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THEMA: ÖBB- Kahlschlag im Streckennetz

THEMA: ÖBB- Kahlschlag im Streckennetz
Startbeitrag
heko - 23.09.09 20:25
Hallo!

Derzeit werden bei Österreichs Bedeutenster Baustelle kurz ÖBB die Messer gewetzt.

Man will mehr als 1600 Schienenkilometer stilllegen-endgültig auch allle Schmalspurbahnen!    

1600 km sind rund ein Drittel des aktuellen Schienennetzes der ÖBB !  Wahnsinn!    

http://kurier.at/geldundwirtschaft/1941161.php

Gruß
Hedi

Haben die nicht auch Unternehmsberater im Einsatz, den Berger oder so?
Hi!

Ja den Roland Berger- hoffentlich wissen die auch wie so eine Bahn funktioniert und das wir alle sie bezahlt haben !
LG
Hedi
Also soll z.B. die Mariazellerbahn auch zusperren oder wie?

Andreas
Na, das sind ja tolle Aussichten.

Das ist wohl die neue Betriebswirtschaftlichkeit: immer weniger anbieten >>> Verlust der breiten Attraktivität >>> Seltenheitswert >>> Rechtfertigung für Überteuerung.
Wenn ich als potentieller Bahnkunde immer mehr Fahrplanlücken mit dem Auto ausgleichen muss, fahre ich irgendwann die ganze Strecke "bahnlos"  - und ich weiß, dass ich mit der Fahrt zufrieden bin.

Ich dachte immer, diese "Beklopptheit" wäre ein deutsches Phänomen.
Wohl gefehlt...

Die Hoffnung (auf Geistesleistung) stirbt ja bekanntlich zuletzt... :-P

Leicht genervte Grüße
Andreas
"Zusperren wollen wir gar nichts", sagt ein ÖBB-Sprecher. "Als Aktiengesellschaft müssen wir aber betriebswirtschaftlich rechnen."

Die Deutsche Bahn lässt grüssen - Finger weg von allen Bahnprivatisierungen! Denkt am Sonntag auch an euer Hobby in 1:1.!

Gruß

Peter
Der Rückzug aus der Fläche ist der größte Fehler den ein EVU (in dem Fall die PV-AG) machen kann. Gibt es keine Zulaufstrecken und brauchbare Umsteigeknoten mehr, geht auch die Frequenz auf den Hauptrouten (in Ö eigentlich ja eh nur die Westbahn:::))) zurück. Die Strategie in den Plüschetagen scheint wohl nur mehr Railjet und Autobus zu sein. Da es in dem Land weder einen verkehrspolitischen Willen noch eine vernünftige aktive Verkehrspolitik gibt, wird es wohl so kommen - habe ich mir in Ö aber auch nicht anders erwartet. In der Schweiz macht man es halt diesbezüglich deutlich besser - wann wurde dort die letzte Nebenbahn eingestellt?

Kopfschüttelnde Grüße,

Phil
Ich in die Niederlande wurde man mit diese Kriterien mache Strecken zusperren. Hier hat man mit privaten Betreiber die Nebenbahnen wieder Wirtschaftlich gemacht. Jetzt wird über wieder eröffnung von Nebenbahnen gesprochen.

Rund 1980 waren alle Nebenbahnen rund Groningen und rund Leeuwarden mit Schliessung bedroht. Mit privaten Betreiber ist es jetzt so Wirtschaftlich das man an Ausbau denkt.

Die Strecke Groningen - Zuidbroek - Veendam wird sicherlich wieder eröffnet in 2010. Diese Strecke is geschlossen in die fünfziger Jahren. Über weitere ausbau von Veendam nach Ter Apel / Stadskanaal und Emmen wird gesprochen. Dieses Teil der Nebenbahn hat dem Krieg nicht überlebt.

Eine neubau Nebenbahn Groningen - Drachten - Heerenveen wird diskutiert. Damals war das eine überland Dampfstrassenbahn der in die fünfzicher Jahren geschlossen wurde. Ich glaube das diese Nebenbahn in einige Jahren gebaut wird.

Verlängerung der Nebenbahn Groningen - Roodeschool nach den Eenshafen ist beschlossenen Sache (Schifsverbindung zum deutsche Watteninsel Borkum).

Letzte Monat wurde die erste Pläne einer Nebenbahn von Leeuwarden nach Holwerd Hafen (Schifsverbindung zum Watteninsel Ameland) presentiert. Diese Strecke wurde in die dreiziger Jahren geschlossen.

