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THEMA: Alternder Kunststoff bei alten Bausätzen - Wer kennt es?

THEMA: Alternder Kunststoff bei alten Bausätzen - Wer kennt es?
Startbeitrag
Kuddel1109 - 19.01.26 08:27
Moin,

kürzlich habe ich einen alten, noch original verpackten Bausatz des Bahnhof Neuffen von Vollmer gekauft. Den habe ich über das Wochenende hin größtenteils zusammengebaut und musste feststellen, dass vor allem die Spritzlinge Dach, Fachwerk und Sockel sehr spröde waren. Gefühlt hat sich hier einiges an Weichmacher verflüchtigt. Kennt das Problem jemand? Da der Preis wirklich gut war, ärgere ich mich jetzt nicht, aber es war teilweise sehr herausfordernd die einzeln Teile raus zu trennen, ohne das diese brechen oder einreißen.

Zum Bausatz selbst muss ich sagen, dass die Passgenauigkeit bei den Teilen der oben genannten Spritzlinge stellenweise "naja" ist und man bereits Erfahrung mitbringen sollte. Die Nacharbeit war bei den spröderen Teilen nicht ganz so einfach und erforderte viel Fingerspitzengefühl (bei großen Händen in der Baugröße nicht immer einfach   In wie weit des entweichen von Weichmachern hierzu beiträgt (z.B. Schrumpfung) kann ich nicht beurteilen, da ich noch kein Modell von Neuffen live gesehen habe.


Vielleicht hat ja schon jemand hier das Problem gehabt und weiß worauf man sich einstellen muss, wenn der Bausatz schon ein paar Jahre/Jahrzehnte in der Verpackung geschlummert hat.


Gruß
Kurt

Hallo Kurt,
das ist ja nicht so ungewöhnlich, wenn auch ärgerlich. Mir ist neulich das Gehäuse eines Fleischmann-VT 95 zerbröselt beim Versuch, es abzunehmen. Und der war doch deutlich jünger.
Bei Modellbausätzen kannte ich das bisher nicht, aber klar, Jahrzehnte hinterlassen auch bei solchen Kunststoffen ihre Spuren. Für die Ewigkeit sind die nicht gemacht. Dazu müsste auf Stoffe ohne Weichmacher zurückgegriffen werden, zum Beispiel PET, aber da hält dann wiederum kein Klebstoff vernünftig drauf.

Viele Grüße
Falco
Hallo,

bei PS bzw. ABS wird Weichmacher eingesetzt?

Eher die üblichen Probleme bei PS-Konstruktionen: falsche Temperaturführung mit vorprogrammierten Spannungsrissbildungen (damals gab es keine FE-Simulationen).

Falsche Lagerung: Tageslicht, UV-Einstrahlung, punktuelle Hitzeentwicklung durch Glühlampen (über 50 Grad führt zu Spannungsrisskorrosion), Eignung Grundierung, Lackierung usw.

Peter
Moin zusammen,

ich hatte dies neulich bei einer Dachbauplatte. Diese war derart spröde, daß sie bereits bei Bearbeiten mit dem feinsten verfügbaren Laubsägeblatt riß. Ich mußte sie entsorgen, da sie absolut nicht bearbeitbar war. Wer weiß, wie lange sie schon beim Händler gelegen hatte... Das Problem scheint sich quer durch unser Hobby zu ziehen, egal ob Gebäudebausätze, Zubehör oder Fahrzeuge.

Im Gegensatz zu erwähnter Bauplatte hatte ich aus der Bastelkiste Reste von Bausätzen verwendet, die nachweislich bereits gut 30 Jahre darin lagen und noch immer weich und unauffällig sind

Grüße, Jürgen
Hallo Peter,

bin nicht vom Fach und weiß deshalb nicht, wo alles Weichmacher drin ist und wo nicht. Bin jetzt erstmal davon ausgegangen das es ja irgendwas in PS geben muss, was es flexibler macht und evtl. verfliegt. Der Laie wie ich hat dann ja mal was von Weichmacher im Kunststoff gehört, das könnte es also sein  

Ich für meinen Teil kannte zumindest bis jetzt nicht, dass ein Bausatz bzw. bestimmte Teile und Farben so extrem spröde sind. Die teils weniger gute Passgenauigkeit kann natürlich auch einfach an der Fertigung liegen, es fällt aber auf das es hier eigentlich auch nur die spröden Teile betrifft.


@Falco
Das mit dem Zerbröseln kenne ich vom Tenderrahmen der GFN BR 53 vom Junior. Da such ich auch noch Ersatz.


