Arnold Diesellok V100 / 211 / 212 mit Remotorisierung (Maxon Motor mit Schwungmasse)
Überblick
| Decoder: | Zimo MX620N |
| Digitalformat: | DCC |
| Schnittstelle: | Ja |
| Fräsarbeiten: | Nein |
Allgemein, Vorbermerkungen
Die folgende Anleitung ist nicht ganz systematisch, da ich die Lok schon vor einiger Zeit digitalisiert hatte. Allerdings waren die Langsamfahreigenschaften des Originalmotors absolut unbefriedigend, so dass ich bei den letzten Messeaktionen von SB Modellbau den Umbausatz Art.-Nr. 1008 für diese Lok bestellt habe.
Wichtig: Seit kurzem gibt es den Umbausatz mit kleinerer Schwungmasse, so dass am Gehäuse keine Fräsarbeiten mehr erforderlich sind. Der Umbau geht damit sehr fix von der Hand. Auf eine zusätzliche Umrüstung mit einer Glasmachers Schnecke habe ich hier bewusst verzichtet, da dann ein deutlich höher drehender Motor benötigt würde. Bei anderen Fahrzeugen (z. B. Arnold 169) macht eine solche Kombination dagegen Sinn.
Als Decoder kommt wieder der bewährte Zimo MX620 zum Einsatz und zwar in der Version mit Anschlusskabeln.
Zerlegen des Modells
Das Dach ist lediglich eingeklipst und lässt sich leicht abheben. Darunter befindet sich eine einzelne Schraube, die entfernt werden muss. Dann lässt sich das Gehäuseoberteil einfach abheben. Der originale Motor wird durch einen Haltebügel festgeklemmt. Dieser kann nach vorne geschoben werden und lässt sich dann abnehmen.
Vorbereiten des Motors
Die Anschlussfahnen des Motors werden gekürzt und dann in Richtung der Motorachse umgebogen (so nah wie möglich am Motorgehäuse, da wenig Platz ist). Da man die Anschlussfahnen bei eingeklebtem Motor nur noch schlecht erreichen kann, werden jetzt zwei kurze Drahtstücke angelötet (siehe folgendes Bild).

Vorbereiten des Modells
Am Modell selbst müssen nur die Anschlussfahnen zum originalen Motor sowie natürlich der Motor selbst entfernt werden. Die Anschlusfahnen sind lediglich festgeschraubt. Da für den Decoder recht wenig Platz bleibt, werden die Schrauben nicht wieder eingesetzt. Da ein Anschlusskabel vom vorderen Drehgestell an einer der Anschlussfahnen mit angeklemmt ist, muss dieses im Anschluss zusammen mit dem Anschluss "Schiene -" (schwarzes Kabel) vom Decoder an der entsprechenden Anschlusslasche vom hinteren Drehgestell festgelötet werden. Weiterhin wird der Motor eingeklebt (siehe nächstes Bild).
Nicht vergessen: In die Schnecken muss der mitgelieferte Lackdraht gewickelt werden, um den Getriebeeingriff zu justieren.

Decodereinbau
Der "Decoder +"-Anschluss (blaues Kabel) wird nicht verwendet, das Kabel ist daher direkt am Decoder abzutrennen. Der MX620 mit Kabeln ist in einem Schrumpfschlauch eingepackt, wodurch das Ablöten nicht möglich ist. Der Schrumpfschlauch sollte auch nicht entfernt werden, da er nicht allzu sehr aufträgt und zuverlässig Kurzschlüsse verhindert, das heißt, wir müssen uns nicht weiter um die Isolierung des Decoders gegen das Gehäuse kümmern.
