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THEMA: Fleischmann 01.10 mit Dampf und Sound - ein Umbaubericht

Startbeitrag
RF - 18.04.21 16:17
Hallo,

und es sprach der Decoderdealer: "In drei Wochen liefert Zimo die neuen MS480 aus. Wer will?" Und der Nerd in mir dachte sich: "Goil, 16bit Sound!". Und dann erst kam die Überlegung, in welches Modell das Ding eigentlich soll. Die Liste der verfügbaren Soundprojekte schränkte dann die Modellauswahl doch ein wenig ein, aber am Ende fand sich ein Umbauopfer.

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Carsten hat mir nicht nur den Decoder geschickt, sondern auch gleich eine passende Schallkapsel gedruckt, die ziemlich bündig in das Führerhaus der 01.10 passt.

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In die Lok soll auch noch ein Dampfgenerator, aber da ist der komische Block im Weg, der in früheren Versionen des Modells mal Lampenhalter war. Jetzt ist das nur noch ein Block, vor den die LED-Platine gesteckt ist. Also weg damit, radikal:

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Im Lokgehäuse muss das Gewicht raus und ein Steg für die Stabilität entfernt werden. Das ist Strafarbeit, weil man mit der Feile nicht gut reinkommt, ein Skalpell sich auch schlecht ansetzen lässt und so nur Sandpapier bleibt. Der Schornstein muss auch weg, der ist dann später Teil des Vorratstanks. Die LED-Platine wird direkt an den Lichtleiter geklebt, und weil mir das Licht zu kalt war, hab ich da großflächig mit gelbem Glühlampenlack gekleckst. Das sieht dann so aus:

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Die blöden Rahmenausschnitte werden mit 0,1er Kupferblech verschlossen. Dazu habe ich das Gehäuse einfach auf das Blech gelegt und mit Bleistift die Form übertragen, dann großzügig ausgeschnitten, gefeilt und das Blech leicht gebogen. Festgeklebt werden die Bleche mit UHU Sofortfest. Der 2k-Kleber trocknet sehr schnell, sodass man solche Bleche auch mal mit der Hand halten kann, bis der Leim trocken ist. Da das Blech dünner ist als das Gehäuse kommt die Lok damit noch durch 282mm Radius. Enger geht nicht, will ich aber auch nicht.

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Aus dem gleich Kupferblech entsteht der Verratsbehälter für das Dampfröhrchen. Die Delle am hinteren Ende ist eine Aussparung, weil an der Stelle des Lokgehäuses die Pfeife sitzt und dort das Gehäuse etwas innen vorsteht.

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Der Schornstein entsteht aus einem Verschnittstück passend eingekürzt, einmal gerollt, leicht überlappend verlötet, abgefeilt und dann vorsichtig auf eine Aussparung im Tank gelötet.

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Dieser Umbau ist für mich übrigens eine Premiere... ich hab mir tatsächlich mal 'ne Skizze gemacht, um die Höhe des Schornsteins richtig dimensionieren zu können.

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Ist der Schornstein angelötet wird das überschüssige Lotzinn weggefeilt und der Tank mit Sandpapier geglättet. Das Einkleben des Dampfröhrchens ist nicht unbedingt schwierig, muss aber sehr exakt passieren. Ist das Röhrchen zu tief verstopft der Kleber schlimmstenfalls die kleinen Löcher - ist das Röhrchen zu hoch, bleibt Dampföl im Tank zurück. Ich habe mir dafür aus einem Stück Pipette einen Stopfen geschnitten, der exakt in den Schornstein passt. In das Loch, das dann noch bleibt passt das Dampfröhrchen fest genug rein, sodass es nicht in der Höhe verrutschen kann während ich den Kleber auftrage.

Seuthe schreibt in der Einbauanleitung von 2-Komponenten-Harzkleber. Zumindest von dem UHU 2k-Kleber (end-, schnell- oder sofortfest) muss ich an dieser Stelle eindringlich abraten. Das Zeug verändert nach einiger Zeit seine Konsistenz und wird dann eher gummiartig. Dadurch ist der Behälter nicht mehr dicht und die ganze Brühe suppt in die Lok. Ich habe stattdessen ölresistentes 2k-Flüssigmetall von UHU genommen. Die Doppelkammerspritze ist zwar eine [zensiert] Zumutung, aber das Ergebnis hält dicht. Zudem ist das Flüssigmetall zähflüssiger und klebriger als der 2k-Epoxyharzkleber, sodass sich die kleinen Öffnungen für den Dampf nicht durch die Kapillarkraft zusetzen.

