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THEMA: Wendel, die Zweite

THEMA: Wendel, die Zweite
Startbeitrag
Cox [Gast] - 13.08.05 21:34
Machen wir mal wieder ein bisschen Technik?

Ich fahre jetzt ein paar Jahre auf meiner Wendel und möchte Euch einige
Erfahrungen daraus berichten, auch negative. Ich will betonen, dass die
Erkenntnisse natürlich auf meine Bedürfnisse passen, ob sie Euch gefallen
und ob Ihr aus den Schilderungen Nutzen ziehen könnt, müsst Ihr selbst
beurteilen.
Ich habe jedenfalls in den letzten Wochen meine Wendel aufgrund dieser Erfahrungen geändert und optimiert. Bevor jetzt der Deckel draufkommt, habe ich noch ein paar Bilder geschossen. Es ist eine 08/15-Wendel, nix Besonderes.  Es ist die einzige Wendel, die ich habe. Wo immer möglich, habe ich die Trassen um die gesamte Anlage geschleift und damit enorm Fahrstrecke gewonnen und die Steigungen zahm gehalten.
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic036km.jpg

Lastenheft
Eine Lok plus 12 Wagen 165mm als Maß aller Dinge. Das ist ein Zug von etwa 210cm Länge. Der letzte Wagen kann mit Schlussleuchten versehen sein. Die 12 Wagen ergeben sich aus der nutzbaren Länge am Bahnsteig. Besagter IC am Scheitelpunkt:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic046eb.jpg

Wendelparameter
Von der Sohle bis zum Scheitel ist die Fahrstrecke auf dem inneren Gleis 840cm. Hierbei wird eine Höhendifferenz von 12cm bewältigt. Die durchschnittliche Steigung/Gefälle ist also 1,43%. Bergauf wird mit 12V gefahren, bergab liegen 8V Konstantspannung am Gleis. Das Gleismaterial ist komplett verlötetes Roco-Flex mit lötbaren (alten) Schienenverbindern.
Die Gleise sind genagelt. Ein Erzzug am Scheitelpunkt:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=pict00082wv.jpg


Die Trassen sind aus 10mm-Tischlerplatte ausgesägt, zur Verbindung sind 10mm-Flicken untergeklebt. Mit einer festgeklemmten Leiste auf der Oberseite ist die Flucht der Trasse bis zum Abbinden des Leims gewährleistet.. Erst wird die komplette Trasse geleimt, dann werden erst die Stützen gesetzt.

Zugriff
In die Wendel wird bei Störfällen, wie bei fast allen Anlagen, von innen eingegriffen. Aus diesem Grund habe ich die Trassen nicht deckungsgleich übereinander angeordnet, sondern versetzt. Um mindestens eine Trassenbreite. Die Breite einer Hand ist etwa 10cm, bei 5cm Durchfahrthöhe muß man sich sonst doch arg verrenken. Das Eingleisen von aus den Schienen gesprungenen Fahrzeugen ist umständlich. Der komplette Bereich ist später abgedeckt:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic066sm.jpg

Mindestradius und Befahrrichtung
Der Radius beeinflusst die Zugleistung fast so stark wie die Steigung. Der kleinste Radius bei mir ist R3. Halbkreise 180° habe ich vermieden und Zwischengeraden eingefügt . Nachträglich, man lernt ja dazu :)
Klaus Lübbe hat es oben irgendwo geschrieben: Bergauf sollte AUSSEN gefahren werden! Ich habe das leider nicht so geplant und musste jetzt optimieren. Der äußere Bogen ließ sich aufgrund der Trassenbreite nicht weiter nach außen schieben, also habe ich ihn so belassen und den inneren "Kletterbogen" bis auf 30mm Gleisabstand an den Äusseren heranverlegt. Diese paar Millimeter, vorher waren es 35mm, bewirkten eine spürbare Verbesserung! Schweizer müssen das wegen des dortigen Linksverkehrs natürlich überdenken.

Steigung und Gefälle
Die Steigung kann am Beginn der Wendel, bis etwa 100cm, steiler ausgelegt werden. Dies weil sich dann der halbe Zug noch in der Ebene befindet. Die hier gewonnene Höhendifferenz kommt den oberen Wendelpartien zugute, wo die Loks den sich dann komplett in der Steigung befindlichen Zug schleppen müssen. Schaut auf die 151-Doppeltraktion. Bis etwa dahin darf es steiler sein:
http://img112.imageshack.us/my.php?image=pict00082av.jpg

Hier der Erzzug komplett in der Steigung:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic021wl.jpg

Meine Freunde fahren, im Gegensatz zu mir, auch Dampfloks. Sie haben sich aufgrund von Fahrversuchen entschieden, ihre ähnlichen Anlagen mit nur 1% Steigung, also 1cm auf 100cm Streckenlänge auszulegen. Im Gegensatz zu Drehgestell-Loks streuen die Zugleistungen bei Dampfloks gewaltig und durch die Wendel muß natürlich jeder Zug. Die Wendel bestimmt also die mögliche Zuglänge. Hier der ÖBB-IC bei der Einfahrt ins Gefälle:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic057pp.jpg

Kippsicherung
Ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass wenn überhaupt, die Züge immer nach innen kippten, nie nach außen. Aufgrund des besseren Zugriffs habe ich daher nur innen eine Kippsicherung aus Material 4mm dick und 35mm hoch gewählt. 30mm würden bei einer Trassendicke von 10mm auch reichen. Sie sind einfach mit Weißleim/Spax seitlich an die Trassen geschraubt.