Gruß
Kurt
Hallo,

ich musste eine Zeitlang täglich besorgten Kunden schreiben was nicht drin ist... wir "Kunststoffheinis" haben leider einen schlechten Ruf. Anscheinend wollen viele Menschen es einmal komplett ohne Kunststoffe probieren.

Viel Spaß dann bei der nächsten Operation im Krankenhaus...

Für das Geld was ich an Laborkosten bezahlt habe könnte ich mir ein Mittelklasseauto kaufen.

Nur am Rande: Ich erinnere mich an einen Besuch bei einem damaligen Hersteller von Modelleisenbahnen in Heilsbronn.

Dort erzählte mir ein Mitarbeiter von den Problemen bei den relativ geringen Mengen Rohmaterial in der gewünschten Rezeptur zu bekommen, ob das immer dann Typenware ist (also wo die Hersteller die technischen Eigenschaften garantieren) oder nicht doch umdeklarierte "NT"-Ware war...

Peter
Ich hatte mir mal den Fleischmann Lokschuppen gekauft, war richtig teuer. Beim Zusammenbau sind mir die roten Einlegeplatten für die Mauern direkt beim lösen aus den Spritzlingen, gesprungen. Sehr ärgerlich, passierte aber am WE und ich war im Bauzwang. Heute würde ich es reklamieren, denn wir bezahlen genug Geld dafür um was Ordentliches zu bekommen.
Michael
Hallo Kurt,

wenn Kunststoffe spröde werden ist das oft eine Folge von Oxidation, durch die die Polymerketten aufgebrochen werden. Die Schachteln sind ja nicht luftdicht, und wenn der Bausatz vielleicht jahrelang auf dem Dachboden mit entsprechenden Temperaturen im Sommer gelagert wurde...... Chemische Reaktionen werden in der Regel durch Wärme stark beschleunigt. Vielleicht haben sich die Teile auch dadurch ein wenig verzogen.

Weichmacher verwendet man bei solchen Bausätzen eher nicht.

Viele Grüße
   Andreas
Hallo,

meine ersten Züge in N habe ich 1969 gekauft, Minitrix, später Roco und Fleischmann. Uralte Roco und Fleischmann zersäge ich heute noch für Umbauten, kein Problem. Auch uralte Haus-Bausätze aus der Zeit sind unverändert.

Hingegen mit neuem Rollmaterial, z.B. Fleischmann Schienenreinigungswagen (ex Roco clean) oder Minitrix Rolldachwagen (Aufbau) oder Doppelstockwagen (Bodenplatte), sind sie schon beim Bohren von kleinen Löchern zerbröselt.

Keine Oxidation oder warme Lagerung, hier wurde offenbar minderwertiger Kunststoff verwendet, egal ob falsche Kettenlänge oder zu sehr vernetzt.

Viele Grüße
Nimmersatt
Nabend,

danke für eure Beiträge. Wie es scheint ist es auch bei anderen ein Thema. Was Michael mit dem Lokschuppen und Jürgen mit der Dachplatte beschreiben deckt sich absolut mit meinem Problem.  Der Kunststoff wirkt wie verglast und verspannt.
Komisch ist tatsächlich, dass es scheinbar hauptsächlich Rottöne betrifft.

An Peter und Andreas vielen Dank, dass ihr euer Fachwissen mit einfachen Worten weitergebt und mich Kunststoff-Laien mit Wissen versorgt.
Da Karton gut und nicht ausgeblichen aussieht und auch geruchsmäßig unauffällig ist, könnte die Theorie mit der Dachbodenlagerung stimmen. Licht geschützt und belüftet, aber ständig Temperaturschwankungen.

Gruß
Kurt
Kleiner Tipp.
Wer seine Bausätze nicht gleich basteln möchte packt sie in PVC-Schlauchfolie  und schweißt sie ein.
Gefrierbeutel mit Zippverschluss gehen auch, oder auch Tesaband zum luftdichten Verschluss der Beutel.

Als Vollmer schloss legte ich mir einen Dachplattenvorrat an der noch immer flexibel ist als wäre er neu.  Restteile und Verschnitt, kann man jedoch schon nach kurzer Zeit wegwerfen, wenn das Zeug bloß in der Pappschachtel und nicht im Weichplaste- Sortierkasten gelagert wird.

Ich versiegele meine Bausätze übrigens mit mattem Klarlack beidseitig (!!!)  aus dem Autozubehör und....eine Vergilbung oder Versprödung ist nicht erkennbar.

