner im Vorbeigehen, "unser Land ist pleite, wer weiß, wie lange es all das noch gibt!"
Beim Frühstück sitzen am Nachbartisch zwei Studentinnen aus Japan. Sie betrachten versonnen die vorbeifliegenden Orangenbäume, Palmen, lila Felsen. Als ich sie vorsichtig darauf aufmerksam mache, dass sie noch ihre Schlafanzüge anhaben, schreien sie erschrocken auf.
Bahnfahren aus Sicht eines Luxus(dienst)reisenden - nur das Beste ist gerade gut genug, und alles auf Kosten des Steuerzahlers. Den Artikel konnte der Connaisseur der ZEIT wohl auch noch zum Zeilenhonorar verkaufen - Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren.
Grüße,
Uwe
???
Warum schreibst Du den Artikel aus dem Eröffnungsbeitrag extra nochmal ab?
Gruß
Rainer
jenseits des üblichen reflexhaften Genöles scheint hier weiteres Interesse an Literarischem rund ums Reisen vorhanden sein.
Wer mag, sollte sich mal »Geschichten aus dem Speisewagen — Unterwegs in Deutschland« von Torsten Körner zu Gemüte führen. Hatte ich letztes Jahr als prima Sommerlektüre entdeckt und kann es für jede andere Jahreszeit genauso empfehlen:
Ein Jahr lang fuhr der Autor durchs Land, meist im Speisewagen und notiert seine Erlebnisse und die vielen Gespräche. Ich habe mich beim Lesen oft an eigene Reiseerlebnisse erinnert und »in Fahrt« gefühlt. Und zu solch einer Bahnfahrt gehört für mich der Speisewagenbesuch selbstverständlich dazu. Klar ist das kulinarische Erlebnis eher 2., denn 1. Klasse, es ist aber auch zweitrangig im Rahmen des Gesamterlebnisses. Dieser sprichwörtliche Zwischenzustand wird wunderbar beschrieben und macht diese Lektüre für mich zu einem tollen Eisenbahnbuch.
Erschienen im Scherz Verlag, ISBN 978-3502151616
Schöne Grüße, Carsten
Hallo Uwe,
mit dem Komplettzitat ohne Quellenangabe begibst du dich auf dünnes Eis. Der Autor — übrigens erschien der Artikel auf ZEIT Online — könnte den Eintrag schon in wenigen Stunden mit einem minimalen Textschnipsel via Suchnmaschine finden.
Schöne Grüße, Carsten
der Artikel wird irgendwann nicht mehr verfügbar sein und ohne Quelldokument wird dieser Thread sinnlos.
@Carsten: Hast´ recht.
Grüße,
Uwe
ich fahre seit vielen Jahren recht häufig mit der Bahn und kann mir daher ein recht gutes Urteil erlauben. Besonders oft bin ich 1987, 1988 und 1989 mit der Bahn gereist. In diesen Jahren habe ich meinen Sommerurlaub mit Tramper-Monats-Ticket und InterRail-Ticket zu einem guten Teil auf der Schiene verbracht.
Mein Urteil bezieht sich allerdings nur auf Deutschland und den westlichen Teil Europas. Der "eiserne Vorhang" ließ Reisen in den Osten damals nicht ohne weiteres zu.
Wenn ich die Deutsche Bundesbahn in den 80er Jahren mit der SNCF, ÖBB oder SBB vergleiche, dann gab es da schon große Unterschiede. Nicht unbedingt bei der Pünktlichkeit aber doch beim Komfort. Während bei der Bundesbahn in den Schnellzügen noch Bm232 mit roten Kunstledersitzen liefen, gab es bei den Nachbarbahnen häufig sogar in der 2.Klasse klimatisierte Wagen. Selbst in den frisch eingeführten EC-Zügen wurden von der Bundesbahn reihenweise nicht klimatisierte Abteilwagen des Typs Bm235 eingestellt.
Weniger gute Erfahrungen haben wir dagegen mit der italienischen und vor allem mit der griechischen Bahn gemacht. Alte, oftmals recht unsaubere Wagen waren genauso die Regel wie satte Verspätungen. Besonders bei der griechischen Bahn waren Klimaanlagen ein Fremdwort. Und das in einem Land wo im Sommer 35° im Schatten und mehr üblich sind.
Ich kann mich an eine Fahrt im Hellas-Express von Dortmund nach Athen erinnern, wo wir auf der gesamten Fahrt von großer Sommerhitze in einem alten, nicht klimatisierten griechischen Abteilwagen geplagt wurden. Schon ab Dortmund waren es über 30° und bei der Durchfahrt durch Griechenland wurden wir bei fast 40° im Schatten so langsam gegrillt. Hat trotzdem Spaß gemacht. Eine Fahrt im Hellas-Express war auf jeden Fall ein echtes Abenteuer auf Schienen.
Aber auch in Deutschland war eine Fahrt im Nachtschnellzug nicht so viel besser. Wir sind einmal mit dem Schnellzug "Vorarlberg-Express" von Lindau am Bodensee nach Dortmund gefahren. Der Wagen war ein alter Abteilwagen des Typs Bm232. Zwar sauber, dafür aber mit roten Kunstledersitzen und nicht selbsttätig schließenden Türen. In der Sommernacht war es stickig im selbstverständlich nicht klimatisierten Abteil und außerdem hat der Schaffner an jedem Bahnhof in dieser Nacht die Türen mit einem Schwung zugeworfen, dass man auf jeden Fall wach wurde.
Wenn ich dagegen heute im CNL reise, dann sind Komfort und Sauberkeit auf einem ganz anderen Niveau. Mit der Pünktlichkeit hapert es allerdings des öfteren. Obwohl die Fahrpläne großzügig gestaltet sind, sind 30 Minuten Verspätung am Ankunftsort keine Seltenheit.
Mittlerweile gönne ich mir allerdings mindestens einen Liegewagen. Unglaublich komfortabel sind die Schlafwagen der CityNightLine. Neben einer Sitzecke, einer eigenen Toilette ist sogar eine Dusche im Abteil. Der Schaffner bringt einen guten Rotwein, der im Preis enthalten ist. Frühstücken kann man im Abteil oder im Restaurantwagen. Super.
Auch bei Tagfahrten haben sich die Verhältnisse von der Deutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG sehr verbessert. Auf unseren Reisen mit dem Tramper-Monats-Ticket waren vor allem die Mitteleinstiegswagen, Umbauwagen und Silberlinge sehr gefürchtet. Kunstledersitze und klappernde Übersetzfenster sowie lautes Fahrgeräusch waren wenig angenehme Reisebegleiter. Auch die Reisezeiten sind im Zeitalter des ICE einfach viel kürzer. Von München nach Bremen spart man heute locker anderthalb Stunden im Vergleich zu den damaligen InterCities. Man kommt einfach viel schneller und komfortabler durch Deutschland als damals.
Die Zeiten von InterRail und Tramper-Ticket waren schön. Trotzdem wünsche ich mir die Deutsche Bundesbahn nicht mehr zurück. Heute reise ich überwiegend geschäftlich und möchte dabei schnell und komfortabel von A nach B reisen. Sehr gerne Reise ich auch im Nachtzug. Hier haben die aktuellen Wagen der CNL einfach ganz andere Standards als die alten Möhren in den 80er Jahren, die schon damals 30 Jahre auf dem Buckel hatten.
Viele Grüße,
Mathias
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