Eingleiser
Ich habe für jedes Gleis einen Roco-Eingleiser installiert. Die grauen Trix sind gleichwertig aber breiter. Dies für den Fall, dass man sie auf gleicher Höhe einbaut. Hier die Eingleiser:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic078qr.jpg

Die Umbauten zeigen Erfolg. Loks vom Kaliber 103, 1044 oder Taurus ziehen die gewünschten 12 Wagen problemlos. Hier noch ein Blick in die darunter liegende Etage mit den Schattenbahnhöfen:
http://img252.imageshack.us/my.php?image=coxpic017ik.jpg


Ich hoffe, Ihr könnt ein paar Info nutzen.
Sorry, dass es so lang geworden ist und daß ich nicht öfters die Züge gewechselt habe. Es ist ein ziemlicher Akt, die Viecher passend zu positionieren.

Gruss
Cox

Tolle Beschreibung aller kritischen Punkte, besser geht's nicht!
Absolut professionell, da spricht einer aus eigener Erfahrung.
Dank an Dich Cox!
Beeindruckend und prima gemacht! Du nutzt die Vorteile in N wirklich voll aus und fährst maßstäbliche Züge. Donnerwetter.

Leider muß ich auf meinem Anlagchen einen kriminellen Wendel mit 60cm Durchmesser einplanen. Er soll quasi als "Verteiler" für mehrere Ebenen gelten. Ich will einfach entsprechende Betriebsmöglichkeiten haben. Anhand der grösstmöglichen Länge der Bahnsteiggleise, der "gedachten" Vorbildsteigung, der doch auch in Wirklichkeit teilweise WESENTLICH niedrigeren Zugleistungen der Dampfer am Berg sowie meinen Tests hoffe ich aber, ich bekomme es hin. Anderenfalls benötige ich noch einige Schubloks.

Gruß,
Thorsten
(der gerade drüber nachdenkt, wievel Platz er in frühestens er in frühestens 17 Jahren haben wird - wenn die Kinder vielleicht aus dem Haus sind )


Hallo Cox,

gelungener Beitrag, kein Zweifel. Vielen Dank, daß du deine Erfahrungen so umfangreich zur Verfügung stellst (steckt ja auch Aufwand dahinter).

Aus deiner Erfahrung - wie lange sollte ein gerades Zwischenstück mindestens sein, um es in eine Wendel einzufügen, sagen wir mal alle 90°?

LG Claus
@ Jester
Etwa 1 1/2 Loklängen, Claus. Je mehr, desto besser. Es geht darum, daß sich die Lok auf ihrer ganzen Länge "erholt".

@ Thorsten
Ich lese diese Themen auch immer mit Interesse: Kannst Du Dir wirklich vorstellen, diesen Erzzug zu schieben? Da sind einige Zentimeter Pufferspiel, der Zug ist wie eine Feder. Der läuft auf und springt schon raus, wenn Du Not-Aus drückst. Ich weiß nicht, ich halte das für blanke Theorie.

Ich habe das mal mit einer 101 und 10 Wagen getestet: Während der Steuerwagen (mit Beleuchtungs-Schleifwiderstand) in die erste Wendelkurve einläuft und dort höheren Widerstand verursacht, schiebt die 101 noch volle Pulle in der Ebene. Funktioniert nicht gut, ich würde in der Zeit nicht wagen, aufs Klo zu gehen :)

Gruss
Cox
@Cox
Da hast Du Recht. Ich hab`s auch nicht ganz sooo ernst gemeint. Allerdings ist mein Anlägchen ca. 1,50m Höhe als Rundum-Anlage in einem Raum von 2,70x1,80 Größe (mein Computerraum). Da stehe ich quasi mittendrin, verzichte deswegen auf jedweden Automatismus (ist mir eh zu kompliziert und ich bin auch lieber selber Lokführer) und bin vor allem immer in Reichweite. Verfolge den Zug also aus allernächster Nähe beim durchfahren des Wendels. Von daher eigentlich gar nicht so unrealistisch.
Aber nehmen wir doch mal meinen Erzzug. Habe 10 Stck. der Mtx OOtz. Wenn ich nun richtig recherchiert habe, wieg ein Wagen vollbeladen ca. 80t. Habe hier neben mir gerade ein Buch der G12 liegen. Diese schaffte auf einer Steigung wie die der Schwarzbaldbahn (max. 1:50) gerade mal 600t mit 20km/h!
Zumindest solange meine Züge "voll" sind, passt`s also.