Gruß Sven
Hallo

auf keinen Fall PVC, die bei denen nötigen (!) Weichmacher wandern aus und versiffen die Oberfläche.
Wahrscheinlich meinst Du PE, denn Schlauchfolie aus PVC gibt es kaum, aus LDPE ist dagegen Standardware die in Unmengen eingesetzt werden.

Entweder PE-Beutel (erkennbar Recyclingzeichen mit "4" (LDPE) oder "2" (HDPE)  oder Verbundbeutel aus PA/PE, diese sind dichter gegen Gase.

Am Besten bereits lackierte Teile in HDPE Beutel mit Recyclingzeichen "2"  ("Knisterfolie", leicht trüb) da dort keine Gleitmittel eingesetzt werden müssen, diese können Lackierungen beschädigen.
Ich hatte vor Jahren da mal Zirkus mit einem großen Staubsaugerhersteller...

Klarlack hilft bei Fehlern beim Spritzguss nicht unbedingt, denn die Versprödung kann tatsächlich durch falsche Temperaturführung/Rohstoff "innerlich" entstehen - ähnlich wie Zinkpest bei Metalldruckguss.

Peter

Ich habe Versprödungsprobleme bei aktuellen Vollmer Bausätzen unter Viesmann-Regie "Made in Europe". Nicht unbedingt beim Zusammenbau aber "Kitbashing (= Sägen, Bohren, Fräsen,...) wird schnell mit Zersplitterung quittiert. Das kannte ich bisher von Vollmer-Bausätzen nicht - auch nicht von älteren. Da das nicht zwingend "bestimmungsgemäßer Gebrauch" ist, tue ich mich schwer mit Reklamieren und habe darauf verzichtet.

Gruß
Eglod
Hallo!

Jeder kennt das, wenn er etwas kauft, steht kühl und trocken Lagern und nicht der Sonnenstrahlung aussetzen.
Das gilt vor allem für Kunststoff. Ob der verwendete PS Weichmacher enthält, kann ich nicht sagen, aber wie hier angedeutet muss er das nicht.
Ich baue viele Kunststoffbausätze, Flugzeuge und Schiffe manch davon muss man kaufen, wenn sie verfügbar sind, auch wenn man diese nicht gleich baut, somit sind einige davon halt schon älter hält man sich aber daran die dunkel, kühl und trocken zu lagern halten die das auch aus. Meine Vitrinen LKWs sind extra mit UV Lack besprüht, um sie vor Zerstörungen dieser Art besser zu schützen.

Gruß Holger

PS: der als Schüler in einer Kunststoffarbeitsgemeinschaft war.
# 11 Peter, ja natürlich meine ich die PE- Familie und es liegt ja auf der Hand, dass man da jetzt im Haushalt auch keine andere Folie bewusst vorrätig hat.
Aber danke für die sehr ausführliche  Klarstellung und Beseitigung umgangssprachlicher  Fehlbezeichnungen.  😏👍

Bei Vollmerbausätzen schaue ich immer skeptisch, weil damals bei Geschäftsauflösung gerüchteweise in Umlauf war, dass die Lagerbestände in Bulgarien neu gelabelt und umgepackt würden. Das habe ich geglaubt.

Auch hat es nie mehr klare Aussagen zur allgemeinen und besonderen Verwendung oder künftigen Unterlassung der revolutionären "Bioplaste" gegeben, deren Langzeitverhalten durchaus mit Versprödung einhergehen könnte. Ich meine, Salatöl wird ja auch ranzig, warum Bioplaste dann nicht spröde und/oder ist später nicht mehr farbecht🤔!?

Also insgesamt und ...  da gefühlt sowieso nichts mehr für N gemacht oder überarbeitet wird, ......schlage ich einen Bogen um mit "Vollmer" bezeichnete Produkte der Neuzeit.

Gruß Sven
Hallo,

tja... Bio-Kunststoffe sind so ein Thema. Wir haben Polybeutel aus PLA - wird aus Melasse gewonnen, einem Abfallprodukt der Zuckerproduktion.

Peinlich ist es wenn man die Shampooflasche nimmt und der Boden macht die Bewegung nicht mit...

Wobei auch Kunststoffe in der Natur abgebaut werden - nur dauert das recht lange.

Ein Polybeutel je nach Lagerbedingungen bis zu 400 Jahren. Daher ist immer sach+ und fachgerechtes Recycling und Entsorgung das Beste!

Für die ppm an Ölverbrauch für Modellbau kann man auch hochwertiges Material verwenden.

Peter


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