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THEMA: Längendehnung der Gleise

THEMA: Längendehnung der Gleise
Startbeitrag
d-amur - 18.02.18 12:45
hallo zusammen,

mich interessiert, wie beim Gleisbau die Längenveränderungen der Gleise ausgeglichen werden.

Früher kannte man ja die "Schienenstöße", die kleinen Lücken zum Ausgleich der hitzebedingten Dehnung im Stahlkörper.

Heute sind diese "kilometerlang" verschweißt.

Wie werden aktuell diese Längenveränderungen absorbiert?

Würde mich über kompetente Infos freuen.

Liebe Grüße
Peter

Hallo Peter,

an Stelle mit gleichbleibenden Temperaturen ging man bei der DRG schon in den dreißiger Jahren dazu über die Schienen zusammen zu schweißen (z.B. in längeren Tunneln).

Damit sich die Schienen an die Temperaturschwankungen besser anpassen können, gibt es alle paar Kilometer bei ganz neu modernisierten Strecken solche Spezialgleise:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dehnung...ke_bei_Ehring_1.jpeg

Mit diesen "Dehnungsgleisen" ist dann sicher gestellt, dass es im Hochsommer nicht zu solchen Gleisverwerfungen kommt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gleisverwerfung#/...h_Ost_04_08_2013.jpg

Grüße
Markus

Hallo,

Danke für die Infos und Hinweise.

Cheers
Peter
Hallo.

Das Gleis wird bei hohen Temperaturen nur durch das Eigengewicht (ca 700kg/m) und durch das Schotterbett an seinem Platz gehalten . Deshalb ist immens wichtig, das die Gleise richtig Eingeschottert sind/werden. Noch zu dem Dehnungsgleis : dies ist eine Sonderkonstruktion und nennt sich Schienenauszugsvorrichtung. Solche Gleise werden nur auf oder an Brücken eigenbaut, da Brücken eine andere Längenausdehnung als Gleise haben. Teilweise auch in Gegenden mit starker Bergsenkung  (Ruhrgebiet). Bin übrigens im Gleisbau tätig .

Grüße, Wolfgang
Hallo Wolfgang,

wie setzen sich die 700 kg/m zusammen?

Ein UIC-60-Profil bringt je Meter 60 kg auf die Waage, zusammen 120 kg. Zuzüglich Kleineisen fehlt immer noch ein Batzen. Werden die Schwellen mitgerechnet?

Schöne Grüße, Carsten
Zitat - Antwort-Nr.: 4 | Name: wuffrose

Noch zu dem Dehnungsgleis : dies ist eine Sonderkonstruktion und nennt sich Schienenauszugsvorrichtung. Solche Gleise werden nur auf oder an Brücken eingenbaut, da Brücken eine andere Längenausdehnung als Gleise haben



Hallo Wolfgang,

ich widerspreche dir als Gleisbauer nur ungern. Vor meiner Haustüre (im Großraum Stuttgart) liegt die Strohgäubahn mit UIC-60 Schienen. Da gibt es alle paar Kilometer solche Dehnungsgleise, aber an den Stellen wo sie verbaut sind gibt es keine großen Brücken oder Bergsenkungen. Die Gleise sind hier immer an "normalen" Stellen verbaut. Ich vermute dass die Dehnungsgleise hier wegen der verwendeten Y-Schwellen zum Einsatz kommen. Könnte das vielleicht damit zusammen hängen?

Aber auch auf DB Strecken sind mir solche Dehngleise an normalen Stellen schon aufgefallen. Könnte es sein dass die nachgerüstet werden, wenn es im Hochsommer an diesen Stellen schon mal zu Gleisverwerfungen kam? Schaden können die Gleise ja nicht, aber vermutlich sind sie in der Anschaffung teuer und müssen auch regelmäßig gewartet werden.

Grüße
Markus
Hallo zusammen,

die Ausgleichgleise werden nur da gebraucht, wo der Untergrund nicht den geforderten Halt gibt (z.b Brücken). Auf normalem (gutem) Untergrund ist ein Längenausgleich nicht notwenig. Das ist wie bei einem Gummi, wenn man ihn zieht wird er länger und dafür dünner, umgekehrt natürlich auch beim Stauchen eine Verdickung. Es ist also eine Volumenänderung in Abhängigkeit der Temperatur. Man kann selbst den Vesuch machen und im Rahmen seiner Kräfte einen längeren Stahldraht ziehen und man wird die Federwirkung bemerken (oder im Aufzug, wenn Leute zusteigen). Die Kräfte müssen im Bereich der Elastizität des Stahls bleiben und das tun sie in dem geforderten Temperaturbereich.
#5: ich glaube da hast du eine falsche Vorstellung
#2: die Bilder sind Ansenkungen und haben wenig mit den Längskräften zu tun bzw entstehen, wenn der Boden nicht den nötigen Halt gibt.

Grüße Thomas
Hallo.

Zu #5. Die Schwellen werden mitgerechnet. Holzschwellen wiegen ca 120 kg, Betonschwellen, je nach Bauform, bis zu 320 kg.

Zu #6. Möglich das wegen häufiger Gleisverwerfungen diese Auszüge eingebaut wurden.

Noch eine Anmerkung zur Gleisverwerfung. Ab 30°C Schienentemperatur, sind deswegen Arbeiten am Oberbau verboten.

Gruß, Wolfgang
Hallo Wolfgang,

danke für die Ergänzung. Eine Betonschwelle mag man aber auch nicht auf den großen Zeh bekommen

Im von Kai verlinkten Wikipedia-Artikel heißt es sinngemäß, dass der gesamte Oberbau sehr stabil angelegt sein muss. Da die Ausdehnung des Stahls nur noch in Höhe und Breite erfolgen soll, nicht mehr in der Länge, ist eine höhere Stabilität erforderlich. Das hilft mir auch bei der Vorstellung, wie die feste Fahrbahn funktioniert.

Schöne Grüße, Carsten
Hallo Carsten
Mir ist aber die Holzschwelle unter meinem Zeh auch lieber als über oder auf meine Zeh . Ich habe mal in meiner Ausbildung gelernt das die Längenausgleiche jetzt auch zu einem Teil in den Bögen stattfinden, sprich die Fahrleitung ist so ausgelegt das das Gleis im Bogen wandern kann, Im Winter zur Innenseite, im Sommer zur Außenseite! Obs noch aktuell ist? Keine Ahnung, ist 27 Jahre her, das wird Dir Wolfgang wahrscheinlich besser erklären können!
Lg Peter
Hallo,

Auf den kurvenreichen Bergstrecken in Österreich werden noch Laschen verwendet, weil die Schienen starkem Verschleiß unterliegen und regelmäßig getauscht werden müssen.

Grüße   Alfred
Hallo zusammen,

Nochmals vielen Dank für die interessanten Erläuterungen.

Cheers
PETER


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