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THEMA: Zugvorbereitung

THEMA: Zugvorbereitung
Startbeitrag
JohannesNBahn - 06.08.22 22:50
Moin N-Bahner!

Ich hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt. Ich habe mal ein paar Fragen zu den erforderlichen Schritten vor der Abfahrt eines Zuges, spezifisch eines Güterzuges.

Welche Prozesse finden bei der Neubildung eines Zugverbandes im Rangierbahnhof vor der Abfahrt eines Güterzuges statt? Folgende Aufgaben sind mir bereits bekannt. Habe ich welche vergessen?

- Mechanische Verbindung zwischen den Schienenfahrzeugen herstellen
- Luftleitungen verbinden
- Bremsprobe
- Optische Inspektion der Wagen (Zustand, korrekte Ladungssicherung)
- Wagenreihenerfassung

Werden diese vom Rangierpersonal, Wagenmeister oder Lokdurchgeführt?

Ich freue mich auf eure Antworten! Gerne auch mit Quellenangabe!

Viele Grüße
Johannes


Hallo Johannes,

nachdem der Güterzug neu gebildet wurde, entweder in einem Richtungsgleis oder bereits im Abfahrgleis, werden die Wagen durch das Rangierpersonal gekuppelt und die Luftschläuche verbunden. In einem Richtungsgleis fährt im Anschluß darauf eine Rangierlok an die Spitze oder den Schluß den Zuges und zieht oder schiebt ihn nach einer Bremsprobe in das Abfahrgleis bis zu einem Luftstock. Nach Halt am Luftstock wird die Rangierlok vorne oder hinten Rangierlok, und der Zug nach örtlichen Vorgaben gesichert und die Hauptluftleitung mit dem Luftschlauch des Luftstockes verbunden, damit die Hauptluftleitung sich füllen kann. Danach kommt ein Wagenmeister, welcher die Fahrzeuge auf ordnungsgemäßen Zustand prüft (Wagentechnische Untersuchung, das Fahrzeug und auch die Ladungssicherung und die ordnungsgemäße Verladung der Fracht sofern er sie begutachten kann), und eine volle Bremsprobe an dem Zug durchführt. Dieser stellt auch je nach örtlichen Verfahren den Lastwechsel und den Hebel für die richtige Bremsart in die richtige Stellung. Gleichzeitig gibt er auch die Daten der Wagen in ein Datenerfassungsgerät und überspielt diese im Anschluß der Wagenprüfung. Die Erfassung der Zugdaten kann auch von einem Zugvorbereiter getätigt werden, oder einer anderen Person nach örtlichen Vorgaben. Wenn der Wagenmeister fertig ist mit der Bremsprobe und der Wagentechnischen Untersuchung meldet er Digital über die Datenerfassung den Vollzug, damit diese Tätigkeiten Digital erfasst oder aufgeschrieben werden können.
Wenn alle Daten erfasst und der Zug vom Wagenmeister fertig gemeldet ist, können die Zugpapiere fertig gemacht werden. Diese enthalten unter anderem den Bremszettel, Wagenliste, Meldezettel Zugvorbereitung und die Frachtbriefe welche zum Zug gehören. Je nach örtlicher Regelung holt sich der Tf die Papiere bei der Zugvorbereitung ab oder er bekommt sie vom örtlichen Personal an den Zug gebracht.
Danach kann der Tf mit seinem Tfz vom Standplatz als Rangierfahrt an den Zug fahren. Nach örtlicher Regelung kuppelt der Tf das Tfz mit dem Zug selbst und entfernt die Sicherungsmittel, oder das örtliche Personal tätigt diese Aufgaben, oder sie teilen sich die Aufgaben. Jede Aufgabe wird mit Namen, Uhrzeit, und getätigte Tätigkeit aufgeschrieben. Wenn die Hauptluftleitung des Zuges gefüllt ist, kommt in der Regel ein Bremshelfer, Zugvorbereiter, oder sonstiges örtliches Personal welches Bremsprobeberechtigt ist und führt eine vereinfachte Bremsprobe durch und stellt je nach Gewicht des Zuges an den ersten 5 Fahrzeuge den Bremsartwechsel in die benötigte Bremsart um, wenn dieses gefordet ist und noch nicht getätigt wurde. Ab und an kann es auch schon vorkommen das der Tf die vereinfachte Bremsprobe selbst machen darf, dieses wird ihm mit seinem Dienstauftrag oder von seiner Auftraggebender Stelle mitgeteilt. Nach der Bremsprobe werden die Zugdaten auf der Lok für die PZB/LZB eingegeben die restlichen Tätigkeiten erledigt und dann kann der Tf sich fahrbereit melden.
Wenn das Ausfahrsignal einen Fahrtbegriff anzeigt, dann darf der Tf den Zug beginnend mit einer Anfahrprobe (Beschleunigen auf ca 10Km/h, Leistung abschalten, auf Geräusche und Geschwindigkeit des Zuges achten, zum Fenster rückwärtig hinausschauen, ob es keine Unregelmässigkeiten am Zug gibt) abfahren. Unregelmäßigkeiten bei Abfahrt können sein, schwergängiges in Bewegung setzen des Zuges (eventl. feste Handbremse, oder Geräusche durch mitgeschleifte Hemmschuhe oder sonstige Sicherungsmittel).
Dieses sind so in etwa die Abläufe grob in einer Zugbildungsanlage/Rangierbahnhof aufgezählt. In kleineren Bahnhöfen wo örtliches Personal vorhanden oder rangiert wird, findet es nach örtlichen Vorgaben und Verfahren mehr oder weniger genauso statt.

