Roco Elektrolokomotive DB 181.2
Überblick
| Decoder: | Zimo MX620 |
| Digitalformat: | DCC |
| Schnittstelle: | Lötschnittstelle |
| Fräsarbeiten: | Nein |
Vorüberlegungen
Auch wenn es ein wenig boshaft klingt: Roco hat anscheinend für die Auslieferung seiner 181 in die Restekiste gegriffen. Das fängt damit an, dass in allen meinen Loks gerade genutete Motoren verbaut waren. Als ich bei Roco bzgl. Ersatzmotoren kürzlich angefragt hatte, hieß es, es würden mittlerweile ausschließlich schräg genutete Motoren geliefert. Die gerade genuteten Motoren haben m. E. ein etwas schlechteres Laufverhalten als die schräggenutete Version, ich führe dies auf die größeren Rastmomente gegenüber der schräg genuteten Version zurück und vermute, dass es hier eher zu Interferenzen mit der Austastlücke bei der EMK-Messung kommt. Jedenfalls neigen die Loks dazu, bei bestimmten Geschwindigkeiten zu "wimmern" und mit schwankender Geschwindigkeit zu fahren.

Ein weiteres Problem ist die Platine: Diese passt überhaupt nicht zur Lok. So ist zwar eine Lötschnittstelle vorhanden, dabei hat Roco allerdings völlig übersehen, dass unter dem Dach praktisch kein Platz ist. Ich wage zu bezweifeln, dass unter Verwendung der originalen Platine auch nur ein einseitig bestückter superflacher Decoder wie der DCX75 eingebaut werden kann.
Daher sollte man von weiteren Experimenten mit dieser Platine absehen. Wie in verschiedenen Threads hier im Forum erwähnt (vielen Dank an die Mitglieder für diesen Tipp!) hat die Platine der Roco 101 die gleichen Abmessungen. Diese Platine ist als Ersatzteil unter der Nummer 87821 für moderates Geld verfügbar. Die Platine hat eine Steckschnittstelle und vor allem einen Ausschnitt für den Decoder, was deutlich Einbauhöhe spart. Daher habe ich mich für die Verwendung dieser Platine entschieden. Allerdings passt die Platine mechanisch auch nicht 100%ig, vor allem, weil Roco aus falscher Sparsamkeit auf Durchkontaktierungen verzichtet hat.
Zerlegen der Lok
Die Lok lässt sich ganz leicht zerlegen, indem man das Gehäuse in der Mitte leicht spreizt und den Fahrrahmen an einem der Drehgestelle herauszieht. Die Kabel sind mit Kreppband auf der Platine fixiert - die Krepp-Streifen werden abgezogen und aufgehoben. Die Leitungen von den Drehgestellen werden von der originalen Platine abgelötet, dann kann die Platine entfernt werden - dazu sind zwei Schrauben zu lösen. Achtung: In diesem Zustand fällt der Fahrrahmen leicht auseinander.
Vorbereitung der Ersatzplatine
Leider gibt es bei der Ersatzplatine wie schon angesprochen auch ein paar Haken:
- Fehlende Durchkontaktierung
Roco hat auf eine Durchkontaktierung verzichtet. Diese wird erst bei der Bestückung durch das Einlöten von Stiften hergestellt. Die Köpfe dieser Stifte tragen auf der Unterseite der Platine aber recht deutlich auf und müssen daher sämtlich ausgelötet werden. Die Durchkontaktierung wird dann mit dünnem Draht hergestellt (z.B. Kupferlackdraht), auf der Unterseite müssen die Lötstellen möglichst flach bleiben. Dazu habe ich nach dem Verlöten ein Lötklingenband auf die Lötstelle gelegt und mit dem Lötkolben angedrückt. Dieser Umbau ist auch bei einer der Birnen erforderlich, da Roco diese Birne nur auf einer Seite auf das vorgesehene Pad gelötet hat und mit dem zweiten Draht gleich die Durchkontaktierung herstellt.
- Kontakt für Oberleitungsbetrieb
Der Kontakt zu den Pantografen wird bei der 101 über einen recht langen Stift hergestellt. Dieser muss auf der Ober- und Unterseite der Platine möglichst bündig mit der Platinenoberfläche abgeschnitten werden (z.B. mit einem kleinen gekröpften Seitenschneider ohne Wate).
- Umschaltung Oberleitungsbetrieb
Ab Werk sind zwei Klammern eingesetzt (Versorgung durch Oberleitung und Schiene). Für diese ist in der 181 ebenfalls kein Platz. Beide werden ausgebaut, dann wird bei den zur Platinenmitte hin liegenden Kontaktflächen die Verbindung zwischen Ober- und Unterseite mit einem dünnen Kupferlackdraht hergestellt. Auch hier bitte unbedingt darauf achten, dass auf der Unterseite sehr sparsam mit dem Lötzinn umgegangen und das Lot glattgestrichen wird (z.B. wieder mit Entlötklingenband).
