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FKS-Modellbau Gerd Gehrmann

THEMA: Seilzugkanäle

THEMA: Seilzugkanäle
Startbeitrag
tatihulot - 30.01.09 10:22
Moin zusammen,

hoffentlich hat jemand von euch ein paar gute Hinweise: Nehmen wir einen kleinen Durchgangsbahnhof in ländlicher Umgebung in Epoche III an, auf dem vielleicht 10 Züge am Tag halten und in dem 5 Weichen und zwei Signale im unmittelbaren Bahnhofsbereich gestellt werden müssen. Da , vermute ich, wird es wohl kein extra Stellwerk geben. Also Stellung aus dem Bahnhofsgebäude heraus? Mit Seilzügen ? Wie verlaufen die? Wo wird der Austritt aus dem Gebäude sichtbar? Für Hinweise auf Vorbildfotos oder auf eigene Anlagen oder frühere Forumsbeiträge (welches Stichwort hätte ich benutzen sollen?) dankt euch
Albrecht

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Tja, bei dem geringen Aufkommen war der Fahrdienstleiter gleichzeitig Chef der Fahrkartenkasse und der Güterabfertigung.... solche "Bahnhofsvorsteher" gab es im ländlichen Raum früher häufig.

Meist sassen die Umlenkrollen und Spannwerke im Keller des Bahnhofs und die Seilzüge gingen durch Kanäle zu den Weichen bzw. Stellwerken. Abdeckungen waren häufig Riffelbleche. Also gingen Kanäle aus dem "Bahnsteig" raus.
Erst auf "freierer Strecke" z.B. zu den Einfahrsignalen wurde auf Kanäle verzichtet und es gab Rollenhalter.

Es waren oft genug nur die Weichen für den regulären Zugbetrieb (für Kreuzungen von Zügen z.B.) ferngestellt, Anschlußgleise oder Freiladegleis wurden oft genug ortsgestellt und verschlossen, die Schlüssel beim Fdl. aufbewahrt.
Hallo,

Vorbild - da gibt es nichts was es nicht gibt

Hier sieht man die Abdeckung vor dem Stellwerkkeller, von da ab gehts oben weiter und (hier) rechts von der Lok eine Gleisquerung im Rohr, davon gehts nach links (in hellem, neuem) Rohr weiter aber (in Bildmitte) auch wieder nach oben, um zwischen den Gleisen (!) oben zu verlaufen.
http://gaga160.lima-city.de/_tb/tb16553_900.jpg 1985 Hattingen

... der weitere Verlauf Richtung Bahnhofsgebäude (Hattingen Ruhr 1982 ) http://gaga160.lima-city.de/_dso/141_443_Hattingen_S_4069_4.5.82_1024.jpg

... und möglicherweise eine Aufnahme aus Hattingen - noch weiter in Richtung EG ( 1985).
http://gaga160.lima-city.de/_x/x99_1024.jpg
Ich bin mir zu Hattingen als Fotostandort sicher - aber ich bekam schon zwei Rückmeldungen, es wäre nicht in Hattingen fotografiert.

Zuerst irritierten mich auch diese Seilzüge (1985 doppelte Ständer und 1982 einfache Ständer mit seitlichen Rollen). Aber es gab mehrere Gleis- und Signalumbauten bzw. Rückbauten ...
Wer weiß mehr über die Örtlichkeit - ist es Hattingen oder (warum) nicht ?

---

Hier die andere Seite : gut sichtbar der Austritt der Seilzüge aus dem Stellwerk und der Verlauf oben bzw zur Gleiskreuzung unten im Rohr ...
http://gaga160.lima-city.de/_sm/st0001_1062.jpg

Alle Fotos (und noch viel mehr) auf http://gaga160.lima-city.de/hattingen.htm ...

gaga
Hallo,

wenn es in diesem gedachten kleinen Bahnhof kein eigenes Befehlsstellwerk
gibt und der Fdl im Bahnhof gleichzeitig Fahrkarten verkauft, so wird dieser Bhf
in der Regel auch keinen eigenen Spannwerksraum (Keller) besessen haben.
(entweder läge der Fahrkartenverkaufsraum recht hoch oder der Keller müsste
arg tief sein

In diesem Fall wurden Aussenspannwerke verwendet, deren Seilverbindungen
wieder wie auf Gagas Bildern dargestellt verliefen.