Wenn dann alles passt kann der Tank in das Gehäuse eingeklebt werden. Rechts im Gehäuse sind noch Teile des alten Gewichts der Lok zu sehen, das nur gekürzt wird und dann wieder in die Lok kommt. Damit da nicht zu viele Kabel rumfliegen habe ich Minileiterbahnen verlegt. Netter Nebeneffekt dabei ist, dass ich recht einfach den gemeinsamen Pluspol zurechtlöten konnte. Als zusätzliches Gewicht kommt da jetzt noch zwischen Dampfröhrchen und Schraubenaufnahme ein Bleistreifen. Da ist recht viel Luft und das Gewicht ist nötig, da sonst die Räder gerne mal stehen bleiben. Weiteres Blei kommt zwischen Rahmen und Stromabnehmerplatine, zwischen Tank und Gewicht und auch sonst noch in alle Ecken, die sich in der Lok so finden. Nur immer rein damit, es geht um jedes Gramm!

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Das Fahrwerk des Tenders erhält noch zwei kleine, aber wichtige Änderungen. Die Räder der vierten Achse habe ich durch Räder mit Haftreifen ersetzt, sodass der Tender jetzt 4 Räder mit Haftreifen hat, aber keine Stromabnahme einbüßt. Auch hat mich immer gestört, dass der Tender so gemein schief im Gleis steht. Das kommt daher, dass die 1. Achse sehr viel seitliches Spiel hat. Bei vernünftigen Radien ist dieses Spiel aber gar nicht nötig, sodass ich stattdessen die 1. Achse dazu nutze, den Tender möglichst gerade ins Gleis zu stellen. Dazu habe ich eine Kupplungsfeder (wie sie z.B. in Wagen von Roco eingebaut ist, gibt es u.a. bei Eichhorn als Ersatzteil) halbiert und je eine Hälfte links und rechts des Fahrwerks auf die Achse aufgezogen. Jetzt kommt der Tender auch noch - wenn er muss - um enge Radien, ansonsten sorgt die erste Achse dafür, dass der Tender schön gerade im Gleis steht. Und weil die Lok ja eh nur noch durch große Radien fahren soll hab ich auch gleich noch die Deichsel durch eine Kürzere (29mm) von Kuswa ersetzt. 28,5mm wären wahrscheinlich auch gegangen, aber dann wäre es sehr eng für die Kabel geworden.

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Den Motoradapter von Carsten habe ich an den Seiten etwas gekürzt, damit ich auf der ganzen Höhe Bleistreifen einkleben konnte. Auch im Tendergehäuse ist viel Platz für Blei, Fleischmann hat da so unglaublich viel Luft gelassen - kein Wunder, dass die Lok im Auslieferungszustand kaum was wegzieht. Im Bild der Tender noch ohne Decoder und ohne das originale Gewicht, das ich weiter verwendet habe. Damit die Kabel nicht zu sehr klemmen habe ich auch den Steg am Tender, der zur Lok zeigt, etwas abgefeilt. Die Schallkapsel ist nicht festgeklebt sondern klemmt im Führerhaus und kann somit zerstörungsfrei entfernt werden, wenn mal größere Arbeiten am Lokgehäuse anstehen.

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Und dann musste die 01 1061 auf Anordnung des Direktionsphotographen nach Steinbach und begegnet hier 41 014 mit ihrem Kohlezug, die gerade "Fahrt frei" erhalten haben..

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Ein kurzes Video gibt es dazu auch: https://youtu.be/1ALOID5gpzg Das Licht war nicht optimal, daher ist die Bildqualität etwas suboptimal. Aber das ist ja an der Stelle auch nicht Anspruch gewesen.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an fuelcar, an dessen Umbau (siehe https://www.1zu160.net/scripte/forum/forum_show.php?id=1132841#aw18) ich mich orientiert habe.

Weil das mein erster Umbau mit Dampf ist habe ich auch reichlich Lehrgeld bezahlt. Es ist z.B. eine äußerst blöde Idee, so einen Schornstein innen zu lackieren. Die Farbe WIRD sich lösen, sie WIRD in den Behälter fallen und sie WIRD ganz sicher ihren Weg in das Dampfröhrchen finden. Auch habe ich erst die schlechten Erfahrungen mit dem 2k-Epoxyharzkleber machen müssen, bevor ich dann das Flüssigmetall ausprobiert habe. Deshalb sind die Baufortschritte auf den Bilder auch nicht immer konsistent zur Beschreibung weil ich die Lok mehrfach auseinander gebaut hatte und nicht bei jeder neuen Erkenntnis neu photographiert hab.