Wie im vorigen Bild schon zu sehen war, wird "Schiene -" zusammen mit der Leitung vom vorderen Drehgestell an der Anschlusslasche des hinteren Drehgestells angeschlossen. "Schiene +" (rot) muss nun mit dem Gehäuse verbunden werden. Da wir die Schrauben und Klemmen der Anschlussfahnen zum Motor nicht mehr verwenden können, ist die einfachste Lösung, diese Leitung am Gehäuse der Glühlampe anzulöten. Das Kabel für "Beleuchtung hinten" wird am Mittelkontakt der Birne angelötet:

Das Kabel für "Beleuchtung vorne" wird nach vorne geführt und an den Mittelkontakt der vorderen Birne angelötet. Der mittlere Teil des Anschlusskabels (auf Höhe des Führerhauses) sollte geschwärzt werden, damit das Kabel später nicht auffällt:

Was auf den Bildern nicht zu sehen ist: Die Federbleche unter den Glühbirnen dürfen nicht entfernt werden, da sie die Glühlampen an das Gehäuse anpressen. Nur so ist der einwandfreie Kontakt gewährleistet - die Federbleche müssen aber mit kleinen Stücken Klebeband (am besten Kaptonband) abgeklebt werden. Es darf keinesfalls eine Verbindung von diesen Blechen zu den Mittelkontakten der Glühbirnen bestehen!
Die Glühbirnen dürfen übrigens nicht gegen spannungsfestere Typen getauscht werden, da durch die Verbindung mit dem Gehäuse statt des dedizierten "Decoder +"-Anschlusses ohnehin das Tastverhältnis auf 50 % beschränkt ist. Bei 18 V Betriebsspannung ergibt sich so effektiv die gleiche Leistung und damit Helligkeit wie bei 12 V Gleichstrom. Wer also mit niedrigerer Spannung fährt, muss die Birnen unter Umständen sogar gegen Typen mit niedrigerer Spannung tauschen.
Jetzt muss noch der Motor angeschlossen werden. "Motor +" (orange) wird dabei mit dem Minus-Pol des Motors und "Motor -" (grau) mit dem Plus-Pol des Motors verbunden. Das graue Kabel kann sehr kurz gehalten werden, das orangene wird etwas länger gehalten und unter dem Decoder auf die gegenüberliegende Seite gezogen.
Test und Zusammenbau
Nachdem alle Verbindungen hergestellt wurden, muss der Decoder direkt auf das Gehäuse gelegt und die Kabel um den Decoder herum verlegt werden. Ich habe den Decoder dann noch mit einem Streifen Tesa-Film befestigt. Am besten sieht man das auf den folgenden beiden Bildern:


Der Haltebügel für den originalen Motor muss wieder eingebaut werden, da an ihm das Gehäuseoberteil festgeschraubt wird. Auf dem Programmiergleis sollte ein kurzer Funktionstest durchgeführt werden - dann kann das Gehäuseoberteil wieder aufgesetzt werden.
Kontaktsicherheit
Mein Modell hatte leider mit der Stromaufnahme Probleme. Als Abhilfe sind folgende Maßnahmen denkbar:
-
Anbringen zusätzlicher Kontaktplatten
Aus Phosphor-Bronze-Blechen (z. B. Conrad 220657) habe ich mir schmale Streifen ausgefräst, an die schmalen Seiten Kupferlackdraht angelötet und diese Platten unter dem Gehäuseboden als Gegenkontakt für die Schleifer, die sonst direkt auf dem Gehäuseboden aufliegen, mit etwas Sekundenkleber aufgeklebt (siehe nächstes Bild). Ich habe das Gefühl, dass die Kontaktsicherheit speziell bei diesen Schleifern sonst nicht besonders gut ist. Die Lackdrähte werden dann auf der Seite der Anschlussfahnen des Motors nach oben durchgeführt und können z. B. an der Glühlampe zusammen mit dem "Schiene +"-Anschluss des Decoders angelötet werden. Das folgende Bild zeigt die bereits montierten Phosphor-Bronze-Blech Streifen.

Austausch der Radsätze
Weiterhin scheinen die originalen Radsätze bei mir jeden Dreck wie ein Magnet anzuziehen - die Laufflächen sind auffallend matt, eventuell also zu rau. Ich habe daher neue Radsätze bestellt. Ein Tipp von Christian Krella von Arnold Ersatzteile war, nur die Räder ohne Haftreifen zu tauschen. Dadurch braucht man lediglich drei Radsätze ohne Haftreifen und verwendet den dritten Radsatz als Spender für die Räder der beiden Radsätze mit Haftreifen. Da es noch etwas dauert, bis die Radsätze eintreffen, habe ich mit dieser Umbaumaßnahme noch keine Erfahrungswerte.