Liegt der Bahnhof auf einer Nenenbahn mit geringer Vmax, so kann auf fern-
gestellte Signale ganz verzichtet werden und statt dessen NE1-Tafeln
(Trapeztafel) an Stelle der Einfahrsignale und NE2-Tafeln an Stelle der
Einfahrvorsignale aufgestellt werden.

Auf ferngestellte Weichen kann dann ebenfalls verzichtet werden, statt dessen
gab es dann ortsgestellte Weichen mit Schlüsselabhängigkeiten, welche
der Fdl frei zu geben hatte.
Letztendlich hatte der Fdl dann nur die Schlüsselfreigaben und die Block-
einrichtungen im Bahnhofsgebäude... und damit keinerlei Seilzuganlagen.

Gruß Willy
Ich hab's ja geahnt, dass es in diesem Forum immer Leute gibt, die Bescheid wissen und noch Fotos und Quellen parat haben ... vielen Dank! Aber: was versteht man unter "Schlüsselabhängigkeit" und "Schlüsselfreigabe" ? Danke für die Aufklärung und Gruß von
Albrecht
Hallo,
da gibt es - wiederum - unterschiedliche Methoden. Die einfachste ist, dass ortsgestellte Weichen "verschlossen" werden können (richtig mit einem Zylinderschloss) und der einzige passende Schlüssel beim Fahrdienstleiter hinterlegt wurde.
Eine "Abhängigkeit" kann darin bestehen, dass dieser Schlüssel nur zu kriegen war, wenn im Stellpult dafür andere Weichen/Signale so gestellt sein mussten, dass nur bei dieser Position der Schlüssel abziehbar war. Denn Sicherheit geht vor.
Hallo Albrecht,

zu Schlüsselabhängigkeit & Schlüsselfreigabe:

Weichen in Zugstrassen müssen vor Einstellen einer Zugfahrt richtig gestellt
und in ihrer Lage gegen Umstellen gesichert werden
=> geschieht bei ortsgestellten Weichen durch Schlösser an diesen
=> bei ferngestellten Weichen durch den Fahrstrassenverschluß im Stw und ggf. Riegel

Ortsgestellte Weichen in Zugstrassen wie auch Schutzweichen erhalten einfache
oder doppelte Verschlusseinrichtungen (Schlösser, RH oder RHH). Sollen diese Weichen
umgestellt werden, so muss der Fdl den entsprechenden Schlüssel freigeben; entweder
durch Aushändigen oder durch (elektrische) Freigabe des Schlüssels in einer Schlüssel-
bude oder -kastens in der Nähe der Weiche(n).

Mit diesem freigegebenen Schlüssel kann die entsprechende Weiche umgestellt
werden, dadurch wird dieser Schlüssel verriegelt und ein anderer Schlüssel freigegeben.
Der nun freigegebene Schlüssel wird wiederum dem Fdl übergeben oder per
Schlüsselkasten elektrisch verschlossen und dieser Verschluss wird dem Fdl per Lampe
angezeigt.
So weis er immer welche Weiche in "seinem" Bahnhof wie liegt und kann entsprechende
Zugfahrten zu lassen.
Diese Abhängigkeiten werden je nachdem um Gleissperren (meist in Schutzweichen
angrenzender Rangierbereiche) erweitert.

In Rangierbereichen ist dieses Verfahren nicht erforderlich, zu erkennen an Handweichen,
deren Stellgewichte in gelber Farbe statt in schwarz/weiss gehalten sind.
gelb = Weiche hat keine Grundstellung
sw/ws = Weiche in Grundstellung wenn schwarz zur Erde zeigt

Gruß Willy
Wenn ein Schussel einen Schlüssel verschlampt hat oder Unfall o.ä. - durfte die Verplombung geöffnet werden und der Ersatzschlüssel verwendet werden.