MIt freundlichen Grüßen

Tf150150
Moin Tf150150,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Da habe ich definitiv so einiges dazugelernt.

Sind diese Schritte einheitlich genormt, bzw. irgendwo festgehalten? Es muss dafür doch sicherlich ein festes Regelwerk geben!


Viele Grüße
Johannes
Hallo Tf 150150,

interessante Beschreibung der Tätigkeiten.
Einige Fragen hätte ich noch:

Wie muß ich mir einen Luftstock vorstellen? Ein senkrechtes Rohr mit Absperrventil, das im Boden mit einer Luftringleitung verbunden ist? Und befindet sich ein Luftstock an der Zugspitze und für jedes Gleis einer?

Sind solche Luftstöcke auch in den Reisezugwagen-Abstellgleisen?

Gibt oder gab es für abgestellte Kühlwagen Stromanschlüsse?

Beste Grüße

Frank
Hallo Frank,

Zitat - Antwort-Nr.: | Name:

Wie muß ich mir einen Luftstock vorstellen? Ein senkrechtes Rohr mit Absperrventil, das im Boden mit einer Luftringleitung verbunden ist? Und befindet sich ein Luftstock an der Zugspitze und für jedes Gleis einer?



Der richtige Name dafür lautet Bremsprobeanlage:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bremsprobeanlage

Hier mal auch ein paar Bildern von moderneren Anlagen:
https://www.google.com/search?q=bremsprobeanlag...mp;bih=920&dpr=1

Hier mal eine andere ältere Variante, ähnlich der aus Wikipedia: Ein Rohr an einem senkrechten Schienenprofil mit Anschluss für zwei Gleise. Im Prinzip sind das einfache Varianten der Führerbremsventile der Loks.

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Das habe ich mal versucht aus einem Profil und etwas Draht versucht nachzubiegen

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Viele Grüße

Dirk

Die von Dirk zu diesem Beitrag angefügten Bilder können nur von registrierten Usern gesehen werden - Login

Hallo Womo,

die Bremsprobeanlage umgangsprichlich luftstock gibt es wie man auf den Links sehen kann in unterschiedlicher Ausführung. Diese sind im Boden mit einem Kompressor verbunden welcher sich irgendwo auf dem Gelände befindet, es kann auch für mehrere z.B. Ausfahrgruppen mehrere Kompressoren auf dem Gelände geben. Sollte diese mal ausfallen oder die Anlage undicht werden, dann wird in der Regel mit einer E-Lok oder Diesellok er Zug gefüllt und gebremst bevor die Zuglok an den Zug fährt, oder aber man macht die volle Bremsprobe oder vereinfachte Bremsprobe mit der Zuglok. Der Luftstock kann vorne oder hinten am Gleis stehen, es gibt auch Anlagen welche in der Mitte des Gleises stehen. Die Kriterien für den Aufstellungsort der Anlagen sind mir nicht bekannt.
Ob solche Luftstöcke in den Reisezugabstellungen sich befinden, wo noch welche vorhanden sind, kann ich nicht sagen, komme nicht mehr in solche Anlagen.
Ob es für Kühlwagen früher Stromanschlüsse gab, entzieht sich meiner Kenntnis.

@JohannesNBahn,

Du kannst einiges in der FV 408, Ril 936, Brevo 915, Ril 800 u.v.m finden.
Die Prozesse ob sie genormt sind, kann ich dir nicht sagen, da sie im Grunde in den letzten 30 Jahren im Prinzip nicht verändert haben, je nach Zugbildungsanlage kamen neue Prozesse oder Verfahren hinzu oder wurden geändert. Bestimmt gibt es irgendwo eine Niederschrift darüber wie die Prozesse auszuführen sind und welche Reihenfolge eingehalten werden sollte. Aber es gibt immer wieder Ausnahmen wo man von den Prozessen abweichen muss/kann/darf, z.B. kann man die volle Bremsprobe mit Wagentechnischer Untersuchung auch mit der Zuglok tätigen, dauert halt etwas länger und der Zug fährt bestimmt verspätet ab. Jeder an der Zugbildung und Zugvorbereitung bis zur Abfahrt des Zuges beteiligte Mitarbeiter hat Kenntnis über seine Tätigkeit gültige Vorschriften, Regelwerke, Prozesse und Weisungen.