Schienenschleifer
Sollte all das nicht helfen, bleibt noch die Option, Imotec Schienenschleifer zu montieren. Bei kleinen Loks wie der KÖF III bringen diese eine dramatische Verbesserung der Kontaktsicherheit. Alle diese Umbaumaßnahmen kosten zusammen aber ein Mehrfaches des Modells und wenn es nicht unbedingt die 211 sein muss, dann bietet sich z.B. die 212 von Fleischmann an, die auch ohne große Umbauten rund läuft.
Programmierung
Im folgenden habe ich die geänderten CVs zusammengestellt. Meine Erfahrung ist, dass sich die Regelungscharakteristik verschlechtert, wenn die absolute Regelungsreferenz (CV57) verwendet wird. Daher sind alle Werte auf den Betrieb bei 18 V und relativer Regelungsreferenz ausgelegt. Wird die Lok bei geringerer Spannung betrieben, müssen CV5/CV6 (Maximal-/Mittengeschwindigkeit) angepasst werden. Bei der Einstellung CV124=82 werden beim Aktivieren des Rangiergangs auch die Beschleunigungs- und Verzögerungswerte geviertelt, so dass die Lok schneller reagiert. Wer das nicht möchte, wählt bitte CV124=16. CV10=252 und CV113=255 sorgen dafür, dass die Regelung konstant auf dem mit CV58 eingestellten Wert bleibt (bei der aktuellen Software kann die Regelung mit steigender Fahrstufe nur reduziert, aber nicht angehoben werden). Die Konfiguration ist bereits darauf ausgelegt, dass man an die Funktionsausgänge FA1 und FA2 noch rote Lampen oder LEDs für das Schlusslicht anschliessen könnte - allerdings hat bei meinen Versuchen zu viel Licht in das Spitzenlicht eingestreut, so dass ich vorerst darauf verzichtet habe, die rote Beleuchtung nachzurüsten.
Die hier veröffentlichten Werte sind sicherlich noch nicht optimal. Leider muss ich sagen, dass der MX620 nicht sonderlich gut mit den Maxon Motoren harmoniert. Ich habe allerdings bis jetzt auch noch keine brauchbare Alternative gefunden - die Lenz-Decoder haben ebenfalls Probleme mit diesen Motoren (bei gleicher Geschwindigkeitsstufe kann der Motor auf verschiedenen Geschwindigkeiten "einrasten"), haben eine viel zu hohe Minimalgeschwindigkeit und gefallen mir bezüglich ihrer Beschleunigungs- und Verzögerungscharakteristik nicht, außerdem fehlt der Fahrstufenspeicher. Der einzige andere mir bekannte Kandidat mit Lenz ABC Support und RailCom, nämlich der Kühn N045, ist derzeit (April 2010) noch nicht lieferbar.
Die folgende Liste enthält die Werte, wie ich sie bei meinem Modell eingestellt habe (sicherlich ist noch die eine oder andere Verbesserung möglich):
| CV | Wert | CV | Wert | CV | Wert | CV | Wert | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2 | 0 | 27 | 1 | 56 | 55 | 121 | 11 | |||
| 3 | 25 | 28 | 7 | 57 | 0 | 122 | 11 | |||
| 4 | 15 | 29 | 42 | 58 | 160 | 123 | 55 | |||
| 5 | 140 | 33 | 1 | 60 | 200 | 124 | 82 | |||
| 6 | 95 | 34 | 8 | 125 | 1 | |||||
| 9 | 91 | 35 | 6 | 113 | 255 | 126 | 2 | |||
| 10 | 252 | 36 - 46 | 0 | 127 | 1 | |||||
| 128 | 2 | |||||||||
| 129 - 132 | 0 |
Einseitiger Lichtwechsel und Rangierlicht lassen sich beim Zimo MX620 über eine erweiterte Programmierung realisieren. Hierbei kann jede Funktion richtungsabhängig programmiert werden, was beim NMRA Function Mapping nicht möglich ist. Gegenüber der Liste oben müssen dann CV125..CV127 auf 0 gesetzt werden (die Richtungsabhängigkeit erledigt dann die erweiterte Programmierung über die Funktionen statt über die Ausgänge). Die Programmierung wird mit CV61=98 gestartet. Ab dann ist die Programmierung von F0v aktiv. Mit jedem Wechsel der Fahrtrichtung wird die aktuelle Zuweisung programmiert und zur nächsten Funktion (F0r, F1v, F1r, F2v, F2r,... F12r) weitergeschaltet. Nach Abschluss der Programmierung (nach dem 26. Richtungswechsel) steht CV61 auf 99. Während der Programmierung sind die Funktionen direkt den Ausgängen zugeordnet ausser bei F0, da es für diese eine Funktion von Hause aus zwei Ausgänge gibt. Durch mehrfaches Toggeln von F0 kann daher zwischen FA0v, FA0r, FA0v+FA0r und aus gewechselt werden.