- Auslöten der Buchsenleiste
Der Decoder passt nicht 100%ig in den vorgesehenen Ausschnitt. Bei Verwendung der Steckschnittstelle liegt er auch ein klein wenig hoch. Daher sollte die Buchsenleiste ausgelötet werden. Auf Seiten der Buchsenleiste wird der Ausschnitt dann vorsichtig noch um ca. 1 mm auf die volle Breite erweitert, so dass der MX620 mit Schrumpfschlauch stramm in den Ausschnitt passt.
- Entfernen des Entstörkondensators
Der kleine Entstörkondensator wird ausgelötet.
- Umbau der Beleuchtung
Die Birnen sollten am besten bei dieser Gelegenheit gegen warmweiße LEDs getauscht werden. Ich habe bedrahtete 3 mm-LEDs ohne Kragen verwendet, der Kathodenanschluss wird dabei bis fast an das Gehäuse gekürzt, der Anodenanschluss wird länger gelassen. Die LEDs werden dann mit dem langen Pin (Anode) an das Pad auf Schienenpotential gelötet, der kurze Pin wird mit dem Pad über einen 1 kOhm SMD-Widerstand verbunden. Je nach Gleisspannung und LED-Typ sind evtl. leicht abweichende Werte erforderlich - hier solltet ihr selbst anhand des Datenblattes der LED nachrechnen!
Einbau des Decoders
Die blaue Leitung (Decoder Plus) wird nicht verwendet und möglichst direkt am Schrumpfschlauch abgeschnitten. Nach den vorgenannten Vorbereitungen passt der MX620 in den Ausschnitt und sitzt auch stramm, was durchaus erwünscht ist. Der Decoder ist so einzusetzen, dass die Leitungen zur Unterseite der Platine liegen. Die Leitungen werden dann passend gekürzt und direkt auf die ürsprünglich für die Buchsenleiste verwendeten Lötpads aufgelötet.
Achtung: Da die Roco 101 etwas anders beschaltet ist, müssen dabei rot und schwarz sowie orange und grau gekreuzt werden, sonst stimmen später Fahrtrichtung und Beleuchtung nicht überein und Lenz ABC funktioniert nicht wie erwartet!
Auf der Unterseite der Platine sollte der Bereich mit den Durchkontaktierungen und den Entstördrosseln mit Kaptonband abgeklebt werden. Zwischen Platine und Fahrrahmen bleibt nur ein sehr kleiner Freiraum - aufgrund der handgelöteten Durchkontaktierungen könnte es ohne zusätzliche Isolierung zu Kurzschlüssen kommen.

Zusammenbau
Der Schaumstoffeinsatz muss aus dem Gehäuse entfernt werden, es wird jetzt definitiv knapp! Die Platine wird dann auf den Fahrrahmen geschraubt - bitte unbedingt darauf achten, dass die LEDs mechanisch spannungsfrei sind, sonst könnten die SMD-Widerstände brechen. Wenn ordentlich gearbeitet wurde, liegt die Patine nahezu verwindungsfrei und Plan auf dem Fahrrahmen.
Die von den Drehgestellen kommenden Leitungen werden dann kreuzungsfrei an die für die Schienenspannung vorgesehenen Lötpads angelötet. Diese liegen auf Höhe des Durchbruchs für die Klammern der Oberleitungsumschaltung auf beiden Seiten der Platine.
Die von vorne kommenden Kabel müssen dann rechts und links am Decoder vorbeigeführt und die von hinten kommenden kreuzungsfrei in Schleifen auf die Platine gelegt werden. Die Leitungen werden dann in ihrer Lage mit den beiden Krepp-Streifen fixiert.
Das Kunststoffteil zwischen den beiden Drehgestellen saß bei einer meiner Loks recht lose, ich habe es bei dieser Gelegenheit mit einem kleinen Tropfen Cyanacrylat-Kleber fixiert.
Weiterhin ist jetzt auch der geeignete Zeitpunkt, Kurzkupplungen einzubauen. Bei Fleischmann Kupplungen verwende ich den Typ 9540, da die von Roco angegebene Lösung mit dem Fleischmann Adapter 9572 nicht passt - die Kupplungskammer ist dafür deutlich zu klein! Bei der 9540 muss das "T" flacher (oben etwas wegschneiden) und schmaler gearbeitet werden (seitlich etwas abfeilen). Wenn die Kupplung in die Kammer passt (möglichst spielfrei), besteht die Kunst vor allem darin, die Kammer zu schließen, ohne dass die Feder wegspringt.