Mit freundlichen Grüßen

Tf150150
Hallo Dirk,
Hallo Tf 150150,

vielen Dank für  Eure aufschlußreichen Erläuterungen. Von diesen Luftstöcken hatte ich noch nie gehört. Kleine, aber wichtige Anlagen.

Dirk, vielen Dank für die links und die Fotos. So ein Luftstock läßt sich ja in N gut umsetzen. Gefällt mir sehr gut !

Beste Grüße

Frank
Moin,

die Bezeichnung Luftstock ist aber sehr regional begrenzt und nicht breit verbreitet.
Im Zuge der Vorbereitung ist auch entsprechend die Signalisierung zu machen. Sprich Zugschlusssignale am Schluss stecken und ggf. die im Zug entfernen.

Zitat - Antwort-Nr.: 5 | Name: Tf150150

Ob solche Luftstöcke in den Reisezugabstellungen sich befinden, wo noch welche vorhanden sind, kann ich nicht sagen, komme nicht mehr in solche Anlagen.

Ja selbstverständlich. Sie stehen neben der Zugheizanlage i.d.R., denn sonst können die Wagenmeister nachts die Züge nicht eigenständig allein untersuchen. Hintergrund ist ja das u.a. alle 24h eine volle Bremsprobe zu erfolgen hat und dass macht man gerade bei Reisezügen i.d.R. nachts wenn die Garnituren in der Abstellung stehen. Da geht dann der Wagenmeister durch die Abstellgruppe und macht routinemäßig die Bremsprobeben und Wagentechnischen Untersuchungen mit Hilfe der örtlichen Bremsprobeanlage. Wohlgemerkt die Lok bedienen darf er ja nicht, aber die Anlage anschließen daran zur Prüfung des ganzen Zuges schon. So kommt dann morgens drauf nur der Tf zum Dienst, findet schon die vorbereitenen betrieblichen Unterlagen am Führerstand bzw. davor an einem Ablagepunkt, macht die Zugheizanlage aus und hängt diese ab, rüstet seine Maschine auf, entfernt ggf. Sicherungsmittel und macht nochmal seine vereinfachte Bremsprobe und los gehts zum bereitstellen als Rangierfahrt. Den Zugschluss kann dann am Bahnsteig brav der Zugbegleiter kontrollieren und melden, bevor es als Zugfahrt auf die Strecke geht, denn wir wollen ja nicht, dass der (Fernverkehrs-)Tf zu weit laufen muss.🙈🙉🙊

Zitat - Antwort-Nr.: 3 | Name: Womo

Gibt oder gab es für abgestellte Kühlwagen Stromanschlüsse?

I.d.R. haben die Kühlwagen keine zentrale Zugsammelschiene, sondern nur Achsgeneratoren. Daher keine Möglichkeit diese Wagen anzuschließen und zusätzlich erfordert jede örtliche Zugheizanlage eine gesonderte Einweisung und Prüfung ,örtlich, auch wenn die meisten sich sehr ähnlich sind. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/92/Kuehlwagen_Interfrigo.jpg Die Kühlwagen welche in Deutschland zentral über Strom versorgt wurden, z.B. aus die Maschinenkühlzüge aus dem Waggonbau Dessau, hatten entsprechend immer einen Maschinenwagen mit Generator dabei der die Wagen autark mit Strom versorgen konnte. http://www.kuehlwaggon.de/images/d12065dm4.jpg

Die Zugvorbereitung kann auch ohne die ganzen baulichen Anlagen einfach vom Lrf der zugleich Wagenprüfer ist vorgenommen werden und etwas anders ausschauen. Hab ich selber so eine Zeitlang direkt nach meiner Lehre so gemacht. Meine KV-Wagen einfach von den jeweiligen Gleisen im Ubf abzogen und zu den jeweiligen Zugteilen verbunden, Wagentechnische Untersuchung gleich mit der Bremsprobe verbunden, sonst latscht man sich unnötig zu Tode, Papiere geschnappt von der Zugabfertigung/Duss und mit der Rangierlok dann rüber den Zugteil in die Ausfahrgruppe des benachbarten Rbf auf den anderen Zugteil der vorher dort ankam draufgesetzt. Auf dem Weg dahin, beim Vorbeifahren an der Zuglok angehalten und die Papiere schon übergeben. Dann alten Zugschluss runter, beide Zugteile verbunden, dann meine Rangierlok abhängen, neuen Zugschluss auf den letzten Wagen drauf und dann über Funk noch mit dem Tf des Zuges noch schnell eine vereinfachte Bremsprobe gemacht und dann konnt er sich Abfahrbereit melden und auf die große Reise zu den Nordseehäfen gehen. So ging das zweimal jeden Abend und morgens halt in die umgekehrte Richtung beim schwächen und zustellen.


Gruß, Matthias

Edit: Text ergänzt

Hallo Matthias,

auch Dir vielen Dank für Deine Schilderungen.

Beste Grüße

Frank
Hallo,

zur Bremsprobe ist im Eisenbahn Modell Magazin (EM 9/22 S. 31) ein kurzer Artikel über ein Pilotzug mit automatischer Bremsprobe.

VG Christian


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