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THEMA: Knallkapseln ???

THEMA: Knallkapseln ???
Startbeitrag
Christian_B - 09.05.05 12:26
Hallo,
neulich ist mir im SEH an einem Tender eine Klappe aufgefallen hinter der sich laut Aufschrift 'KNALLKAPSELN' verstecken.

Am Wochenende habe ich beim Schmökern entdeckt daß auch bei einer E94 mal eine Halterung dafür nachgerüstet wurde.

Erleuchte mich bitte jemand: was sind Knallkapseln und wozu braucht man die??
Sonderzüge zu Silvester?  Notsignal?

fragend grüßt
-chris-

Ist das vielleicht soetwas wie die Anfahrlampe? Vielleicht wurden die vor die Räder der Lok gelegt und wenn der Zug sich dann in Bewegung gesetzt hat, hat der Lokführer das eben gehört.

Ich hab echt keine Ahnung
Hallo Chris,

Knallkapseln werden als Nothaltsignal verwendet, wenn eine andere Signalisierung nicht möglich ist.

Die Knallkapseln (3 Stück) werden in bestimmten Abstand zum Notfallpunkt (ich glaube 1500 m) auf die Schiene geklempt und erzeugen dann beim Überfahren durch ein nachfolgendes Fahrzeug mehrere laute Knalle, die dem Fahrzeugführer das Nothaltsignal bedeuten.

Gruß
Michael Höppner
"Knallkapseln" sind meines Wissens nach tatsächlich Notsignale der Bahn. Diese Knallkapseln wurden vor einem Gefahrenpunkt (wenn anderswie das nötige "Stop" nicht gegeben werden konnte) in einem bestimmten Abstand auf das Gleis (Schiene) gelegt. Beim überfahren der Knallkapsel durch einen nachfolgenden Zug / Lok explodierten diese Knallkapsel/n und "befahlen" dabei akustisch dem Lokführer einen sofortigen Halt.
Gruß   Fidelis
Die Knallkapseln gibt es jetzt auch wieder in deutschen Loks. Naja aber nur in denen mit Frankreichpaket. Dort werden die Kapseln wohl noch angewendet.

Steffen
Klar Knallkapseln waren  als Notsignal aber nicht nur auf Loks zu finden. Auch viele Wärter und sowieso die Streckengeher waren damit ausgerüstet. Man war letztlich aber froh, die Dinger loszuwerden, da der Knall (und die Menge Explosivstoff) deutlich über der eines Silvesterböllers lagen. Von daher war der Umgang mit den Kapseln teilweise nicht unproblematisch. Gruß Bernd
Hier ein Auszug aus der DRG-Dienstanweisung für Bahnwärter von 1932 (§ 5):

2) Außerdem muß er im Dienst bei sich haben: den Fahrplan seiner Strecke, eine richtig gehende Uhr *), ein Signalhorn *), 6 Knallkapseln in dem dazu bestimmten Behälter, bei Tage eine Signalflagge *), bei Dunkelheit eine gut brennende Handlaterne mit roter Vorsteckscheibe *), einen Schlüssel zu den Streckenfernsprechbuden, beim Begehen der Strecke einen Schraubenschlüssel. Solange er an der Bahn arbeitet, darf er die Ausrüstungsgegenstände in seiner Nähe ablegen.
Die mit *) gekennzeichneten Gegenstände trägt der Wärter während der Vorbeifahrt der Züge bei sich. Den Behälter mit den Knallkapseln muß er an einem bestimmten Platze so aufbewahren, daß sie jederzeit greifbar sind.

So war's mal.
Gruß Gerhard
Hallo,
danke jetzt ist dieses Geheimnis also gelüftet.

Weiß denn noch jemand von wann bis wann die Dinger eingesetzt wurden?

Bei der Museums E94 wurde der Halter noch 1960 nachgerüstet, das kann also noch nicht so furchtbar lange her sein.

Gruß
-chris-
Gestern war ein Bericht im Fernsehen über die Sahara-Bahn. Dort wurden durch einen Lokführer die Dinger erklärt.
Kann o.a. Aussagen nur bestätigen, hätte gestern beim fernsehen aber nicht gedacht, dass so Teile auch hier in Gebrauch waren / sind.