Während des Experimentierens hatte ich auch die Idee, die Pfeife der Lok durch ein Dampfröhrchen zu ersetzen. Die Form ist ähnlich genug, dass es nur beim näheren Betrachten auffällt. Allerdings sitzt die Pfeife bei der 01.10 so tief, dass an der Stelle dann die Treibräder im Weg sind. Und die Dampfröhrchen haben die unangenehme Eigenart, zu spucken, bevor sie dampfen. Dieser Rotz landet normalerweise im Schornstein und fällt nicht weiter auf, bei der Pfeife wäre das Zeug aber dann am Gehäuse gelandet und hätte da alles verschmockt. Aber ganz verabschiedet hab ich mich von der Idee noch nicht...

Und für alle, die jetzt Lust bekommen haben, das nachzubauen: Legt los! Und nur keine Angst weil das Lokgehäuse aus Plaste ist. Ich habe den Dampfer 40 Minuten auf höchster Stufe laufen lassen und das Gehäuse war zwar warm, verformt hat sich da aber nix. Der Versuch war im Stand, im Anlageneinsatz kommt da ja noch Fahrtwind zur Kühlung dazu.

Viele Grüße,
Rico

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Hai Rico ,

Wie eine schoene Arbeit Sie da geleistet haben : grosses Kino !
Ich hoffe ernsthaft dass das Gehaeuse stabil bleibt wegen die ( unvermeidliche ) Waermeentwicklung .
Jedesmal freut es mich Mitbastler hier zu sehen die mehr als das "normale" aus Fabriksgeschoepf hervor zu holen und vor allem wenn das dann auch noch so gut gelingt ! Blume, blume !

Waere schoen wenn Sie uns hier auch noch eine schoene Soundvideo vorfuehren werden .......

Mach so weiter,
Rae
Hi Rico,
Tolle Arbeit. Kannst du was über die soundqualität der ms-decoder im vergleich zu den älteren typen schreiben,
Gruß
Chris
Hallo Rico,

Respekt! Ein toller Umbau.

Viele Grüße
Andrei
Hallo,

vielen Dank für eure Antworten

Zitat - Antwort-Nr.: 1 | Name: 530001

Waere schoen wenn Sie uns hier auch noch eine schoene Soundvideo vorfuehren werden .......



Da habe ich mal ein Video aufgenommen, in dem ich mal alle Sounds durchprobiere:
https://www.youtube.com/watch?v=n6T3thNopRg

Am Wasserkran das Geräusch vom Wasserfassen, danach mal die einzelnen Geräusche abgespielt, dann beim Durchfahren der Weichenstraßen das Kurvenquitschen. Am Zug dann das Geräusch zum Ankuppeln, Durchsage, Abfahrtspfiff und dann geht es los. Ich hoffe, das zeigt die Sounds gut genug Die Lok ruckelt beim Anfahren ein bisschen, das liegt aber nicht am Decoder sondern am Getriebe. Da ist ein Zahnrad kaputt, Ersatzteile sind schon auf dem Weg. Danach kann ich auch die Lok nochmal einstellen, dass die Auspuffschläge wirklich exakt zur Geschwindigkeit passen.

Soundprojekt ist das frei verfügbare ZSP01007.

Zitat - Antwort-Nr.: 2 | Name: Brr110

Kannst du was über die soundqualität der ms-decoder im vergleich zu den älteren typen


Es ist natürlich ein subjektiver Eindruck. Einen direkten Vergleich mit einem der MX-Decoder kann ich aufgrund eines Defekts desselben gerade nicht durchführen, und beim Vergleich mit einem älteren Tran SL76 ist glaube ich nicht zielführend.

Gefühlt ist der Sound klarer als bei der älteren Generation und weniger verrauscht. Das sagen meine Ohren vor allem beim Pfiff, der ja doch recht laut ist - da kratzt nix, da kommt der Sound klar rüber. Auch das eher schrille Schienenquitschen kommt ohne hörbare Artefakte rüber. Da macht sich die höhere Auflösung der Samples halt doch bemerkbar.

Aber der Sounddecoder ist nur ein Glied der Kette - es hilft der beste Sounddecoder nichts wenn der Lautsprecher nichts taugt oder die Schallkapsel nicht dicht ist.

Viele Grüße,
Rico
Hallo Rico,

das ist eine tolle Arbeit. Gratulation, dass alles erfolgreich zum Ende gekommen ist.
Solche Umbauten sind nichts für mich, daher habe ich grossen Respekt vor Allen, die das beherrschen.

Dampfloks, die rauchen, sind mir die liebsten. Sound ist da ein Bonus, aber nicht zwingend.
Allerdings ist der Sound dort immer noch sinnvoller als bei E-Loks.

Gruß aus Nordertown
Dankeschön
Oh wow! Toller Umbau. Respekt! lg


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