Man sieht das immer mehr alte Verbindungen wieder in de Plänen kommen. Schliesung so wie in österreich ist kein dauerhafte Lösung.
Das schlimme ist, daß in unheiliger Allianz von Bahnzentrale und Kommunalpolitikern immer gleich alles abgerissen bzw. mit Discount-Supermärkten überbaut wird. Damit auch ja niemand eines Tages auf die Idee kommt, den Verkehr an gleicher Stelle wieder aufzunehmen. Fehlt nur noch, daß sie einen Schienenwolf wieder reaktivieren...

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5...2Schienenwolf%22.jpg

Andreas
@3:  Die MZB  wird ja schon länger kaputtgespart.  Das Land NÖ will die MZB auch nicht wirklich- Investitionsbedarf  ist ja enorm!

Vieles wird noch verhandelt-aber die Richtung ist klar!

Deutschland, Ungarn, Polen, Rumänien lassen grüßen ....    echt schlimm!!!!!


Hallo,

das immer wieder auf der Privatisierung herum gehackt wird...

Eine Privatisierung, die richtig gemacht würde, d. h. Trennung von Netz und Betreiber, das Netz bleibt in Staatshand und wird so ausreichend finanziell ausgestattet, dass Erhalt und Sanierung, ggf. Ausbau möglich ist, würde große Chancen eröffnen.

Sowohl DB AG als auch ÖBB sind doch in Staatshand! Dass da Roland Berger und Konsorten herum sitzen, hat doch nichts mit der Privatisierung an sich zu tun, sondern ist doch allein unseren Politikern zu danken, die die Richtung dafür vorgegeben! Die schlimmsten Streckenstilllegungen haben hier in D doch in den 70ern stattgefunden! Das war immer das Verkehrsministerium in Bonn, was die Richtung vorgegeben hat! Die Lokalpolitiker haben schöne Reden geschwungen und mit treuem Hundeblick und Achselzucken da gestanden, und aus Bonn kam der Bescheid Stilllegung und Umstellung auf Bus. Die ganzen 60er, 70er und 80er haben von unseren Politikern eingesetzte Bahnchefs mit wechselnden Parteibüchern vollkommen ideenlos Strecke um Strecke still gelegt und nie ernsthaft versucht, den Betrieb irgendwie attraktiver zu gestalten. Mit 4 Zügen pro Tag in jede Richtung und einer parallel laufenden Buslinie waren die Strecken chancenlos. Die Bundes-/Landstraßen wurden für Millionen ausgebaut. Die morschen Schwellen und die vielen Bahnübergänge und Langsamfahrstellen ließen der Bahn keine Chance. Ich habe das hier in meiner Heimat genau verfolgt und auch viel Material gesammelt. Ob es sich um Rhönbahn, Knüllbahn, Kanonenbahn oder Hersfelder Kreisbahn gehandelt hat - immer das gleiche traurige Spiel.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass seit dem Krieg 9 mal mehr Geld für Straßenbau als für Schieneninfrastruktur ausgegeben wurde. Dazu musste die DB die gesamten kriegsbedingten Schäden selbst tragen. Dafür wurden Schulden aufgenommen, die teilweise noch bis zur Gründung der DB AG bestanden und deren Zinszahlungen jahrelang die Bilanz vermiesten.

Ich will ja nur sagen: Die meisten Streckenstilllegungen (jedenfalls in der ehem. BRD) wurden durch eine bürokratische Staatsbahn durchgeführt. Auch in der DDR wurden schon in den 60ern und 70ern Strecken stillgelegt, auch dass darf man nicht vergessen. Natürlich waren das MORA C Programm und die Stilllegungen in den neuen Bundesländern Anfang der 90er Jahre eine Schande. Aber das liegt meiner Meinung nach alles nicht unbedingt an einer Privatisierung der Bahn, sondern an den Vorgaben, die unsere Politik setzt. Ob der Schienenverkehr gut läuft liegt nicht daran, ob die Bahn an der Börse ist oder nicht, sondern an den Bedingungen, die unsere Politiker fest legen.  Eines Tages wird sich im Angesicht der heraufziehenden Klimakatastrophe diese kurzsichtige Politik rächen.

Eine Privatisierung bietet unzweifelhaft Risiken, aber auch Chancen auf innovative Konzepte und ist für mich nicht die Ursache für Stilllegungen, sondern die Rahmenbedingungen, die unserer Politik setzt. Im Gegenteil: Private EVUs bedienen teilweise Güterkunden und Personenstrecken, die die Staatsbahn schon längst stilllegen wollte. Allerdings bin ich strikt gegen eine Privatisierung der Schieneninfrastruktur.