Gruß
Lofty
Da muss nun echt ein Vorschriftenspezialist ran um genau zu sagen, wann die DB diese Dinger abschaffte. Mir ist nur bekannt, dass es zunehmend kritischer wurde diese Kapseln zu handhaben. U.a. weil sie als gefährliche Güter (m.w. noch heute) eingestuft werden bzw. als Explosivstoffe eingestuft wurden. Ich meine auch von Unfallen durch unsachgemäße Handhabung gelesen zu haben. Früher war auf jeden Fall simples Schwarzpulver drin. 1974 muss es sie noch gegeben haben, denn da hatte ich das zweifelhafte "Vergnügen" einen Zug mit Sh3 anzuhalten und wurde bei der Vernehmung gefragt, warum ich mir vom Schrankenwärter nicht die Kapseln schnell "ausgeliehen" hätte. Erst als die Leute merkten, dass ich gar nicht zur Bahn gehöre wurde allen und auch mir klar, wie perfekt mich der Lokführer (Kreissignal) verstanden hatte. Der Silberling-Steuerwagen kam übrigen gerade mal 50m vor dem ins Gleis gestürzten LKW zum stehen..... die Notsignale haben also immer ihre Berechtigung. Gruß Bernd
Hier steht, dass sie in der ESO von 1986 nicht mehr enthalten waren:

http://www.svenherzfeld.de/bahnen/gefahren/plaudern.htm

@eiche

Hat Dir die DB wenigstens eine Anerkennung zukommen lassen? So ein Freifahrtsschein auf Lebenszeit wäre doch das mindeste

Gruß, Claus
OT @ 10 Claus / Du wirst lachen, aber das hat die DB getan. Ich wurde ins BW Mannheim eingeladen, durfte dies besichtigen und habe mich mit dem Leuten ausgiebig über die Zukunftsberufe der Bahn unterhalten. Auch ein Essen gab es. Sogar der fragliche Lokführer war kurz zugegen und hat mir erzählt, dass er bereits auf dem Weg in den hinteren Teil des Waggons gewesen war. In der Zeitung stand, dass " ein zufällig vorbeikommender Student des Verkehrswesens seltsamerweise wußte, wie man einen Zug anhält". Dabei war ich dem Lkw zuvor 15 km hinterher gefahren ehe dieser die Schranken durchbrach und sich überschlug. Totales Bremsversagen wurde später ermittelt. Leider kam der Fahrer dabei ums Leben. Ist aber schon ein komisches Gefühl, wenn du wie ein Teufel im Gleis in einer Kurve einem Zug entgegen rennst. Für mich war interessant, dass ich das Notsignal mehr oder weniger instiktiv gab, obwohl ich bis dahin nur darüber gelesen hatte. Ich hatte natürlich auch keine Flagge oder rote Lampe dabei (und Knallkapseln schon gar nicht). Aber das kreisende weiße Taschentuch tat es auch. Zur Erklärung noch: Ich habe mich tatsächlich mit dem Schrankenwärter "abgesprochen". Besser gesagt: Er hat mir zugebrüllt ich soll die eine Richtung, er die andere den Zügen entgegenlaufen. Und er wußte, dass Züge kommen. Der sich überschlagen Lkw hatte aber die gesamten Telegrafenleitungen mitgerissen und der Schrankenwärter war fernmeldemäßig völlig tot. Er war - ob mit Knallkapseln ist mir nicht bekannt - in die andere Richtung unterwegs und hat dort richtig auch den Gegenzug angehalten. Funk und Handys kamen später. Heute ist dort längst eine Unterführung - aber immer wenn ich vorbeikomme denke ich dran. Gruß Bernd
hehe :) :)

die frage wurde gerade bei genial daneben gestellt :)
da gings um züge in der sahara - zufall? :)
Nabend,

die Knallkapseln werden u. a. auch heute noch in Belgien eingesetzt.

Wie lange sie in Deutschland eingesetzt waren, weiß ich nicht. Im Zeitalter, wo jede Strecke mit Zugfunk ausgerüstet ist und mittlerweile der GSM-R nach und nach einzug hält, wird diese Art des Nothaltauftrages auch bei ausländischen Bahnen bestimmt  bald überflüssig werden.
Wenn es bei der DB mal zu dem unglaublichen Zufall kommen würde, dass der Zugfunk ausfallen würde und obendrein auch noch eine Betriebsgefährdung eintreten würde, ist das in der Fahrdienstvorschrift (FV) so geregelt, dass der Tf zum nächsten Streckenfernsprecher in Fahrtrichtung laufen soll, um von dort den Notruf abzusetzen. Entgegenkommende Züge sind mit Sh 3 oder Sh 5 zu warnen.

@ eiche

Interessante Geschichte, und vor allem vorbildliches und umsichtiges Verhalten deinerseits! Andere die wären vor Schreck vielleicht stehen geblieben.

Gruß
Marco


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