Ich denke mir, in meinem speziellen Fall komme ich klar. Wenn ich jemals einen normalen Raum zur Verfügung haben solle, würde ich natürlich viel großzüiger bauen.

Gruß,
Thorsten
Hallo Cox,

tolle Info und tolle Bilder. Zwei Fragen:
a) Kriegst Du den Erzzug nach einem Nothalt (Notaus) in der Wendel wieder angefahren oder kippen die Wagen nach innen?
b) Hast Du die Kupplungen speziell befestigt - gerade die Kupplungen der Loks und der ersten Wagen müssen ja enorm was mitmachen...

Gruß
Arne
@ cosinus
Notaus in der Steigung ist kein Problem, im Gefälle stehen einige Radsätze daneben. Deswegen werde ich noch einen Eingleiser in der Sohle einfügen. Kippen im Gefälle ist recht selten weil da der Radius relativ groß ist.

Ja, den Zug kriege ich wieder angefahren. Beide 151 sind alt und haben noch keine Schwungmasse. Neue 151 schaffen den Zug nicht. Noch besser läuft die Kombination 151 + 140. Die Fleischmann-Wagen, es sind 41 Stück, laufen erstklassig, sind aber schwer. Der Zug ist viel schwerer als mein 2. Erzzug mit 6-achsigen Roco-Fad-Erzwagen. An der Ladung liegts nicht, das sind Heki-Dur-Reste mit einer dünnen Schicht Gleisschotter.

Die Wagen sind in 4er-Gruppen starr gekuppelt. Wagen mit KKK über die Tillig-Deichsel, Wagen mit der Blattfederlupplung über Tonga-Laschen, also feste Laschen mit 2 Bohrungen im Abstand von 11,5mm.

Keine Probleme mit den Kupplungen, Arne. Der Zug läuft sehr zuverlässig, aufpassen muß man aber schon. Aber wenn er sich durch den Bahnhof schlängelt und der andere Ezzug entgegen kommt.... das hat schon was :)

Gruss
Cox
Hallo Cox,

das hat was!
Hast Du mal einen (kompletten) Gleisplan?
Irgendwann muß ich es mal einrichten, vorbei zu kommen...

Schönen Sonntag
Jens
@ jf
Ich habe gerade das Planungsprogramm Trackplanner von Georg Wächter gekauft. Das ist aber noch in der Entwicklungsphase. Das wird jedenfalls mit Flex fertig, ich komme aber noch nicht so gut damit zurecht. Aufgrund der vielen Ebenen ist das Zeichnen aber wirklich was für Fortgeschrittene :)

Natürlich bist Du jederzeit willkommen!

Gruss
Cox
Ja, das kommt mir bekannt vor. Zwar habe ich Raily3, aber auch 'ne lange Einarbeitungsphase gebraucht. Jetzt möchte ich es allerdings nicht mehr missen.
Im Moment ändere ich fast täglich die Feinplanung für meine Lokeinsatzstelle; mit der althergebrachten Methode hätte ich schon riesige Löcher in's Papier radiert *g*.

Gruß Jens
Hallo Cox,

die Tillig-Kupplungen kenne und verwende ich auch. Was aber sind "Tonga-Laschen"?

Schöne Grüße
Manfred
@ schustm
Die hat mir ein Freund, eben "Tonga", angefertigt. Er hat sie lasergeschnitten. 2 Löcher D1,0 im Abstand von 11,5mm werden in die Zapfen der alten Fleischmann-Blattfederkupplung eingehangen. Die Lasche ist 0,8 dick und 2mm breit.

Du kannst Die aber helfen, indem Du eine Elektronik-Platine schneidest. Ich glaube, der erforderliche Abstand entspricht 4 Löchern. Mit Filzstift schwarz färben.....fertig. Absolut zuverlässig, ich habe meine alten IC damit gekuppelt. Bei starrer Kupplung brauchst Du keine Rückstellfeder.

Gruss
Cox
Hallo Cox,

probiere mal die Peho-Kupplung bei jedem dritten oder vierten Wagen; ist echt hilfreich, vor allem bei Wartungsarbeiten oder Störungen. Bei mir laufen einige Wagen seit ein paar Monaten mit den Dingern und ich kann sie wärmstens empfehlen.
http://www.peho-kkk.de/
bei Angebot ganz unten

Gruß Jens
Die sind ja nicht weit von den Roco KK entfernt, Jens. Und man kann sie in den NEM-Schacht schieben. Super... aber leider auch ziemlich teuer :)

Gruss
Cox
Hallo Cox,

schönen Dank für die schnelle Antwort. Hab gedacht, das es hier was maßgeschneidertes gibt....werd nun auch was basteln.

Danke
Manfred


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