Nur meine Meinung, nichts für Ungut. Ist jetzt viel länger geworden, als ich wollte.

Thomas
Hallo,

vielleicht ein paar mehr Informationen aus der gedruckten Zeitung. Der Herr Berger unterscheidet in 3 Kategorien: Kategorie Z welche Dauerhaft eingestellt werden sollen ( 332km), Y welche eingestellt oder verkauft werden (293) und W noch offen (1189km).
Bei der Kategorie Z sind fast nur Strecken dabei, wo der PV schon eingestellt ist und vl etwas Güterverkehr existiert wie zB Mank-Wieselburg, Mürzzuschlag - Neuberg, Siebenbrunn-Engelhardstetten. Zur Kategorie Y gehören alle Schmalspurbahnen und W sind Strecken die eigentlich gebraucht werden. Der Herr Berger hat auch nur die Wirtschaftlichkeit geprüft, als Ausgaben und Einnahmen, nicht wieviele Leute fahren (Linz Urfahr - Aigen-Schlägl) oder ob Sie gerade hergerichtet wurden (Wulkaprodersdorf - Neusiedl).

Wünsche eine gute Nacht
<<Mürzzuschlag - Neuberg>> Mit Verlaub, aber diese Strecke, welche einst eine "Musternebenbahn" der ÖBB war (schlanke Strukturen - 1 Triebwagen Reihe 5047, Einmannbetrieb auf der ganzen Strecke, Taktverkehr) ist seit 1996 im PV und seit 2000 im GV tot. Im Sommer 2009 begann man mit dem jubelnden Abriss der Strecke zu Gunsten eines (unnötigen) Fahrradweges, für den das Land Stmk. Unsummen ausgibt.

Phil
Hallo,

ich kann da nur den Kopf schütteln.
Warum kann man nicht von Fehlern anderer lernen.

Unsere Nebenbahn (Ammerseebahn) war Jahrzehnte lang auf der Abschussliste.
Es wurde nicht in die Strecke investiert, Bahnhöfe stillgelegt, nur der Schrott an Fahrzeugen benutzt. Bei uns hieß es schon: "Kommt die Bahn pünktlich, oder ist die Lok kaputt?"

Als die Staus in den Ortschaften immer länger wurden, wurde auch der Druck durch die Gemeinden größer, doch erst als die Bahn Konkurenz erhielt, wurde es besser.

Jetzt habe wir die BRB, mit modernen Zügen, mit Schaffner und! Kartenautomaten im Zug. Die Strecke wird saniert und modernisiert. Es wurden sogar drei neue Haltestellen gebaut.
Die Strecke wird jetzt -mindestens- stündlich bedient.
Das Ergebnis ist, dass innerhalb eines knappen Jahres, die Fahrgastzahlen um 15% gestiegen sind.
Nebeneffekt die Staus verringern sich, die Ortsbusse füllen sich und die Fernstreckenzüge werden auch voller.

Gruß, Thomas
<<Leute kauft mehr Dieselkarossen ohne Filter.>>

Naja, meine nächste Dieselkarosse wird einen Partikelfilter haben, man gönnt sich ja sonst nichts::)), dafür wird das Auto größer und komfortabler sein - ein Minivan halt. Mit der Bahn fahr ich kaum mehr, Fahrzeitvergleich von Haus zu Haus am Wochende: Bahn 3 Stunden, Auto 1 Std. 20 min (bei Vmax 110 km/h wegen Fahrradträger am Dach...) - noch Fragen?

Grüße, Phil
Hallo,
die Stillegungen in der Bundesrepublik in den 50-80er Jahren hatten allerdings nicht unbedingt betriebliche Gründe: auch Strecken mit recht guter Verkehrsaussicht im Personenverkehr wurden bei zu hohem Investitionsbedarf stillgelegt: die merkwürdige Rechenweise von Behörden lässt grüssen! Bei uns in der Umgebung hat es deswegen eine Menge Strecken gekostet, die im Umleiterverkehr im Krieg und der Zeit danach kaputtgeritten wurden und zum Kriegsende noch zerstört wurden (größtenteils durch die Wehrmacht). Das hatte mit mangelndem Verkehr wenig zu tun, die Bundesbahn machte das in Eigenverantwortung und hatte kein Ohr bei den örtlichen Behörden (obwohl die meist auch Anti-Bahn eingstellt waren) oder auch nur bei den Landesbehörden (die waren auch Blind). So wurden z.B. die Bahnstrecken in den ersten Landesentwicklungsplänen kaum gewürdigt.