Bevor das Gehäuse aufgesetzt wird, sollte auf Kurzschlüsse durchgemessen und ein kurzer Test auf dem Programmiergleis gemacht werden. Wenn die Lok anfährt und sich das Licht ansteuern lässt, kann das Gehäuse wieder aufgesetzt werden. Dieses sitzt recht stramm, passt aber gerade so. Wer flachere Decoder wie den DCX75 einsetzt, sollte überhaupt keine Probleme haben. Dann kann die Programmierung beginnen.
Programmierung
Der MX620 harmoniert normalerweise sehr gut mit den Roco Motoren, bei der 181 kam es aber bei bestimmten Geschwindigkeiten zu Schwebungen. Außerdem lief eine meiner Loks in den untersten Fahrstufen etwas "unrund". Die folgenden Werte sind so ausgelegt, dass sie bei meinen bisher umgebauten Loks ohne individuelle Anpassungen verwendet werden konnten.
So sehr ich für den MX620 schwärme, leider hat dieser bei der Dreipunkt-Regelung mit CV2, CV5 und CV6 eine ziemlich krumme Geschwindigkeitskennlinie. Ziel von Zimo war es, im unteren Geschwindigkeitsbereich eine Spreizung zu erreichen, das Verhalten ist aber gerade bei der 181 auffällig kontraproduktiv. Zur Linearisierung kann entweder die km/h-Steuerung verwendet werden, die aber andere Nachteile hat (***), daher habe ich eine Geschwindigkeitstabelle (**) zur Linearisierung verwendet.
| CV | Wert | CV | Wert | CV | Wert | CV | Wert | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2 | 0 | 27 | 1 | 56 | 99 | 121 | 11 | |||
| 3 | 30 | 28 | 7 | 57 | 0 | 122 | 11 | |||
| 4 | 30 | 29 | 58 | 58 | 255 | 123 | 55 | |||
| 5 | 140 (**) | 60 | 255 | 124 | 82 | |||||
| 6 | 95 (**) | 61 | 98/99 (*) | 125-132 | 0 | |||||
| 9 | 95 | |||||||||
| 10 | 0 | 113 | 0 | 134 | 109 | |||||
| (falls nötig) |
Geschwindigkeitstabelle: (**)
(*) Hier kommt wieder das erweiterte Programmierverfahren wie schon bei der Umbauanleitung für die Arnold V100 zum Einsatz. Bei Zentralen, die sich die Werte in einer Datenbank merken (z. B. Viessmann Commander) sollte zum Abschluss noch CV61 auf 99 programmiert werden, damit man nicht später versehentlich erneut die Programmierung anstösst, falls man einzelne CVs nochmals überprogrammiert.
(**) Bei der üblichen von mir verwendeten Einstellung ohne Tabelle und mit Maximal-/Mittengeschwindigkeit 140/95 ist in den oberen 2..3 Stufen praktisch keine Abstufung der Geschwindigkeit mehr erkennbar. Mit Tabelle kann man allerdings die Kennlinie wesentlich flexibler "verbiegen". Im Gegensatz zu Decodern anderer Hersteller wirkt CV5 bei Zimo-Decodern zusätzlich als Multiplikator, CV6 hat aber keine Funktion. Die Geschwindigkeit ergibt sich dann als CV5/252* <Stufe gemäß Tabelle>. Entweder kann daher CV5 auf 252 programmiert werden und die Tabelle in Fünferschritten von 5/10/15/.../135/140 oder CV5 wird auf 140 programmiert und die Tabelle möglichst linear bis 255 auf Stufe 28 angelegt. Ich habe mich für Letzteres entschieden, weil der Viessmann Commander diese Kennlinie automatisch erzeugen kann. Leider arbeitet der Decoder so, dass trotz dieser linearen Tabelle eine gekrümmte Kennlinie herauskommt. Diese Tabelle als Basis muss dann leider noch "verbogen" werden, wofür ich allerdings zur Zeit noch kein fertiges Beispiel habe. Alternativ belässt man den Decoder einfach im Modus ohne Tabelle und setzt die Mittengeschwindigkeit etwas herunter, z. B. auf 85. Dann ist die Lok bei Stufe 14 zwar langsamer als mit 50 % der Maximalgeschwindigkeit unterwegs, allerdings gibt es ganz oben (Stufe 26, 27 und 28) wenigstens noch eine Abstufung der Geschwindigkeit.
(***) Die km/h Steuerung läßt leider keine freie Festlegung der Stufen zu, d. h. die Endgeschwindigkeit bei maximaler Fahrstufe lässt sich nicht frei festlegen!
Nach Abschluss der Programmierung steuern F0 und F1 jeweils eine einseitige Beleuchtung, F3 Rangiergang und Rangierlicht.
Danke an Torsten Lang für die Zusendung.
Zurück zur Decoder-Einbaubeispiele-Übersicht
Das sagen User zu diesem Thema:
Zum Seitenanfang
© by 1zu160.info; Stand: 20. 08. 2010; Seitenaufrufe laufender Monat: 15; Vormonat: 73;