Beim Verschlampen war das für den Schussel recht teuer - da Beamter waren diese für ihr Verhalten im Dienst dem Dienstherren gegenüber schadensersatzpflichtig. Dafür gibt es extra eine "Dienstschlüsselversicherung". Es gibt nix was es nicht gibt...
Hallo Gaga,

das steht doch am Kasten dran "Ersatzschlüssel für Handverschlüsse"

Ok, genauer gesagt handelt es sich dabei um den Schlüsselkasten für HV73
oder Weichenschlösser bzw. Zungensperren.

Diese Schlüssel gehören zu Schlösser von Handverschlüssen, welche im
Störungsfall an den genannten (ansonsten) ferngestellten Weichen und
Gleissperren angebracht werden.
Sie werden den im Stellbereich des Stw so säuberlich benannt/unterschieden um
auszuschliessen, das die Schlüsselbauformen mehrfach vorkommen.

Ist eine Weiche gestört, so "entblompt" der Fdl den Schlüssel, nimmt sich diesen
und ein Weichenschloss und macht sich auf den Weg zu gestörten Weiche.
Dort verschliesst er diese, geht zurück zu seinem Stw, trägt diese Maßnahme
in seine Unterlagen ein und darf wieder Zugfahrten zu lassen.
Gleichzeitig informiert er den Entstörtrupp, welcher die Störung behebt und das
Schloss samt Schlüssel wiedeer zum Stw bringt.
Dort hebt dieser Trupp die getroffenen Maßnahmen wieder auf und verblompt
wieder den Schlüssel.

Gruß Willy
Nachtrag,

"Verschlampen" als Grund für die Entnahme gab es m.W. nicht !

Die korrekte Anzahl & versiegelung der Schlüssel hatte der Fdl bei jeder
Dienstübernahme zu prüfen. Sollte einer fehlen, mussten die Gründe gesucht
werden.
Wurde einer gefunden, so wurde ggf. ein neuer Schlüssel gleicher Bauform
beschafft, falls nicht wurde diese Schlüsselbauform in diesem Stellbereich
nicht weiter verwendet !!

Die Schlüssel werden - wie auch zum Teil auf Gagas Bild erkennbar - nach
Bartform und Lage der Einkerbung mit Buchstaben unterschieden.

Zum Teil mussten sich - bei nahe beieinander liegenden Betriebsstellen - selbst
von Stw zu Stw die Schlüsselbauformen ausschliessen.

Gruß Willy
Ich staune ob des profunden Wissens!!
Warst du selber mal Eisenbahner, Willy?
Albrecht
Hallo Albrecht,
richtig getippt, und ich bin es immer noch.
Gruß Willy
"Verschlampen" galt als Unterschlagung. Die DB war in der "guten alten Zeit" ein lausiger Dienstherr und ging mit Personal äusserst grob um.

Der Vater eines Bekannten war "Bahnhofsvorsteher" bei uns an einer kleinen Landstation und hatte mir mal ein paar Stories erzählt, würde aber jetzt den Rahmen dieses Threads sprengen.
Moin,

noch mehr Lesestoff gibt es hier:
http://www.stellwerke.de/

Gruß
Kai
Hallo
Soweit ich weis gibt es ber auch noch eine andere Art der Schlüsselabhängigkeit:
den Ersten Schlüssel gab es beim Fahrdienstleiter, mit diesem stellte man dann erst die Schutzweiche um und verschloß diese. Der jetzt freigewordene Schlüssel wurde dann gebraucht um die  nächste Weiche umzustellen. Ist meist bei etwas grösseren Nebenbahn- Bahnhöfen verwendet worden. Als Beispiel hätte ich da Bitburg, die Anschlüsse zur Brauerei sind dort so gesichert um zu verhindern das dort ein Zug beim Rangieren  versehentlich auf das Durchgehende Hauptgleis fährt.