Das Beispiel Niederlande (hier wurde schon gefragt, ob die Strecke Winterswijk - Borken ein interessantes Wiederaufbauprojekt wäre, die Gleise wurden auf deutscher Seite erst vor 3 Jahren entfernt) wäre mal was. Aber die Holländer waren uns schon immer voraus im Denken.
<<Aber die Holländer waren uns schon immer voraus im Denken. >>

Nicht nur die Holländer, Peter, auch die Schweizer, die Skandinavier und...trotz aller Anfangsprobleme und Fehlentscheidungen (Railtrack-Desaster) muss man sagen, dass die privatisierten britischen Bahnen mittlerweile gar nicht so schlecht laufen - dort wird massiv in neues Rollmaterial investiert und an der Verbesserung für die Kunden gearbeitet. Es gibt auch zahlreiche Reopening-Programme eingestellter (Neben-) Bahnen. In GB findest im PV z. B. praktisch keine lokbespannten Züge mehr - alles Wendezüge oder Triebwagen, was die Kosten für Verschub und auch die Wendezeiten in den Endbahnhöfen nach unten drückt. Wenn ich daran denke, wie lange die in .at gebraucht haben um endlich ein Wendezugkonzept (mit den wenig beliebten CS-City Shuttle-Wagen) zu erstellen...fuhr man in der Schweiz schon mindestens 30 Jahre früher mit Lok und Steuerwagen durch die Lande.

Phil
...auch bei uns funktioniert es ja mit den "Privaten". Man muss nur nach Salzburg schauen, was da auf der Lokalbahn (und seit einem Jahr auch im Pinzgau) weitergeht. Ich denke auch an die Graz-Köflacher-Bahn sowie an diverse Lokalbahnen die von Stern & Hafferl betrieben werden, die sich durch sparsame, effiziente Betriebsführung auszeichnen.

Und dann gibt es noch die Privatbahnen, wo es "Vollgas" gibt, wo dichter Verkehr mit modernsten Mitteln abgewickelt wird (etwa im Montafon, im Zillertal oder auf der Wiener Lokalbahn)
@17:
ob die Wendezüge so das Gelbe vom Ei sind, wage ich zu bezweifeln. deren Folge ist halt oft die völlig falsche Kapazität, weil ein Beigeben von Wagen oder Kürzen des Zugs einfach nicht mehr vorgesehen ist.
@ 19

Mag schon sein, dass man mit Wagen flexibler ist, trotzdem haben lokbespannte Züge i. e. S. mittelfristig in Europa ausgedient. Dass man z. B. Wien-Graz mit Lok plus 4 (veralteten) FV-Wagen fährt, ist ja nur ein Ausdruck von Mangelverwaltung der PV-AG. Woanders fährt man solche Leistungen mit flotten 4-5-teiligen Cross-Country-Triebzügen, z. T. sogar als Neigezugversion und bedient damit auch mittelstädtische Siedlungen - man holt die Kunden dort ab, wo sie wohnen. In .at fährt man dran vorbei oder nimmt ihnen dank völlig unzumutbarer Umsteigeverbindungen jegliche Motivation fürs Bahn fahren (siehe mein Posting Nr. 15).

Phil
Ein weiteres gutes Beispiel ist die BOB (Bayerische Oberlandbahn) von München nach Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell. Auch hier gab es einen gewaltigen Fahrgastzuwachs, und die Triebzüge Integral werden in Schaftlach und Bayrischzell regelmäßig gekuppelt.
Zudem wurden durch die Errichtung der Betriebswerkstätte am Endpunkt Lenggries Arbeitsplätze geschaffen.

http://www.bayerische-oberlandbahn.de

Grüße   Alfred
Hallo,

sonst nicht gerade meine Stammzeitschrift , doch ein Artikel zum Thema:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/156557.stiefkind-schienenverkehr.html

Insbesondere enttäuscht mich, dass aus den sog. Konjunkturprogrammen bei den Infrastrukturprojekten so gut wie nichts in den Schienenverkehr fließt, und die Ungleichbehandlung bei den Steuern ist schon lange eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.

http://www.vcd-blog.de/category/auto/strassenbau/page/2/

Wobei ich hier wirklich nicht dafür plädieren möchte, irgendwelche zusätzlichen Steuergelder in Konjunkturprogramme mit zweifelhaftem Nutzen zu stecken, ich würde mir nur eine Gleichbehandlung wünschen.

LG Thomas


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