Bei meiner Zentrale (Viessmann Commander) habe ich die Programmierung wie folgt durchgeführt:
- Lok aufs Hauptgleis stellen
- Lok auswählen und Fahrtrichtung auf vorwärts stellen
- Lokeditor aufrufen, Programmiermodus auf "POM" einstellen, CV61=98 programmieren (ab jetzt ist die erweiterte Programmierung aktiv, die erste Funktion ist F0v)
- Lokeditor verlassen
- F0 so oft toggeln, bis das Licht vorne an ist, alle anderen Funktionen sind aus (F0v soll das Licht vorne schalten)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "rückwärts"), damit ist F0v programmiert, jetzt kommt F0r
- F0 so oft toggeln, bis die Beleuchtung aus ist (F0r soll keinen Ausgang bedienen)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "vorwärts"), jetzt kommt F1v
- Keine Funktionen ändern (F1v soll ebenfalls keinem Ausgang zugeordnet werden)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "rückwärts"), jetzt kommt F1r
- F0 so oft toggeln, bis die Beleuchtung hinten an ist (F1r soll das Licht hinten schalten)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "vorwärts"), jetzt kommt F2v
- F0 so oft toggeln, bis die Beleuchtung aus ist (F2v soll keinen Ausgang bedienen)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "rückwärts"), jetzt kommt F2r
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "vorwärts"), jetzt kommt F3v
- F0 so oft toggeln, bis die Beleuchtung vorne und hinten an ist (F3v soll das Rangierlicht bedienen)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "rückwärts"), jetzt kommt F3r
- Keine Funktion ändern (F3r soll das Rangierlicht bedienen)
- Fahrtrichtung wechseln (Taste "vorwärts"), jetzt kommt F4v
- F0 so oft toggeln, bis die Beleuchtung aus ist (F4v soll keinen Ausgang bedienen)
- Jetzt bei unveränderten Funktionen die Fahrtrichtung so oft wechseln, bis auch F12r programmiert wurde (ein paar Wechsel mehr schaden nicht)
Zum Verständnis: Da beim Rangierlicht beide Beleuchtungen richtungsunabhängig eingeschaltet bleiben sollen, darf die Richtungsabhängigkeit nicht für die Ausgänge programmiert werden (CV125...CV132), sondern muss bereits über richtungsabhängige Funktionen realisiert werden (F0v, F0r, F1v, F1r...). Mit dem NMRA Function Mapping ist das nur für F0 möglich. Bei der beschriebenen erweiterten Programmierung werden die Funktionen F0v, F3v und F3r auf das vordere Licht und die Funktionen F1r, F3v und F3r auf das hintere Licht gemappt.
Unabhängig von beiden möglichen Programmiervarianten steuern F0 das Licht vorne, F1 das Licht hinten und F3 den Rangiergang an, bei der aufwändigen Variante wird mit F3 auch das Rangierlicht eingeschaltet.
Danke an Torsten Lang für die Zusendung.
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© by 1zu160.info; Stand: 17. 06. 2010; Seitenaufrufe laufender Monat: 46; Vormonat: 233;