Als weiteres Beispiel op überhaupt Ein Stellwerk vorhanden sein muß hätte ich den Bahnhof Ulmen in der Eifel. Hier liegen zwei durchgehhede Gleise von denen jeweils ein Abstellgleis/ Ladegleis abgeht . Etwa so :

                    _________________________
________/___________________________________________
         \____________________________________________/
                             \_______________________

Hier stehen die Trapeztafeln jeweils als Einfahrsignale und die beiden Weichen der Nebengleise sind Verschlossen. Die Schlüssel befinden sich beim FDL in Gerolstein ( etwa 30 km ) Die beiden anderen Weichen sind Rückfallweichen und die Richtige Stellung bzw. die Überwachung der Endlage wird dem Lokführer mittels Signal angezeigt. Also ein Gleissperrsignal an beiden Enden etwa im Bremswegabstand ( Hier Nebenbahn mit Vmax von 50 km/h ). Vor der Ausfahrt wird die Fahrtfreigabe beim FDL telefonisch erfragt. Durch die Rückfallweichen sind hier also auch Zugkreuzungen möglich, werden aber im Betrieb ( Museumsbahn ) nicht mehr durchgeführt. Der Bahnhof war auch zu DB-Zeiten schon nicht mehr besetzt und der Fahrkartenvekauf wurde durch das Zugpersonal abgewickelt.

Schönen gruß aus der Eifel
Mathias


Hallo Mathias,

solche Schlüsselabhängigkeiten gibt es noch auf der freien Strecke als
a) Anst = Anschlussstelle oder als
b) Awanst = Ausweichanschlussstelle

Bei a) erhält der Tf den Schlüssel beim zugehörigen Fdl und kann damit die
Anschlussstellenweiche aufschliessen. Das Streckengleis bleibt während
der gesamten Anschlussbedienung für Zugfahrten gesperrt.

Bei b) erhält der Tf  den Schlüssel meist an einer vor Ort angebrachten
Schlüsselbude durch den Fdl frei geschaltet (el. Abhängigkeit).
Sobald sich die RAbt im Anschluss befindet, schliesst sie sich ein und
setzt den Schlüssel wiederum in der Schlüsselbude ein. Dadurch erhält
der Fdl die Überwachung über den ordnungsgemäßen Verschluss und
darf wieder Zugfahrten auf dem Streckengleis freigeben.

Gruß Willy
Hallo Willy
Danke habe wieder etwas gelernt
Tja,

wie schon ganz oben gesagt: Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Der Regelfall sollte sein, dass die Spannwerke im unteren Geschoss des Stellwerkes sind (nicht im Keller). Dieses Geschoss geht etwas unter Niveau, so dass die Drahtzüge dort herausgeführt werden können.
Aber die Ausnahmen: "Mein" Stellwerk (Dresden-Neustadt, W1) hat zwar ein passendes Untergeschoss, aber dort keine Spannwerke. Die stehen im Freien. Das ist natürlich sehr modellbahnfreundlich, weil man die dann mit nachbilden kann. Baujahr des Stellwerkes ist übrigens etwa 1901, so stand es jedenfalls am Blockaufsatz.
Ein anderes schönes Detail: Stolpen in Sachsen (und sicher andere Bahnhöfe in der Umgebung).Die Weichen sind ortsbedient. Die Sicherung der Fahrstrasse erfolgt über Riegelhebel im kleinen Stellwerk.
So habe ich das Ganze jedenfalls in Erinnerung behalten, ist schliesslich über 30 Jahre her.
Schönes Wochenende


Ach ja, die Ersatzschlüssel. In diesem Fall steht da "für Handverschlüsse". Ist z.B. das Seil gerissen, wird die Weiche mit der Brechstange umgestellt. Damit nun aber die Fahrstrasse gesichert werden kann, wird ein zusätzliches Schloss angebracht. Um das riesige Teil (ähnlich wie ein Schraubstock) anzubringen, gibt es an der Weiche eine markierte Stelle. Dann wird abgeschlossen. Nun lässt sich aber evtl. die Fahrstrasse nicht mehr verschliessen und das Signal nicht mehr stellen. Also Fahrt auf Ersatzsignal oder schriftlichen Befehl ("A"). Da die Schlüssel "sicher" aufbewahrt werden müssen, in der Regel am Mann, braucht's dann vielleicht doch mal einen Ersatzschlüssel



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